Halbe Milliarde MaikÀfer bei Massenflug erwartet
16.04.2026 - 06:11:01 | dpa.deIm Hessischen Ried im SĂŒden Hessens wird in diesem Jahr wieder ein Massenflug von MaikĂ€fern erwartet. Experten rechnen mit rund einer halben Milliarde Tieren, die womöglich schon ab kommender Woche hauptsĂ€chlich im Landkreis GroĂ-Gerau und Darmstadt unterwegs sein werden. «Ein ganz besonderes Naturschauspiel, das es nur an wenigen Orten in Deutschland gibt», sagte Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen.
Autofahrer sollten sich unter anderem rund um das Mönchhof-Dreieck (A67/A3) der Autobahn 67 darauf einstellen, dass die KĂ€fer in der DĂ€mmerung massenhaft im Tiefflug unterwegs seien. Beim zurĂŒckliegenden Massenflugjahr 2022 sei teils nur Schrittgeschwindigkeit möglich gewesen. «Die etwa zweieinhalb Zentimeter groĂen KĂ€fer klatschten an die Scheibe. Es war eine apokalyptische Situation», berichtet Petri.Â
Der Massenflug von MaikĂ€fern findet in der Regel alle vier Jahre statt - bei der Population im Hessischen Ried seien dies immer die Jahre, in denen es eine FuĂballweltmeisterschaft gibt, sagt der Biologe. Andere StĂ€mme, etwa bei Hanau oder nahe Karlsruhe, sind in anderen Jahren dran.
Aber wie kommt es zu dem PhĂ€nomen des massenhaften Vorkommens? «Der MaikĂ€fer profitiert im Hessischen Ried von einem menschengemachten, ökologischen Desaster», sagt Petri. Durch die jahrhundertelange EntwĂ€sserung der ursprĂŒnglichen Auenlandschaft seien ideale Bedingungen fĂŒr die Insekten geschaffen worden. Die Art benötigt trockene, warme Böden. Dort legen die Weibchen ihre Eier ab, aus denen sich Engerlinge entwickeln. Bereits im vergangenen Herbst verwandelten sich diese Larven in KĂ€fer - wenn nun die Witterung stimmt, kommen alle gemeinsam aus der Erde.Â
Neben der EntwĂ€sserungs-Problematik ist der Wald im Hessischen Ried stark von den Folgen des Klimawandels geschwĂ€cht. Trockenheit fĂŒhrte dort zum Absterben vieler BĂ€ume. Die MaikĂ€fer setzen dem Wald zusĂ€tzlich zu. Erwachsene Tiere fressen die frischen LaubblĂ€tter etwa an Eichen und Buchen, wie Petri erlĂ€utert. Diese SchĂ€den könnten die BĂ€ume meist mit Neuaustrieben ausgleichen. Problematischer seien die Engerlinge, die im Boden an Baumwurzeln fressen.Â
«Wir mĂŒssen sorgsam mit Wasser umgehen», mahnt Petri. Im Hessischen Ried drohe eine zunehmende Versteppung der Landschaft, kostbarer Ackerboden werde mit dem Wind davongetragen. Eine BekĂ€mpfung der MaikĂ€fer etwa mit der «chemischen Keule» oder auch mit sanfteren Methoden wie etwa Pilzen oder FadenwĂŒrmern habe in der Vergangenheit nicht dazu gefĂŒhrt, die Population einzudĂ€mmen, sagt Petri. Wirksamer wĂ€re es, wenn es wieder mehr Wasser in der Region gebe.
Der Experte erwartet in wenigen Tagen zwei bis drei MassenflĂŒge in der DĂ€mmerung. FĂŒr viele andere Tiere sei dann der Tisch reich gedeckt - etwa fĂŒr FĂŒchse, Dachse und viele Vogelarten. FledermĂ€use kĂ€men in Massenjahren extra von weit her, berichtet Petri.
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