Diabetes, Infektionen

Diabetes und Infektionen: Typ-1-Diabetiker haben 337% höheres Risiko

13.06.2026 - 04:10:54 | boerse-global.de

Neue Forschung belegt deutlich höheres Risiko fĂŒr schwere Infektionen bei Diabetikern. Zudem warnen Experten vor Medikamenten-bedingten NĂ€hrstoffdefiziten.

Diabetes-Studie: Stark erhöhtes Infektionsrisiko und NÀhrstoffmÀngel
Diabetes - Nahaufnahme einer Hand, die bunte Vitamine und Mineralstoffe hĂ€lt, mit verschwommenem medizinischem Hintergrund. 13.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das belegt eine aktuelle Studie der City St. George’s, University of London. Die Analyse von ĂŒber 800.000 Diabetikern zeigt alarmierende Zahlen: Typ-1-Diabetiker haben ein um 81 Prozent höheres ambulantes Infektionsrisiko – und ein um 337 Prozent gesteigertes Risiko fĂŒr Krankenhausaufenthalte aufgrund von Infektionen.

Bei Typ-2-Diabetes liegt das Risiko fĂŒr stationĂ€re Behandlungen immer noch um 91 Prozent ĂŒber dem gesunder Vergleichspersonen. Besonders hĂ€ufig treten schwere VerlĂ€ufe wie LungenentzĂŒndungen und Sepsis auf.

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„Der Infektionsschutz ist eine zentrale SĂ€ule der Diabetesbehandlung“, sagt Studienleiterin Professor Julia Critchley. Bei Typ-2-Diabetes seien Infektionen bereits die dritthĂ€ufigste Todesursache. Selbst bei PrĂ€diabetes steigt das Risiko moderat – um etwa ein Drittel.

Akute Gefahr: Ketoazidose bei Kindern

Neben chronischen Risiken bleiben akute Komplikationen ein kritisches Thema. Ein Bericht aus dem Khanh Hoa General Hospital zeigt die Gefahr der diabetischen Ketoazidose. Bei Kindern mit unzureichend eingestelltem Blutzucker kann sie bis zum Multiorganversagen fĂŒhren.

Medikamente rauben wichtige NĂ€hrstoffe

Doch nicht nur die Stoffwechselerkrankung selbst ist das Problem. Auch gĂ€ngige Diabetes-Medikamente beeinflussen die NĂ€hrstoffaufnahme massiv. Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko fĂŒr Mangel an Magnesium, Vitamin B12, Vitamin D, Kalium und Omega-3-FettsĂ€uren.

Magnesiummangel hÀngt mit verminderter Insulinempfindlichkeit zusammen. Vitamin-D-Defizite korrelieren ebenfalls mit reduzierter InsulinsensitivitÀt.

Besonders kritisch: Die Langzeitanwendung von Metformin und GLP-1-Rezeptoragonisten erhöht das Risiko fĂŒr Vitamin-B12-Mangel. Auch neuere PrĂ€parate wie Tirzepatid können durch starke Appetitminderung indirekt zu geringerer NĂ€hrstoffaufnahme fĂŒhren. Experten warnen vor MĂ€ngeln an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) sowie B-Vitaminen unter dieser Therapie.

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Senioren besonders betroffen

Eine Studie in der Fachzeitschrift „Nutrients“ zeigt: Etwa 25 Prozent der ĂŒber 65-JĂ€hrigen haben einen Vitamin-B12-Mangel. Professor Mona Tawab warnte auf einem Fachkongress vor unkontrollierter Supplementierung. Ihr Rat: Vitamine erst nach gesicherter Labordiagnose einnehmen.

Neue Behandlungsleitlinien: Organschutz vor Metformin

Die Fachgesellschaften ADA und EASD haben im Juni neue Empfehlungen veröffentlicht. Bei Typ-2-Diabetes-Patienten mit Herz- oder Nierenrisiken priorisieren sie jetzt SGLT-2-Hemmer wie Empagliflozin und GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid – noch vor der klassische Metformin-Therapie. Ziel: Organschutz und Gewichtsmanagement zur Erzielung einer Remission.

FlÀchendeckende Unterversorgung

Das Nationale ErnĂ€hrungsmonitoring vom April 2026 zeigt: 44 Prozent der Kinder und 32 Prozent der Erwachsenen in Deutschland nehmen zu wenig Jod auf. Bei Vitamin D besteht laut Deutscher Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung bei ĂŒber der HĂ€lfte der ĂŒber 65-JĂ€hrigen ein Mangel.

FĂŒr Diabetiker sind zudem Ballaststoffe zur Blutzuckerstabilisierung und Vitamin C zur UnterstĂŒtzung der oft gestörten Wundheilung entscheidend.

In der klinischen Praxis gewinnen zertifizierte Versorgungsstrukturen an Bedeutung. Das Diabetesteam des Vinzenz Pallotti Hospitals in Bensberg wurde kĂŒrzlich erneut fĂŒr seine leitlinienkonforme Behandlung ausgezeichnet. Das Team interveniert bei stationĂ€ren Patienten bereits ab einem Aufnahmezucker von 200 mg/dl – um Komplikationen vorzubeugen.

de | wissenschaft | 69531190 |