Spanien, Deutschland

Zwei Drittel der Internetnutzer bevorzugen Firmen aus Europa

04.03.2026 - 05:05:04 | dpa.de

Die Mails mit Gmail verschicken, die Fotos in der Apple-Cloud speichern und ĂŒber WhatsApp chatten - und damit den digitalen Alltag komplett ĂŒber US-Riesen abwickeln. So machen es viele - oder?

O2-Chef Santiago Argelich Hesse (Mitte) bei einer VorfĂŒhrung beim MWC an der Seite von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (links). - Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Bei der Nutzung digitaler Dienste meiden viele Internetnutzer in Deutschland Anbieter aus Amerika. Wie eine Befragung des Telekommunikationsanbieters O2 TelefĂłnica unter 1000 Mobilfunknutzern im Alter von 18 bis 75 Jahren ergab, bevorzugen 33 Prozent von ihnen ĂŒberwiegend Daten-Services europĂ€ischer Anbieter und setzen das auch um. Weitere 32 Prozent möchten kĂŒnftig stĂ€rker auf deutsche oder europĂ€ische Anbieter setzen, ein Teil von ihnen möchte das schon bald machen und der andere hat das nur grundsĂ€tzlich vor. Alles in allem bevorzugen zwei Drittel der Befragten Anbieter aus der EU.

Gefragt worden war, ob man digitale Dienste wie E-Mails, Apps und Cloud-Speicher nach der Herkunft des Anbieters aussuche. Nur 14 Prozent der Befragten gaben an, dass dies fĂŒr sie keine Rolle spiele. Vier Prozent gucken lieber auf Anbieter außerhalb der EU, wenn deren Preise und Leistung besser sind, und 17 Prozent machten auf die Frage keine Angaben.

O2-Chef sieht großen Investitionsbedarf

O2-Chef Santiago Argelich Hesse prĂ€sentierte die Umfrage am Rande der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. Er wertete es positiv, dass zwei Drittel europĂ€ische Anbieter bevorzugten. Die Ergebnisse seien ein Beleg fĂŒr einen ausgeprĂ€gten Wunsch nach digitaler SouverĂ€nitĂ€t, so der Manager. 

Die EU gilt bei Digitalthemen als mehr oder minder abhĂ€ngig von den USA, deren große Technologieunternehmen eine dominante Rolle auch in Europa spielen, ob Smartphone-Hersteller Apple mit seinen Cloud-Diensten, die Facebook-Mutter Meta mit ihrem Chatdienst WhatsApp oder der Suchmaschinen-Riese Google mit seinem Maildienst Gmail. EuropĂ€ische Wettbewerber spielen nur eine Nebenrolle, etwa der Schweizer Chatdienst Threema und der deutsche Maildienst web.de/gmx.de sowie dessen inlĂ€ndischer Wettbewerber posteo.de.

«Die Frage der digitalen SouverĂ€nitĂ€t ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen», sagte der O2-Chef. «Die Menschen verstehen, dass es dabei um die Zukunft Europas geht.» Er betonte die Notwendigkeit einer starken europĂ€ischen Telekommunikationsbranche. Telekommunikation sei lĂ€ngst mehr als Telefonate, SMS, Fernsehen und Radio – «sie ist eine kritische Infrastruktur, die wir gemeinsam intelligent nutzen mĂŒssen.» 

Die Branche brauche Kapital und Ressourcen, um die notwendigen strategischen Investitionen zu ermöglichen. «In den nĂ€chsten Jahren mĂŒssen wir zweistellige MilliardenbetrĂ€ge in den Netzausbau, Cybersicherheit und Cloud-Infrastruktur investieren.» Das sei nur in einer lĂ€nderĂŒbergreifenden Zusammenarbeit möglich.

Digitalminister Wildberger unterstĂŒtzt Europas Telko-Branche 

Unter den Besuchern der Mobilfunk-Messe MWC war auch Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU), der der europĂ€ischen Telekommunikationsbranche den RĂŒcken stĂ€rkte. «Zur digitalen SouverĂ€nitĂ€t gehört eine starke Telekommunikations- und Infrastrukturindustrie», sagte der frĂŒhere Chef des ElektronikhĂ€ndlers Mediamarkt-Saturn. 

Deutschland und Europa mĂŒssten bei der technologischen Entwicklung der Infrastruktur vorn mitspielen, mahnte Wildberger in Barcelona an. «DafĂŒr brauchen wir profitablere Unternehmen, mehr Investitionsanreize und Regeln, die Innovation und Wachstum stĂ€rker fördern statt ausbremsen.» Bei jeder Regulierung - also staatlich auferlegten Pflichten fĂŒr die Wirtschaft - mĂŒsse geklĂ€rt werden, ob sie gut sei Innovation, Investitionen und Wachstum oder ob sie diese ausbremse.

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