Verschmutzte, Luft

Verschmutzte Luft lĂ€sst Insekten BlĂŒten nicht mehr finden

09.02.2024 - 05:52:04 | dpa.de

Die BlĂŒte lockt, die Biene kommt - dieses Schauspiel ist uralt. Doch der Duft von Blumen geht in verschmutzter Luft verloren, wie Forscher berichten. BestĂ€uber finden in der Folge den Weg schlechter.

Nicht nur LĂ€rm und kĂŒnstliches Licht beeinflussen das Verhalten von Tieren, sondern auch vom Menschen freigesetzte Substanzen. - Foto: Floris Van Breuge/dpa

Vor lauter Abgas riecht man gar nichts anderes mehr - das geht nicht nur Menschen in GroßstĂ€dten so, sondern trifft einer Studie zufolge auch Insekten. Luftschadstoffe schrĂ€nken mit ihrem Einfluss auf Duftstoffe womöglich die BestĂ€ubung weltweit ein, wie ein Forschungsteam im Fachjournal «Science» berichtet. Viele PflanzenbestĂ€uber legen bei der Nahrungssuche angezogen von BlĂŒtendĂŒften weite Strecken zurĂŒck.

Nicht nur LĂ€rm und kĂŒnstliches Licht beeinflussen das Verhalten von Tieren, sondern auch vom Menschen freigesetzte Substanzen. Studien zuvor hĂ€tten bereits gezeigt, dass hohe Konzentrationen von Dieselabgasen oder bodennahem Ozon die Geruchserkennung von Insekten beeintrĂ€chtigen können, erlĂ€utert das Team um Joel Thornton und Jeffrey Riffell von der University of Washington. Oxidationsmittel wie Ozon (O3) und das Nitratradikal (NO3-Radikal) bauen demnach bestimmte Verbindungen ab, die lockenden BlumendĂŒften zugrunde liegen.

Die Forschenden untersuchten nun speziell die Auswirkungen von Ozon und dem NO3-Radikal auf die nĂ€chtliche BestĂ€ubung der Nachtkerze (Oenothera pallida) durch Nachtfalter (Hyles, Manduca) im US-Bundesstaat Washington. Nachtkerzen verströmen demnach einen starken BlĂŒtenduft, der eine Vielzahl von BestĂ€ubern anlockt. Etwa 300 BlĂŒten wurden ĂŒber insgesamt 200 Stunden hinweg beobachtet. Zudem wurden einzelne Komponenten des Duftes, ihre jeweilige Wirkung auf die Nachtfalter sowie ihr Abbau durch Ozon und das NO3-Radikal untersucht.

Zahl der BlĂŒtenbesuche geht um rund 70 Prozent zurĂŒck

Die Feldbeobachtungen und Laborexperimente des Teams zeigten, dass das NO3-Radikal - das in vielen Regionen nachts vorherrschende Oxidationsmittel - bestimmte Duftstoffe rasch abbaut. Betroffen seien insbesondere einzelne sogenannte Monoterpene, die auf die Falter besonders anziehend wirkten. Die BlĂŒten seien in der Folge fĂŒr die nachtaktiven Schmetterlinge kaum oder gar nicht mehr wahrnehmbar. Die Zahl der BlĂŒtenbesuche durch die Nachtfalter gehe um rund 70 Prozent zurĂŒck. In der Folge vermindere sich die Fruchtbildung der Nachtkerzen um etwa 30 Prozent.

O3 hatte den Analysen zufolge in der Nacht einen geringeren Effekt als das NO3-Radikal. Ozon wird in BodennĂ€he tagsĂŒber durch einen komplexen Mechanismus gebildet, an dem neben intensiver Sonneneinstrahlung vor allem Kohlenwasserstoffe und Stickoxide beteiligt sind. Das NO3-Radikal hingegen zerfĂ€llt unter dem Einfluss von Sonnenlicht. In der Nacht wiederum können aus der Reaktion von Ozon mit Stickstoffdioxid (NO2) hohe Mengen des NO3-Radikals entstehen.

Das Team um Thornton und Riffell zeigte anhand eines globalen Modells auch, dass die O3- und NO3-Radikal-Belastung der AtmosphĂ€re in vielen stĂ€dtischen und stadtnahen Gebieten ausreicht, um die Entfernungen, ĂŒber die BestĂ€uber BlĂŒten wahrnehmen können, erheblich zu verringern. In bestimmten bevölkerten Regionen weltweit hĂ€tten sich die Dufterkennungsdistanzen seit der vorindustriellen Zeit teils wohl um 75 Prozent oder mehr vermindert, schließt das Team aus modellierten Vergleichen. Luftschadstoffe könnten so BestĂ€ubung und ErtrĂ€ge entscheidend beeinflussen, vermuten die Wissenschaftler.

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