Demenzverlauf: Tau sagte Alzheimer binnen 3 Jahren nur bei bestimmter Hirnlage voraus
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 04:34 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen rücken neben biochemischen Markern zunehmend auch anatomische Gegebenheiten in den Fokus. Eine im Fachjournal Alzheimer's & Dementia im Oktober 2026 veröffentlichte US-Studie liefert neue Hinweise darauf, dass die räumliche Lage bestimmter Hirnstrukturen den Krankheitsverlauf mitbestimmen könnte.
Demnach verändert die Nähe der entorhinalen Rinde zur sogenannten Tentoriumkerbe (Incisura tentorialis) den Zusammenhang zwischen Proteinablagerungen und dem Fortschreiten einer Demenz.
Räumliche Nähe als verstärkender Faktor
Das Autorenteam um Luyue Zhang, Ana Franceschi, John Crary und Frank Provenzano untersuchte, wie sich Eiweißablagerungen des Tau-Proteins in Kombination mit individuellen anatomischen Merkmalen auswirken.
Die Forschenden analysierten dafür Magnetresonanztomografie- und Positronen-Emissions-Tomografie-Daten (MRT und PET) von 47 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die Daten stammten aus der Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative.
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Die Ergebnisse zeigen, dass das Vorhandensein von Tau-Ablagerungen in der entorhinalen Rinde den Übergang zur Alzheimer-Krankheit in den darauffolgenden 3 Jahren nur in der Gruppe vorhersagte, die eine besonders große anatomische Nähe zur Tentoriumkerbe aufwies.
Die anatomische Distanz für sich genommen stand hingegen in keinem direkten Zusammenhang mit der nachgewiesenen Menge an Tau-Proteinen und sagte die Krankheitsentwicklung allein nicht voraus. Erst das Zusammenspiel aus biochemischer Ablagerung und der spezifischen Lage schien für den Krankheitsverlauf relevant zu sein.
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Grenzen der Methodik und Einordnung der Ergebnisse
Trotz der beachteten statistischen Zusammenhänge weisen die beteiligten Wissenschaftler auf deutliche Limitationen ihrer Analyse hin. Die Studienautoren erklärten, dass die Untersuchung auf einer kleinen Stichprobe von 47 Teilnehmenden beruhe und eine direkte klinische Anwendung derzeit nicht möglich sei. Zudem sei eine zugrundeliegende mechanische Spannung im Gewebe im Rahmen der Bildgebung nicht direkt nachgewiesen worden.
Sowohl John Crary vom Mount Sinai als auch Frank Provenzano von der Columbia University betonten daher den vorläufigen Charakter der Resultate. Auch externe Experten äußerten sich zurückhaltend.
Die Forscher Gil Rabinovici von der University of California, San Francisco (UCSF), David Attwell vom University College London (UCL) und Michael Yassa von der University of California, Irvine (UC Irvine) bewerteten die vorgelegte Evidenz übereinstimmend als interessanten, jedoch klar vorläufigen Befund.
Weitere Untersuchungen mit größeren Patientengruppen seien notwendig, um die Rolle anatomischer Faktoren bei neurodegenerativen Prozessen abschließend zu klären.
