Demenzprävention, Geoboards

Demenzprävention: Geoboards und Denkspiele aktivieren Senioren

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 01:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Geoboards, Brettspiele und digitale Angebote trainieren unterschiedliche Fähigkeiten; Studien zeigen teils begrenzte Vorteile, aber keinen sicheren Demenzschutz.
Ein hölzernes Geoboard mit bunten Gummibändern, die geometrische Muster bilden, auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

In der präventiven Arbeit gegen geistigen Abbau setzen Fachkräfte zunehmend auf gezielte kognitive Trainingsmethoden. In sozialen Komplexzentren der russischen Region Saratow kam im Rahmen der Seniorenbetreuung ein sogenanntes Geoboard zum Einsatz.

Bei dieser multifunktionalen geometrischen Tafel mit gleichmäßig angeordneten Stiften spannen Teilnehmende farbige Gummibänder ein, um vorgegebene Muster nachzuweben. Das Verfahren wurde mit Leistungsempfängern aus dem Dorf Semjonowka im Rajon Arkadak praktiziert.

Ziel dieser Übungen ist es, beide Hirnhälften zu aktivieren und neben dem räumlichen Denken auch die Konzentration sowie das Kurzzeitgedächtnis zu stärken. Fachleute betrachten solche Aufgaben als niedrigschwellige Form der Demenzprävention.

Die psychologischen Entlastungsräume vor Ort sind in die regionalen Initiativen für aktive Langlebigkeit sowie das von Präsident Wladimir Putin initiierte nationale Projekt für Familien eingebunden. Die Maßnahme verdeutlicht das wachsende Interesse an analogen und sensorischen Ansätzen zur Unterstützung der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter.

Internationale Ansätze zwischen analogen und digitalen Spielen

Ähnliche Konzepte zur kognitiven Förderung werden auch international erprobt. In Südkorea besuchte Kim Tae-hyung, Vorsitzender des Ausschusses für Zukunftswissenschaft und Kooperation im Provinzrat Gyeonggi, am Tag der Älteren das Seniorenwohlfahrtszentrum Dongtan in Hwaseong. Dort fand ein Fokusgruppentest mit funktionalen Spielen statt, die mit Provinzförderung entwickelt wurden.

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Zu den Testobjekten zählten analoge Karten und Puzzles mit Unterstützung durch künstliche Intelligenz, mobile Minispiele mit persönlichen Fotos und Stimmen sowie Gedächtnis- und Strategie-Brettspiele, um die digitale Teilhabe von Senioren und Menschen mit Behinderung zu fördern. Kim betonte, dass die Rückmeldungen der Senioren die Grundlage für leichter zugängliche Spiele bilden sollen.

Ebenfalls in Südkorea führte der Landkreis Cheongdo am 15. Oktober 2026 im örtlichen Demenz-Sorgzentrum ein kognitives Trainingsprogramm für leicht demente Seniorinnen und Senioren sowie Angehörige durch.

Diese Maßnahme verknüpfte Smartphone-Grundbedienung, KI-Quiz und Übungsspiele mit multisensorischen Kognitionsmaterialien nach traditionellen Mustern, ergänzt durch Gesang, Gymnastik und Lachtherapie. Landrat Park Kwon-hyun kündigte an jenem Tag den weiteren Ausbau maßgeschneiderter digitaler Wohlfahrtsdienste an.

Auch im Bildungsbereich gewinnen spielerische Methoden an Bedeutung. An der Hamburger Schule Fuchsbergredder absolvierten das Lehrerkollegium und Erzieher im Oktober 2026 eine Fortbildung zum Einsatz von Gesellschaftsspielen. Diese sollen Konzentration, logisches Denken, Sprache sowie Kooperation fördern. Die Einrichtung plant zudem ein eigenes Spielezimmer und schaffte Gesellschaftsspiele in Klassensätzen an.

Medizinische Einordnung und Studienlage zu Gehirntraining

Mediziner weisen auf die unterschiedlichen Wirkungen verschiedener Spielarten hin. Neurologe David Perlmutter, Sheryl Martin-Schild vom New Orleans East Hospital und Geriaterin Angela Hsu heben hervor, dass Sudoku den präfrontalen Cortex aktiviere und logisches Denken fördere, während Kreuzworträtsel kognitive Fähigkeiten bei erhöhtem Alzheimer-Risiko kostengünstig unterstützen könnten.

Physische Kartenspiele wie Hearts oder Shanghai Rummy schulen Feinmotorik und Raumvorstellung, Puzzles wiederum Konzentration und räumliches Denken. Bei älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen zeigte eine Studie zudem Verbesserungen der körperlichen Verfassung und Lebensqualität, wenn zweimal wöchentlich für eine Stunde Brettspiele wie Backgammon, Stratego oder Schach gespielt wurden.

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Der Neurologe Bar?? Metin betont jedoch, dass unterschiedliche mentale Aktivitäten jeweils andere Fähigkeiten trainieren und es keine einzelne beste Gehirnübung gebe. Aktivitäten sollten fordern, jedoch nicht überfordern, weshalb bei Demenzpatienten Rücksprache mit Fachärzten sinnvoll sei.

Zudem sei Gehirntraining kein garantierter Schutz vor Alzheimer; ebenso wichtig seien Bewegung, soziale Kontakte, gesunde Ernährung, Rauchverzicht und die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin.

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern differenzierte Befunde. Eine klinische Studie aus dem Jahr 2022 mit 107 Erwachsenen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung ergab, dass Teilnehmende mit Kreuzworträtseln nach 78 Wochen beim primären kognitiven Maß besser abschnitten als jene mit computergestützten Spielen, wobei dies keinen Demenznachweis darstellt.

Ein Cochrane-Review mit dem Aktualisierungsstand vom 20. Juni 2025, der 190 Studien und 7.188 Erwachsene nach einem Schlaganfall auswertete, ermittelte bei zumeist vergleichbarer Therapiedauer einen möglichen kleinen Vorteil von Videospielen für Armfunktion und Gleichgewicht bei geringer Evidenzsicherheit sowie eine wahrscheinlichere Reduktion von Aktivitätseinschränkungen bei moderater Sicherheit. Klare Vorteile für die Lebensqualität ließen sich hingegen nicht feststellen.

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