Diabetische Retinopathie: Frühe Behandlung senkt Erblindungsrisiko auf unter 5 Prozent
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 21:03 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie diabetische Retinopathie stellt die häufigste sowie schwerste okuläre Folgeerkrankung bei Diabetes dar. Wie aus einem Kommuniqué der Société Française d'Ophtalmologie (SFO) im Vorfeld des Weltdiabetestags am 14. November hervorgeht, sind weltweit erhebliche Teile der Erkrankten betroffen: Eine internationale Analyse aus dem Fachjournal Ophthalmology bezifferte den weltweiten Anteil der Diabetiker mit Retinopathie auf 22,3 Prozent.
Augenärztliche Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass die Schädigung der retinalen Mikrogefäße oft schleichend verläuft und ohne regelmäßige Kontrollen zu irreversiblem Sehverlust führen kann.
Vier Stadien und oft unbemerkter Verlauf
Nach Angaben des National Eye Institute verläuft die Erkrankung typischerweise in vier Stadien: von der leichten über die mittelschwere und schwere nicht-proliferative bis hin zur proliferativen Retinopathie. In den frühen Phasen treten meist keine spürbaren Symptome auf.
Fachbeiträge heben hervor, dass sich Veränderungen an der Netzhaut bereits manifestieren können, bevor Betroffene eine Sehverschlechterung bemerken. Allgemeine Sehtests genügen daher oft nicht zur Früherkennung. Bei plötzlich auftretenden Symptomen wie vermehrten beweglichen Trübungen, Lichtblitzen oder Gesichtsfeldausfällen sei jedoch eine unverzügliche fachärztliche Abklärung erforderlich.
Die SFO empfiehlt daher eine jährliche ophthalmologische Untersuchung, selbst wenn keinerlei Sehbeeinträchtigung vorliegt. Eine konsequente Blutzucker- und Blutdruckkontrolle schützt das Netzhautgewebe. Zudem wirken Interventionen wie medikamentöse Injektionen, Laserbehandlungen oder chirurgische Eingriffe nachweislich besser, wenn sie frühzeitig eingeleitet werden.
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Zur vertieften Aufarbeitung der Thematik kündigte die Fachgesellschaft ihren SFO-Rapport 2027 unter dem Titel „Œil et diabète“ an, der am 26. April 2027 auf dem 133. SFO-Kongress im Pariser Palais des Congrès vorgestellt werden soll.
Hohe Krankheitslast im Langzeitverlauf
Internationale Erhebungen verdeutlichen die weite Verbreitung der Komplikation. Nach Angaben des Conselho Brasileiro de Oftalmologia (CBO) entwickelt in Brasilien eine von drei Personen mit Diabetes im Laufe ihres Lebens eine diabetische Retinopathie, was sie zu einer der Hauptursachen für vermeidbaren Sehverlust bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter macht.
Im Land sind 24 Prozent bis 39 Prozent der Diabetiker betroffen. Nach einer Krankheitsdauer von 20 Jahren weisen dort 90 Prozent der Typ-1- und 60 Prozent der Typ-2-Patienten eine Retinopathie auf.
Durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung lasse sich das Erblindungsrisiko jedoch auf unter 5 Prozent senken. Weltweit betrifft Diabetes eine von elf Personen; bis zu 80 Prozent der Langzeitpatienten können Studien zufolge Veränderungen an der Netzhaut entwickeln.
Auch in anderen Regionen zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach Daten aus Acta Diabetologica, auf die sich die Polnische Diabetesgesellschaft (PTD) beruft, betrifft die diabetische Retinopathie in Polen etwa 12 Prozent aller Diabetespatienten.
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In den Vereinigten Staaten beziffert die Organisation Prevent Blindness unter Verweis auf Zahlen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) die Zahl der Diabeteskranken auf 40,1 Millionen Menschen, was rund 12 Prozent der Bevölkerung entspricht.
Allerdings nehmen laut CDC etwa 60 Prozent der Diabetiker in den USA keine jährliche augenärztliche Untersuchung wahr, obwohl die Retinopathie mehr als jeden vierten Betroffenen betrifft.
Klare Leitlinien für regelmäßige Kontrollen
Um Sehverlust vorzubeugen, raten Fachgesellschaften wie der CBO und die PTD zu festen Screening-Intervallen: Bei Typ-2-Diabetes sollte die erste Fundoskopie direkt nach der Diagnosestellung erfolgen.
Bei Typ-1-Diabetes wird die Untersuchung spätestens fünf Jahre nach Beginn der Erkrankung empfohlen, bei Kindern und Jugendlichen bis zu fünf Jahre nach Krankheitsbeginn oder mit Eintritt der Pubertät. Schwangere mit Diabetes sollten vierteljährlich sowie im ersten Jahr nach der Entbindung untersucht werden.
Je nach Befund variieren die weiteren Kontrollabstände von jährlichen bis zweijährlichen Terminen bei unauffälliger Netzhaut bis hin zu engmaschigen Untersuchungen alle drei Monate bei schweren Formen. Neben der medikamentösen Regulierung von Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin stehen im fortgeschrittenen Stadium Lasertherapien, intraokulare Injektionen und operative Verfahren wie die Vitrektomie zur Verfügung.
