Demenzprävention: Lebensstiländerungen senken Risiko um 60%
15.06.2026 - 03:31:40 | boerse-global.de
Eine Kombination aus Lebensstiländerungen, Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln und neuen Medikamenten zeichnet den Weg vor.
Prävention wirkt – und zwar deutlich
Die Lancet-Kommission hat 14 Risikofaktoren identifiziert, die rund 45 Prozent aller weltweiten Demenzfälle erklären. Dazu gehören Bildung, Rauchen, soziale Isolation, Diabetes und Luftverschmutzung. Das Gute: All diese Faktoren sind beeinflussbar.
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Die Finger-Studie liefert dazu beeindruckende Zahlen. Nach elf Jahren Follow-up sank das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse um 20 Prozent. Alltagsbeeinträchtigungen gingen um 30 Prozent zurück. Chronische Krankheiten traten sogar 60 Prozent seltener auf. Bestätigt wurden diese Ergebnisse durch die AgeWell.de-Studie aus Leipzig mit über 1.100 Teilnehmern.
Vorsicht bei Glucosamin – und Vitamin-B12-Mangel
Nicht alles, was als Nahrungsergänzung gilt, ist harmlos. Eine Analyse der UF Health, veröffentlicht in Nature Metabolism, untersuchte Glucosamin. Das Ergebnis: Bei Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen war die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, um 25 Prozent höher. Bei bestehender Demenz stieg das Sterberisiko ebenfalls um 25 Prozent. Im Tierversuch verschlechterte eine tägliche Dosis von 2.500 mg Glucosamin die Gedächtnisleistung. Klar ist: Eine Kausalität ist noch nicht bewiesen. Doppelblinde Studien fehlen.
Parallel dazu rückt Vitamin B12 in den Fokus. Eine Studie der UCSF in den Annals of Neurology untersuchte 231 gesunde Ältere. Das Durchschnittsalter: 71 Jahre. Bereits Werte unter 408 pmol/l – weit über der Normgrenze von 148 pmol/l – führten zu langsameren Reaktionen und Auffälligkeiten im MRT. Die Forscher fordern daher eine Neubewertung der Grenzwerte.
Medikamente: Licht und Schatten
Die Antikörper Lecanemab und Donanemab sind von der EMA zugelassen. Sie können den Krankheitsverlauf um rund 30 Prozent verzögern. Das IQWiG sieht keinen Zusatznutzen. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie befürwortet die Anwendung. Die Debatte ist also noch offen.
Weniger erfolgreich war Semaglutid. In den Phase-III-Studien EVOKE und EVOKE+ zeigte das Mittel keine Überlegenheit bei früher Alzheimer-Erkrankung.
Herz-Kreislauf-Risiken treiben Demenz
Der allgemeine Gesundheitszustand beeinflusst das Demenzrisiko indirekt über Gefäßerkrankungen. Eine Langzeitanalyse von über neun Millionen Erwachsenen, veröffentlicht 2025 im Journal of the American College of Cardiology, zeigt: 99 Prozent aller Herzinfarkte und Schlaganfälle gehen auf vier Risiken zurück – Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, erhöhter Blutzucker oder Rauchen. Bluthochdruck allein war bei über 93 Prozent der Betroffenen präsent.
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Daten der UTMB aus den Jahren 1979 bis 2023 zeigen eine besorgniserregende Entwicklung: Nach 1970 Geborene haben eine geringere Lebenserwartung. Sie sterben häufiger an Herzkrankheiten oder Krebs als frühere Jahrgänge. Übergewicht und soziale Ungleichheit gelten als Hauptursachen.
Neue Wirkstoffe in der Pipeline
Die Pharmaindustrie forscht weiter. Mitte Juni 2026 findet in Cambridge, USA, die Konferenz „Drug Discovery USA 2026“ statt. Im Fokus: multifunktionale kleine Moleküle und neuartige Biologika. Erwartet werden unter anderem Daten aus der Phase-3-Studie zu Pelacarsen von Novartis sowie Ergebnisse zu VRDN-008 von Viridian Therapeutics. Die Forschung zielt verstärkt auf bisher schwer zugängliche Zielstrukturen.
