DHA, Nervenwasser

DHA im Nervenwasser steigt um 17 Prozent – doch das Gedächtnis profitiert nicht

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Jahre DHA-Supplementierung verbesserten Gedächtnistests nicht und bremsten den Verlust von Hirnsubstanz nicht.
Laborumgebung mit sterilen Glasgefäßen und Zentrifugenröhrchen auf einer weißen Oberfläche in einer klinischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Trotz eines weltweiten Milliardenmarktes und hoher Ausgaben für Fischölkapseln stellen klinische Untersuchungen den erhofften Nutzen für das alternde Gehirn infrage.

Allein US-Amerikaner geben jährlich mehr als 1 Mrd. US-Dollar für Omega-3-Produkte aus, während der globale Markt ein Volumen von 3,4 Mrd. US-Dollar umfasst. Rund 19 Mio. Erwachsene in den USA – darunter rund ein Fünftel der über 60-Jährigen – greifen regelmäßig zu Fischölpräparaten.

Eine zweijährige randomisierte, doppelblinde klinische Studie von Keck Medicine of USC dämpft nun die Hoffnungen auf einen gezielten Schutz vor kognitivem Verfall: Hochdosierte Gaben von Docosahexaensäure (DHA) führten demnach weder zu besseren Gedächtnisleistungen noch verhinderten sie den Abbau von Hirnsubstanz.

Keine kognitiven Effekte trotz Anstieg im Nervenwasser

Die Untersuchung von Keck Medicine of USC umfasste 365 Erwachsene im Alter von 55 bis 80 Jahren, die vor Studienbeginn selten Fisch aßen und ein erhöhtes Alzheimer-Risiko aufwiesen. Die Teilnehmer erhielten täglich entweder 2000 mg DHA oder ein Placebo.

Das Durchschnittsalter lag bei 66 Jahren, 58 Prozent der Probanden waren Frauen und 47 Prozent trugen das Risikogen APOE4. Vor Beginn der Untersuchung lag die tägliche DHA-Aufnahme der Probanden bei unter 200 mg, zudem lag bei jedem Teilnehmer mindestens ein Demenz-Risikofaktor vor.

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Nach sechs Monaten zeigte sich bei den 181 Probanden, bei denen eine Lumbalpunktion durchgefĂĽhrt wurde, ein Anstieg des DHA-Spiegels im Nervenwasser um durchschnittlich 17 Prozent. Damit konnte belegt werden, dass das Supplement das Gehirn erreichte.

Nach zwei Jahren zeigten sich jedoch keine signifikanten Verbesserungen bei den Gedächtnis- und Denkfähigkeitstests. Auch ein Schrumpfen des Hippocampus wurde nicht verhindert, und selbst bei Trägern des APOE4-Gens blieb ein zusätzlicher Nutzen aus. Die Studienabbrecherquote lag bei rund 38 Prozent, was vor allem auf die Corona-Pandemie zurückgeführt wurde.

Grenzen von Nahrungsergänzungsmitteln bei der Demenzprävention

Hussein Naji Yassine, Direktor des USC Center for Personalized Brain Health und Leiter der in der Fachzeitschrift eBioMedicine veröffentlichten Studie, stellte fest, dass Fischöl-Supplemente die Gehirngesundheit offenbar nicht schützen und die Ergebnisse Fischöl als Mittel zur Alzheimer-Prävention nicht stützen.

Nach Einschätzung von Keck Medicine of USC bedeutet mehr DHA im Gehirn in dieser Population nicht automatisch eine bessere Funktion. Frühere Forschungsarbeiten legen nahe, dass Faktoren wie mediterrane Ernährung, allgemeine Gesundheit, Genetik und Alter die Verwertung der Fettsäuren beeinflussen könnten.

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Zudem betonen die Forscher, dass die Ergebnisse ausschließlich für die getestete Dosierung und Population gelten. Sie stellen keinen Grund dar, ärztlich verordnete Medikamente abzusetzen; auch behalten Omega-3 und der Verzehr von Fisch grundsätzlich ihre Bedeutung.

Finanziert wurde das Vorhaben von den National Institutes of Health über mehrere Förderprogramme (RF1AG076124, R01AG055770, R01AG067063, R01AG054434, R21AG056518, P30AG066530) sowie von der Alzheimer's Drug Discovery Foundation (GC-201711-2014197).

Medizinische Einordnung und Lebensstilfaktoren

Fachärzte bewerten die Datenlage ähnlich zurückhaltend. Ein Mediziner des Fortis Hospital gab zu bedenken, dass die Evidenz für Omega-3-Supplemente zur Demenzprävention weiterhin unschlüssig bleibe. Ein Facharzt des P.D. Hinduja Hospital wies darauf hin, dass ein Präparat zwar Biomarker verändern könne, dies jedoch nicht zwangsläufig mit einer messbaren Verbesserung des Gedächtnisses einhergehe.

Gleichzeitig weisen Studienautoren und Experten auf mögliche Nebenwirkungen hochdosierter Gaben hin, darunter Blähungen, Sodbrennen und Durchfall, sowie auf die nötige Vorsicht bei der Einnahme von Blutverdünnern.

Als wirksamere Maßnahmen zur Förderung der Gehirngesundheit gelten eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichender Schlaf sowie die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes; bei beginnendem Gedächtnisverlust wird eine medizinische Abklärung angeraten.

Ernährungsbehörden wie das niederländische Voedingscentrum empfehlen weiterhin 100 Gramm Fisch pro Woche – bevorzugt fetten Fisch –, da es unzureichende Belege dafür gebe, dass Kapseln denselben Effekt erzielen wie echter Fisch.

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