Diabetes-FrĂĽherkennung: Ă–DG fordert HbA1c-Tests ab 35 alle drei Jahre
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 16:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) und Fachärzte setzen sich anlässlich des Weltdiabetestags unter dem Leitthema einer frühzeitigen Intervention für eine deutlich konsequentere Früherkennung in Österreich ein.
Während die Organisation „Wir sind Diabetes“ flächendeckende Antikörper-Blut-Tests zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Kindern anregt, fordern Mediziner für Erwachsene die breitere Nutzung von HbA1c-Messungen. Zudem stehen eine erweiterte Kostenerstattung für Glukosesensoren und automatisierte Insulinabgabesysteme (AID) im Fokus der gesundheitspolitischen Forderungen.
Hohe Dunkelziffer und schwerwiegende Folgeerkrankungen
Nach Angaben von ÖDG-Präsident Harald Sourij von der Medizinischen Universität Graz leben in Österreich mehr als 800.000 Menschen mit Diabetes mellitus. Sourij verweist dabei auf die gravierenden Spätfolgen und warnt vor jährlich rund 500 Majoramputationen oberhalb des Sprunggelenks. Laut der ÖDG liegt die Sterblichkeit in Österreich innerhalb eines Jahres nach einem solchen Eingriff bei über 36 Prozent.
Wie verbreitet die Stoffwechselstörung ist, unterstreicht eine Auswertung der Fachgesellschaft von über 6,4 Millionen Nüchternblutzucker-Messwerten aus österreichischen Vorsorgeuntersuchungen. Demnach lag bei rund 6 Prozent der Untersuchten bereits ein bekannter Diabetes vor. Knapp 3 Prozent der Befunde deuteten auf eine bislang unerkannte Erkrankung hin, während rund 20 Prozent der Werte einen Prädiabetes anzeigten.
Als Konsequenz aus diesen Daten fordert die ÖDG Anpassungen im bestehenden Vorsorgeprogramm: Neben dem herkömmlichen Nüchternblutzucker soll bei allen Personen ab 35 Jahren – insbesondere bei Vorliegen von Übergewicht – alle drei Jahre der HbA1c-Wert ermittelt werden. Bei bereits diagnostiziertem Prädiabetes sei eine jährliche Kontrolle ratsam.
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Risiken bei Typ 1 und Fortschritte in der FrĂĽhphase
Auch im Hinblick auf den Typ-1-Diabetes sieht die Ă–DG Defizite bei der rechtzeitigen Diagnose. Bei Erstmanifestationen kletterten die Raten an schweren Stoffwechselentgleisungen in Form von Ketoazidosen zeitweise auf bis zu 44 Prozent.
Eine gezielte familiäre Vorsicht greift dabei oft zu kurz, da mehr als 80 Prozent der neu betroffenen Kinder keine nahen Angehörigen mit Typ-1-Diabetes aufweisen. Liegen im Blut jedoch mehr als zwei diabetes-spezifische Antikörper vor, entwickelt sich laut der Gesellschaft im weiteren Lebensverlauf unausweichlich die Erkrankung.
Eine frühzeitige Feststellung gewinnt vor allem durch neuere Therapieoptionen an Bedeutung. Seit Jänner 2026 ist in der Europäischen Union der Wirkstoff Teplizumab für Erwachsene sowie Kinder ab acht Jahren zugelassen, die sich im Stadium 2 eines Typ-1-Diabetes befinden.
Studiendaten belegen eine mediane Zeit bis zur klinischen Diagnose von 48,4 Monaten unter dem Medikament gegenüber 24,4 Monaten in der Placebogruppe. Die Behandlung kann den Ausbruch eines symptomatischen Diabetes demnach um bis zu zwei Jahre hinauszögern.
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Versorgungssituation bei Technologie und Medikamenten
Neben diagnostischen MaĂźnahmen thematisiert die Fachgesellschaft LĂĽcken in der Versorgungstechnologie. So stehen Patientinnen und Patienten in Ă–sterreich derzeit lediglich zwei AID-Systeme zur VerfĂĽgung. Parallel dazu fĂĽhrt die Organisation ein eigenes Register fĂĽr seltene Krankheitsbilder, in dem mittlerweile mehr als 140 Betroffene seltener monogenetischer Diabetesformen erfasst sind.
Hinsichtlich medikamentöser Ansätze verweist die ÖDG auf Studienergebnisse zu modernen GLP-1- und GIP-Präparaten, die das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzschwäche, Nierenerkrankungen sowie Todesfälle senken können. Zugleich müsse in der Praxis beachtet werden, dass bei bis zu einem Fünftel der Behandelten Übelkeit als Nebenwirkung auftritt.
