Diabetesrisiko: Gewichtsverlust und normale Blutzuckerwerte senken es um 73 Prozent
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
FrĂŒhzeitige Risikoerkennung, individuelle PrĂ€vention und eine an persönliche Werte angepasste ErnĂ€hrung stehen im Zentrum aktueller Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und des Deutschen Instituts fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung (DIfE).
Wie die DDG in einem Bericht vom 22. September 2026 darlegte, sollen Erwachsene ihr individuelles Typ-2-Diabetes-Risiko frĂŒhzeitig ermitteln und erhöhte Blutzuckerwerte Ă€rztlich abklĂ€ren lassen. Der DIfE-Deutsche-Diabetes-Risiko-Test schĂ€tzt dabei das Erkrankungsrisiko fĂŒr die kommenden zehn Jahre ein.
Sechs PrÀdiabetes-Typen und die Wirkung von Lebensstilinterventionen
In einem Bericht vom 23. September 2026 beschrieb die DDG sechs unterschiedliche PrÀdiabetes-Typen. Lebensstil-Interventionsstudien zeigten laut DDG, dass bei Hochrisiko-PrÀdiabetes das Leberfett durch eine Intervention um 24 Prozent und durch eine intensivierte Intervention um 37 Prozent sank.
Teilnehmende, die Gewicht verloren und normale Blutzuckerwerte erreichten, hatten zwei Jahre nach der Intervention ein um 73 Prozent geringeres Typ-2-Diabetes-Risiko.
Die DDG verweist zudem darauf, dass gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check haben; bei erhöhten Risikowerten empfiehlt die Gesellschaft zunÀchst eine Kontrolle nach drei Monaten, danach halbjÀhrliche Kontrollen. Die diabetesbezogenen Gesundheitsausgaben in Deutschland lagen laut DDG im Jahr 2024 bei rund 36 Milliarden Euro.
Diagnosegrenzwerte und PrÀdiabetes-Definition
Ein Bericht vom 23. September 2026 fasste die von der DDG genannten Diagnosegrenzwerte zusammen: Ein NĂŒchternblutzucker ĂŒber 126 mg/dl (7 mmol/l), ein HbA1c ĂŒber 6,5 Prozent (48 mmol/mol) oder ein Blutzuckerwert zwei Stunden nach Glukosebelastung ĂŒber 200 mg/dl (11,1 mmol/l) gelten als diabetestypisch, wobei in der Regel zwei auffĂ€llige Messungen zur Diagnose nötig sind.
Als PrĂ€diabetes gilt demnach ein NĂŒchternwert zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6â6,9 mmol/l) oder ein Zwei-Stunden-Wert zwischen 140 und 199 mg/dl (7,8â11,0 mmol/l); ein HbA1c unter 5,7 Prozent gilt als normal.
Wer seine Blutzuckerwerte besser verstehen möchte, findet in diesem kostenlosen 25-seitigen Ratgeber eine verstĂ€ndliche AufschlĂŒsselung der wichtigsten Laborwerte. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen
Die American Diabetes Association (ADA) betonte laut demselben Bericht, dass es keinen allgemeinen Blutzuckerwert gebe, ab dem Insulin nötig werde â entscheidend seien Diabetesform, Therapie und individuelle Zielwerte.
WĂ€hrend Typ-1-Diabetes dauerhaft Insulin erfordere, könne dies bei Typ 2 im Krankheitsverlauf notwendig werden. Werte unter 70 mg/dl gelten laut ADA als Unterzuckerung, Werte ĂŒber 250 mg/dl als schwere Ăberzuckerung.
ErnÀhrungsstile und biologisches Altern
Eine im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte Studie des Deutschen Zentrums fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), ĂŒber die im September 2026 berichtet wurde, wertete ErnĂ€hrungsdaten und Blutproben von rund 7.500 Personen aus â zunĂ€chst 6.470 Teilnehmende der Rheinland Studie, anschlieĂend bestĂ€tigt anhand von rund 1.000 Personen der EPIC-Potsdam-Studie.
Alle zehn untersuchten gesunden ErnĂ€hrungsstile waren demnach mit langsamerem biologischem Altern verbunden, gemessen ĂŒber DNA-Methylierungsmuster mit drei epigenetischen Uhren und rund 850.000 DNA-Stellen.
Keine DiĂ€t erwies sich dabei als ĂŒberlegen; die Effekte waren laut den Forschenden messbar, aber bescheiden. Mehr als 70 Prozent der beeinflussten Signalwege waren bei allen ErnĂ€hrungsstilen gemeinsam, wobei der Zusammenhang bei Rauchenden am stĂ€rksten ausfiel. Die Ursache dafĂŒr blieb in der Studie offen.
Vollkorn, Ballaststoffe und Protein im Alter
Eine Metaanalyse im European Heart Journal, die 87 randomisierte Studien mit 6.529 Teilnehmenden auswertete, kam laut einem Bericht vom 23. September 2026 zu dem Ergebnis, dass 60 bis 100 Gramm Vollkorn tĂ€glich (Trockengewicht) die stĂ€rksten Effekte zeigten; fĂŒr höhere Mengen fehlten ausreichende Daten.
Im Durchschnitt sank das Körpergewicht um 510 Gramm, der Taillenumfang um 0,6 Zentimeter und der systolische Blutdruck um 1,5 mmHg â jeweils unterhalb der als klinisch relevant geltenden Schwellenwerte.
Auch bei LDL-Cholesterin, Gesamtcholesterin und HbA1c blieben die VerÀnderungen unter den definierten Relevanzschwellen, wÀhrend das HDL-Cholesterin unverÀndert blieb und Nebenwirkungen nicht hÀufiger auftraten.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt mindestens 30 Gramm Ballaststoffe tĂ€glich; laut Nationaler Verzehrsstudie liegt der Durchschnitt bei Frauen bei 18 Gramm und bei MĂ€nnern bei 19 Gramm.
Nur 3 Minuten tĂ€glich können bereits ausreichen, um den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes auf natĂŒrlichem Weg positiv zu beeinflussen. Dieser kostenlose Ratgeber stellt 7 einfache Ăbungen mit Sofortwirkung vor, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen. Gratis E-Book mit 3-Minuten-Ăbungen sichern
FĂŒr den Muskelerhalt im Alter spielt zudem die Proteinzufuhr eine Rolle. Eine Metaanalyse von Morton und Team fand beim Krafttraining weitgehend ein Plateau der Vorteile bei etwa 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.
Als ausreichend fĂŒr die meisten gesunden Menschen mit regelmĂ€Ăigem Krafttraining gelten laut einem befragten Experten 1,4 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm tĂ€glich, wĂ€hrend rund 2 Gramm pro Kilogramm als möglicher oberer Bereich zur Optimierung des Muskelaufbaus gelten.
Ein Ratgeber vom 22. September 2026 empfahl fĂŒr ein gesundes und durchhaltbares Abnehmen im Alter 0,5 bis höchstens 1 Kilogramm Gewichtsverlust pro Woche, kombiniert mit zwei bis drei kurzen Krafttrainingseinheiten pro Woche und ausreichender EiweiĂzufuhr zum Muskelerhalt.
Fazit fĂŒr die Praxis
Die verschiedenen Erkenntnisse zeichnen ein konsistentes Bild: Wer im Alter sein Diabetesrisiko senken will, profitiert weniger von einer bestimmten DiĂ€tform als von einer insgesamt gesunden, ballaststoffreichen ErnĂ€hrung, moderatem Vollkornkonsum, ausreichender Proteinzufuhr und regelmĂ€Ăiger körperlicher AktivitĂ€t.
ErgĂ€nzend dazu empfiehlt die DDG, das individuelle Risiko frĂŒhzeitig zu bestimmen und AuffĂ€lligkeiten Ă€rztlich abklĂ€ren zu lassen â ein Ansatz, der angesichts der laut DDG fĂŒr 2024 genannten Gesundheitsausgaben von rund 36 Milliarden Euro fĂŒr Diabetes in Deutschland auch gesundheitspolitisch an Bedeutung gewinnt.
