Depression, Immuntherapie

Depression: Immuntherapie Tocilizumab erreicht 54% Remissionsrate

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 23:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: Ketogene DiÀt, Tocilizumab und Darmgesundheit bieten neue AnsÀtze bei psychischen Erkrankungen.

Darm-Hirn-Achse: Neue Therapien gegen Depressionen
Eine stilisierte Darstellung der Darm-Hirn-Achse, die ein leuchtendes Gehirn mit dem Verdauungssystem verbindet. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Gleichzeitig liefern Studien neue BehandlungsansĂ€tze – von der ketogenen DiĂ€t bis zum Immuntherapeutikum.

Die unterschÀtzte Darm-Hirn-Verbindung

Störungen der Darm-Hirn-Interaktion brauchen ein strukturiertes Vorgehen. Das zeigt eine Studie aus dem FrĂŒhjahr 2026 in der Fachzeitschrift Gastroenterology. Experten der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum empfehlen ein dreistufiges Modell: Psychoedukation, Verhaltenstherapie und Betreuung durch spezialisierte Gastropsychologen. Besonders Frauen sind von diesen Störungen betroffen.

Der Darm produziert rund 90 Prozent des Serotonins. Doch der Botenstoff gelangt nicht direkt ins Gehirn – die Blut-Hirn-Schranke verhindert das. Stattdessen braucht das Gehirn die AminosĂ€ure Tryptophan, um eigenes Serotonin zu bilden. Chronischer Stress und einseitige ErnĂ€hrung können zu einem „Tryptophan-Raub“ fĂŒhren. Die Folge: Die Stimmung leidet.

Studien des Mount Sinai aus dem Jahr 2026 zeigen zudem: EntzĂŒndungen im Darm, etwa bei chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen (CED), beeintrĂ€chtigen den Schlaf. Bereits Tage vor einem klinischen Schub sinkt der REM-Schlaf, der Leichtschlaf nimmt zu. Eine personalisierte ErnĂ€hrung senkte in diesem Zusammenhang die Hospitalisierungsrate um 31 Prozent.

Ketogene DiÀt gegen Depressionen

Die therapeutische Bedeutung der ErnĂ€hrung untermauert eine randomisierte kontrollierte Studie der University of California, San Francisco (UCSF). Die Ergebnisse erschienen im Juli 2026 im Schizophrenia Bulletin. 58 Teilnehmer mit Schizophrenie oder bipolaren Störungen fĂŒhrten eine ketogene DiĂ€t durch. Bereits nach einem Monat zeigten sich deutliche Verbesserungen bei Depressionssymptomen und Blutzuckerwerten. Eine viermonatige VerlĂ€ngerungsphase bestĂ€tigte die positiven Effekte.

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Forscher der Arizona State University untersuchten die Wirkung von Essig auf leicht ĂŒbergewichtige Personen mit depressiven Symptomen. Ergebnisse aus dem Jahr 2024 deuten auf eine stimmungsaufhellende Wirkung hin. Zur UnterstĂŒtzung des Mikrobioms empfehlen Experten fermentierte Lebensmittel und ballaststoffreiche Kost. Bitterstoffe aus Artischocke oder Enzian können die Verdauung zusĂ€tzlich anregen.

Kreatin, Ginseng und Tocilizumab

Im Bereich der NahrungsergĂ€nzung zeigen sich gemischte Ergebnisse. Eine Analyse von fĂŒnf randomisierten kontrollierten Studien mit 238 Teilnehmern, veröffentlicht im Journal Brain Medicine, untersuchte die Wirkung von Kreatin. TĂ€gliche 5 Gramm in Kombination mit Antidepressiva oder kognitiver Verhaltenstherapie halfen vor allem Frauen mit schweren Depressionen. Bei therapieresistenten VerlĂ€ufen oder Jugendlichen ließ sich kein signifikanter Nutzen nachweisen. Bei bipolaren Patienten warnte die Studie vor dem Risiko einer Manie.

Auch Ginseng steht im Fokus der Forschung. Auswertungen von 19 systematischen Reviews zeigen: Die enthaltenen Ginsenoside beeinflussen Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin sowie die Stressachse. Koreanischer Ginseng wirkt eher aktivierend, amerikanischer Ginseng eher beruhigend. Allerdings: Die methodische QualitÀt der zugrunde liegenden Studien ist begrenzt.

Einen neuen Ansatz bei therapieresistenten Depressionen verfolgt eine Studie der University of Bristol vom Juli 2026. Das Immuntherapeutikum Tocilizumab fĂŒhrte bei 30 Teilnehmern zu einer Remissionsrate von 54 Prozent – in der Placebogruppe waren es nur 31 Prozent. FĂŒr Patienten, die auf herkömmliche Antidepressiva nicht ansprechen, könnte das eine echte Hoffnung sein.

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Peer-Programm gegen Stigma

Neben biologischen AnsĂ€tzen rĂŒcken psychosoziale Faktoren in den Fokus. Eine multizentrische Studie, veröffentlicht im Juli 2026 in The Lancet Regional Health – Europe, untersuchte das Peer-Programm „In WĂŒrde zu sich stehen“. An neun Standorten in Deutschland nahmen 457 Erwachsene teil. Das Programm reduzierte Selbststigma und Stigmastress signifikant. Positive Effekte auf LebensqualitĂ€t und soziale Inklusion waren noch nach fĂŒnf Monaten messbar. Die Autoren loben zudem die KosteneffektivitĂ€t des Programms.

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