Diagnostik-KI, Lokales

Diagnostik-KI: Lokales System erreicht 98,9% Genauigkeit

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ursula von der Leyen fordert europÀischen KI-Kurs, wÀhrend lokale Diagnosesysteme hohe Trefferquoten und Entlastung im Klinikalltag zeigen.

KI in der Medizin: Lokale Systeme zeigen hohe Diagnosegenauigkeit
Ein moderner, heller medizinischer Untersuchungsraum mit professioneller Ausstattung in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

KĂŒnstliche Intelligenz soll Medizinerinnen und Mediziner im Gesundheitswesen unterstĂŒtzen, sie jedoch keinesfalls ersetzen. Diesen Standpunkt betonte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union in Straßburg.

Neben der Forderung nach einem europĂ€ischen Weg bei der Technologieentwicklung mahnte die KommissionsprĂ€sidentin einen sofortigen Datenzugang fĂŒr Diagnose und Therapie an. Als positives Anwendungsbeispiel verwies sie auf KI-gestĂŒtzte Mammografien, die eine frĂŒhere Erkennung von Krebs ermöglichen.

Zugleich kĂŒndigte die KommissionsprĂ€sidentin fĂŒr November 2026 Initiativen in fĂŒnf SchlĂŒsselbereichen an: Gesundheit, Verkehr, Landwirtschaft und Lebensmittel, Spitzenfertigung sowie Verteidigung und Weltraum. WĂ€hrend die Kommission massiv in diese Felder investieren möchte, plant von der Leyen gleichzeitig, das Entwicklungstempo bei selbstrekursiven KI-Modellen zu drosseln.

Wie dringend eine strukturierte Herangehensweise ist, verdeutlicht ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation: Demnach verfĂŒgen bislang lediglich acht Mitgliedstaaten beziehungsweise 8 Prozent der Mitgliedstaaten ĂŒber eine nationale Strategie fĂŒr Gesundheits-KI.

Lokale Systeme und VerlÀsslichkeit in der Diagnostik

Dass algorithmische Werkzeuge in der Diagnostik bereits beachtliche Resultate erzielen können, zeigt eine am 16. September 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Untersuchung. Forschende um Professor Jakob N. Kather vom EKFZ fĂŒr Digitale Gesundheit der TU Dresden und des Uniklinikums Dresden stellten darin ein vollstĂ€ndig lokal betriebenes diagnostisches System vor, das auf dem im Juni 2026 prĂ€sentierten KI-Agenten MIRA basiert.

In der Untersuchung erzielte das beste lokale Modell bei BlinddarmentzĂŒndungen, Gallenblasen- und LungenentzĂŒndungen sowie Lungenembolien und Harnwegsinfekten in zwei Tests korrekte Diagnosen in 84 Prozent beziehungsweise 90 Prozent der FĂ€lle.

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Bei 181 zufĂ€llig ausgewĂ€hlten FĂ€llen lag die Übereinstimmung zwischen der automatisierten Bewertung und dem Ă€rztlichen Konsens bei ĂŒber 90 Prozent. Als wichtigster Indikator fĂŒr korrekte Befunde erwies sich die Konsistenz ĂŒber wiederholte Berechnungen hinweg.

Konkret erreichte das System bei 551 FĂ€llen rund 90 Prozent korrekte Diagnosen, wĂ€hrend ein zweiter test 83,8 Prozent ergab. Bei fĂŒnf Wiederholungen blieben 272 FĂ€lle (49,4 Prozent) stabil; innerhalb dieser Gruppe fielen 269 Urteile richtig und 3 falsch aus, was einer Genauigkeit von 98,9 Prozent entspricht.

Drei DurchlÀufe brachten eine Quote von 97,5 Prozent, zehn DurchlÀufe erreichten 99,6 Prozent. Im Stresstest sank die Genauigkeit allerdings von 90,6 Prozent auf 70,2 Prozent.

Zwischen Skepsis in Praxen und Entlastung im Klinikalltag

Trotz des technischen Potenzials bestehen in der tĂ€glichen Anwendung HĂŒrden im Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. Eine Studie des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung mit 372 dĂ€nischen HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzten zur Diagnose von Harnwegsinfekten verdeutlicht Vorbehalte gegenĂŒber automatisierten Hinweisen: Nach einer KI-Diagnose passten die Mediziner ihre RisikoeinschĂ€tzung um 41 Prozent weniger stark an als nach einem vergleichbar verlĂ€sslichen Urin-Schnelltest. Rund ein Drittel ignorierte die Information des Algorithmus vollstĂ€ndig, was zu mehr unnötigen Verschreibungen von Antibiotika fĂŒhrte.

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Gleichzeitig wÀchst der Druck auf die Versorgungsstrukturen, administrative AblÀufe effizienter zu gestalten. Laut Daten der Deutschen Krankenhausgesellschaft gilt bis 2030 nahezu jede zweite Klinik als insolvenzgefÀhrdet.

Eine Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts fĂŒr die DKG aus dem Jahr 2024 zeigte, dass medizinisches und pflegerisches Personal tĂ€glich rund drei Stunden oder ein Drittel der Arbeitszeit fĂŒr Dokumentationsaufgaben aufwendet.

Sprachbasierte KI-Systeme arbeiten demnach rund viermal schneller. Arztbriefe und AufklĂ€rungsbögen lassen sich zu ĂŒber 80 Prozent automatisiert vorausfĂŒllen, und der anfallende Nachsorgebedarf kann bereits am Aufnahmetag mit einer Genauigkeit von 90 Prozent ermittelt werden.

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