Diäten, Normalgewicht

Diäten bei Normalgewicht: Rund 30 Prozent wollen abnehmen – mit Risiken

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 01:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gewichtsschwankungen und GLP-1-Therapien können Muskelmasse, Nährstoffversorgung und Stoffwechsel beeinflussen; Fachleute betonen ärztliche Begleitung.
Ein Glas Wasser und eine Schale mit frischem Gemüse auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Eine erfolgreiche und dauerhafte Gewichtsreduktion setzt eine differenzierte Abstimmung auf individuelle Faktoren wie Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen voraus. Gleichzeitig warnen Fachleute vor den gesundheitlichen Risiken des sogenannten Jo-Jo-Effekts.

Werden wiederholt Phasen des Abnehmens und erneuten Zunehmens durchlaufen, kann dies die Körperzusammensetzung nachhaltig verändern: Häufig schwindet Muskelmasse, während sich bei einer Gewichtszunahme vermehrt viszerales Fett anlagert. Dies steigert das Risiko für kardiometabolische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden.

Neben genetischen Faktoren beeinflussen insbesondere Ernährung und Bewegungsmangel diesen Kreislauf, weshalb Experten zu einer proteinreichen Kost, Krafttraining sowie einer fachlichen Begleitung raten.

Differenzierte Risiken je nach Ausgangsgewicht

Wie eine in der Fachzeitschrift Nature Reviews Endocrinology publizierte Übersichtsarbeit von Norbert Stefan vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung und Faidon Magkos von der Universität Kopenhagen aufzeigt, wirken sich wiederholte Gewichtsschwankungen je nach Ausgangslage unterschiedlich aus.

Bei Personen mit manifester Adipositas führen die Zyklen zu einer Körperzusammensetzung, die dem Ausgangszustand ähnelt; die langfristigen Veränderungen fallen hier relativ gering aus.

Anders verhält es sich bei normalgewichtigen Personen mit einer Veranlagung zu Adipositas. Bei ihnen können wiederholte Diätzyklen das Risiko erhöhen, später eine Adipositas zu entwickeln. Der physiologische Hintergrund: Normalgewichtige verlieren bei starker Gewichtsabnahme anteilig mehr fettfreie Masse inklusive Muskulatur und verzeichnen einen stärkeren Rückgang des Ruheenergieverbrauchs.

Beim Wiederzunehmen wird vermehrt Fettgewebe gebildet. Da laut Erhebungen rund 30 Prozent der Personen ohne Übergewicht abnehmen wollen, fordern die Autoren bei medizinischen Gewichtsinterventionen eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung und warnen vor unüberlegten Diäten bei Normalgewichtigen.

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Substanzverlust und Nährstoffdefizite unter GLP-1-Präparaten

Auch bei modernen medikamentösen Ansätzen wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA), die die Nahrungsaufnahme um 20 bis 40 Prozent verringern und Gewichtsreduktionen von 10 bis 20 Prozent ermöglichen, treten metabolische Herausforderungen auf. In der Schweiz erhielten im Jahr 2025 rund 46.000 Menschen entsprechende kassenvergütete Präparate zur Gewichtsreduktion.

Eine systematische Untersuchung zur Körperzusammensetzung unter Inkretin-Therapien zeigte jedoch, dass im Median 28,3 Prozent des verlorenen Gewichts auf fettfreie Masse entfielen. In 65 Prozent der analysierten Interventionen lag der Verlust an Magermasse über dem physiologisch erwarteten Referenzwert.

Zudem können Nebenwirkungen und Nährstoffmängel auftreten. Eine retrospektive Untersuchung mit über 460.000 Patienten sowie eine Analyse von sechs Studien mit mehr als 480.000 Patienten identifizierten Vitamin D als häufigstes Defizit (nach sechs Monaten bei 7,5 Prozent, nach zwölf Monaten bei 13,6 Prozent), gefolgt von Eisenmangel.

Eine kleine Fallserie an zehn Behandelten verzeichnete zudem bei 80 Prozent eine verzögerte Magenentleerung und bei 44 Prozent verlangsamte Darmpassagen, wobei der Magen teils 20 bis 24 Stunden gefüllt blieb.

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Dauertherapie und begleitende Maßnahmen

Prof. Matthias Blüher von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft und der Universität Leipzig betont, dass eine GLP-1-Behandlung in der Regel als dauerhafte Therapie ausgelegt sein sollte. Ein Absetzen führe bei vielen Betroffenen zu einer erneuten Gewichtszunahme und der Verschlechterung kardiometabolischer Werte.

Bei Selbstzahlern in Deutschland liege die durchschnittliche Anwendungsdauer von Semaglutid dennoch bei nur etwa sechs bis neun Monaten. Ein Absetzversuch sei am ehesten nach Erreichen eines Gewichtsplateaus nach 9 bis 12 Monaten sinnvoll, wobei ein schrittweises Ausschleichen nicht zwingend notwendig sei; alternativ komme eine Dosisreduktion in Betracht.

Kardiologen wie Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung mahnen zudem zur Vorsicht bei Begleiterkrankungen: Ein eigenmächtiges Absetzen von Blutdrucksenkern nach einer Gewichtsabnahme beruhe oft auf einem Trugschluss.

Zwar sinke der obere Blutdruckwert pro abgenommenem Kilogramm um etwa 1 bis 2 mmHg, eine Anpassung oder Beendigung der Medikation sei jedoch nur in seltenen Einzelfällen und nach ärztlicher Kontrolle per Langzeitmessung angezeigt.

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