Depression behandeln: Positive Gefühle trainieren statt negative bekämpfen
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Psychische Erkrankungen sind die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen. Das belegt der TK-Gesundheitsreport 2025. Seit 2019 stiegen die Ausfallzeiten um 50 Prozent – auf durchschnittlich 3,75 Fehltage pro Person. Der Handlungsdruck für Unternehmen und das Gesundheitssystem wächst.
Die Nachfrage nach zertifizierten Präventionsprogrammen steigt entsprechend. Im Allgäu etwa gibt es mittlerweile anerkannte Bildungsurlaube, die Methoden wie Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) und Mindful Self-Compassion (MSC) vermitteln. Berlin, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein haben solche Angebote als offizielle Bildungszeit anerkannt. Ziel: Selbstregulation und Stressbewältigung nachhaltig stärken.
Studie: Positive GefĂĽhle gezielt trainieren
Die Forschung entwickelt zunehmend differenzierte Ansätze. Eine 2026 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie von Alicia Meuret untersuchte das „Positive Affect Treatment“. Der Fokus liegt hier auf der Förderung positiver Gefühle – statt auf der Bearbeitung negativer Emotionen. Im Vergleich zur klassischen Verhaltenstherapie zeigten Patienten mit Depressionen oder Angststörungen eine deutlich stärkere Reduktion von Freudlosigkeit. Der Effekt blieb über einen längeren Zeitraum stabil.
Parallel gewinnen neurowissenschaftlich fundierte Methoden an Bedeutung. Dr. Ulrich Ott und Jörn-Marc Vogler beschreiben eine 3-Stufen-Methode basierend auf dem Prinzip des „Predictive Processing“. Sie umfasst die vegetative Regulation durch asymmetrisches Atmen zur Beruhigung des Vagusnervs, gefolgt von Selbstreflexion und der Entwicklung einer Meta-Bewusstheit.
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Auch im Bildungssektor fordern Wissenschaftler eine systematische Förderung der Selbstregulation. In einer Übersichtsarbeit in der Educational Psychology Review betonen Forscher um Trautwein: Die Fähigkeit, eigene Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen zu steuern, ist maßgeblich für schulischen Erfolg und den weiteren Lebensweg. Sie empfehlen, diese Kompetenzen durch gezielte Klassenführung und kognitive Aktivierung frühzeitig zu verankern.
Neue Zentren und Programme entstehen
Die praktische Umsetzung dieser Erkenntnisse nimmt Fahrt auf. Im Mai 2026 eröffnete in Butzbach ein Zentrum für Mentale Gesundheit. Es bietet kostenfreie psychologische Beratung und Präventivkurse zur Resilienzstärkung. Ähnliche Initiativen entstanden im Juli 2026 im österreichischen Wolfsberg – mit Fokus auf Neuromentaltraining und Burnout-Prävention für Schulen und Unternehmen.
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Auch Volkshochschulen passen ihr Programm an. Für das im August und September beginnende Semester planen sie verstärkt Kurse zu digitaler Resilienz, Gedächtnistraining und Stressmanagement. Ergänzt werden diese Angebote durch Programme der Rentenversicherung wie „RV Fit“ – spezialisierte Kliniken erweitern bereits ihre Kapazitäten.
In der betrieblichen Führungsebene rücken systemische Ansätze in den Vordergrund. Systemische Coaches betonen: Angst in Organisationen ist oft ein Symptom mangelnder Stabilität. Führungskräfte seien gefordert, durch die Stärkung von Wirbewusstsein und Sinnhaftigkeit die Resilienz innerhalb ihrer Teams zu fördern. Auch die Sozialpartnerschaft steht vor neuen Herausforderungen: Im Rahmen von Fachdiskussionen im Juli 2026 wurde erörtert, wie der Strukturwandel und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die psychische Belastung am Arbeitsplatz verändern – und welche Anpassungen in der Unternehmenskultur notwendig sind.
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