Diabetes bei Frauen: Ein Drittel seltener moderne Medikamente
Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 13:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung mit fast 20.000 Patientinnen und Patienten zeigt: Sie erhalten um ein Drittel seltener Wirkstoffe wie SGLT2-Hemmer oder GLP1-Rezeptoragonisten. Fachleute sprechen von einer âGender Health Gapâ in der Diabetes-Versorgung.
Medical Gaslighting verzögert Diagnosen
Prof. Dr. Susanne Reger-Tan von der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum kritisierte Mitte Juli auf einer Fachkonferenz ein weiteres Problem: das PhĂ€nomen des âMedical Gaslightingâ. Dabei nehmen Ărztinnen und Ărzte Symptome von Frauen nicht ernst oder relativieren sie. Das verzögere Diagnosen erheblich.
Ein besonders riskantes Beispiel ist das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS). Weltweit sind schĂ€tzungsweise 170 Millionen Frauen betroffen â jede achte. PMOS vervierfacht das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes, denn rund 85 Prozent der Betroffenen haben eine Insulinresistenz. Doch etwa 70 Prozent dieser FĂ€lle bleiben unerkannt.
Hormonelle Schwankungen werden ignoriert
Die Insulintherapie bei Frauen ist komplexer als bei MĂ€nnern. WĂ€hrend des Menstruationszyklus, besonders in der Lutealphase, steigt der Insulinbedarf um bis zu 15 Prozent. Fachleute bemĂ€ngeln, dass automatisierte Insulinpumpen diese regelmĂ€Ăigen Schwankungen nicht berĂŒcksichtigen.
Auch die Nachsorge nach Schwangerschaftsdiabetes ist mangelhaft. Obwohl das Risiko fĂŒr eine spĂ€tere Diabetes-Erkrankung deutlich erhöht ist, machen nur 40 Prozent der Frauen den empfohlenen Glukosetoleranztest nach der Geburt. Chronische VerlĂ€ufe werden so oft zu spĂ€t erkannt.
Psychische Belastung wĂ€chst â neue digitale Hilfe
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Menschen mit Diabetes haben ein 20 Prozent höheres Risiko fĂŒr Angststörungen. Eine Studie von Insulet mit ĂŒber 9.600 Befragten aus September 2025 zeigt: 66 Prozent der Diabetiker und 46 Prozent der Pflegepersonen klagen ĂŒber schlechten Schlaf. Ăber 60 Prozent wĂŒnschen sich explizit psychologische UnterstĂŒtzung.
Eine Antwort darauf liefert die Partnerschaft zwischen Insulet und dem Anbieter Calm. Seit Mitte Juli bieten sie unter dem Titel âMindfulness in Rangeâ Achtsamkeitstools und Meditationen speziell fĂŒr Diabetiker. Erste Daten zeigen: Die Techniken senken Stress bei 39 Prozent der Nutzer, AngstzustĂ€nde und Schlafprobleme bei 33 Prozent.
Neue Medikamente und politische MaĂnahmen
Die Pharmakotherapie steht vor einer Erweiterung. Nach einer EMA-Empfehlung im Mai wird die Zulassung fĂŒr eine orale Semaglutid-Tablette fĂŒr Mitte August erwartet. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrungsmedizin warnt jedoch vor möglichem Muskelabbau durch GLP-1-PrĂ€parate und empfiehlt begleitendes Krafttraining sowie proteinreiche ErnĂ€hrung.
Politisch tut sich ebenfalls etwas: Der Bundestag hat eine gestaffelte Herstellerabgabe auf Softdrinks verabschiedet, die 2028 in Kraft tritt. GetrĂ€nke mit ĂŒber 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden dann mit 32 Cent pro Liter besteuert. Zudem sollen ab 2028 Pflicht-Screenings auf Typ-2-Diabetes bei jeder Krankenhausaufnahme eingefĂŒhrt werden.
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Lebensstil als wirksame Waffe
Eine im BMJ Nutrition, Prevention & Health veröffentlichte Studie von Collins et al. bestĂ€tigt den Nutzen von Lebensstilinterventionen. Ein sechsmonatiges Low-Carb-Coaching fĂŒhrte zu einer mittleren Gewichtsabnahme von 5,2 Kilogramm und senkte den Langzeitblutzuckerwert deutlich. ErgĂ€nzend weisen Experten auf die Bedeutung von MikronĂ€hrstoffen hin: Rund 45 Prozent der Diabetiker haben MĂ€ngel, besonders bei Vitamin D und Magnesium.
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