WHO: Tabakindustrie will Kinder zu SĂŒchtigen machen
23.05.2024 - 16:58:15 | dpa.de
Die Tabakindustrie versucht einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge alle möglichen Tricks, um Kinder so jung wie möglich sĂŒchtig zu machen. Dazu gehöre, vor allem E-Zigaretten in bunten Farben fast wie Spielzeug zu vermarkten, berichtete die WHO in Genf. In Europa sei die Lage besonders bedenklich, sagte der zustĂ€ndige WHO-Abteilungsleiter RĂŒdiger Krech in Genf. VerkaufseinschrĂ€nkungen nutzten wenig, wenn Jugendliche die Produkte im Internet bestellen könnten und die Behörden dem keinen Einhalt bieten wĂŒrden.
Millionen MinderjĂ€hrige schon sĂŒchtig
Nach Angaben der WHO konsumieren nach SchĂ€tzungen rund 37 Millionen Teenager zwischen 13 und 15 Jahren bereits Tabak. Dazu gehören Zigaretten, Kau- und Schnupftabak. Dazu kĂ€men noch Millionen, die E-Zigaretten nutzen. Die enthalten zwar keinen Tabak, aber Nikotin, und machen deshalb auch sĂŒchtig. Weil E-Zigaretten teils teuer sind, steigen viele junge Menschen, wenn das Geld ausgeht, auch auf Tabakprodukte um. In der WHO-Europaregion sagten inzwischen 20 Prozent der 13- bis 15-JĂ€hrigen, sie hĂ€tten in den vergangenen 30 Tagen E-Zigaretten genutzt.
Unter den 16.000 Geschmacksrichtungen seien solche wie «Kaugummi» und «Bonbon», die eindeutig auf Kinder zielten. «Die Geschichte wiederholt sich: Die Tabakindustrie versucht, unseren Kindern dasselbe Nikotin in anderer Verpackung zu verkaufen», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.
WHO: IrrefĂŒhrende Werbung
Dass Tabakfirmen ihre E-Zigaretten als Produkt bewerben, mit dem Menschen vom Tabak wegkommen, ist nach Angaben der WHO nur ein Vorwand. «Wie können sie von Schadensbegrenzung sprechen, wenn sie mit diesen gefĂ€hrlichen, schnell sĂŒchtig machenden Produkten um Kinder werben?», sagte Tedros. Die WHO prangert Werbung in Kinderfarben an, und solche mit Comicfiguren. Zudem wĂŒrden Influencer rekrutiert, die ihren AnhĂ€ngern gegen Bezahlung gefĂ€hrliche Produkte als «cool» anpreisen wĂŒrden. «Die Industrie will die Kinder möglichst jung sĂŒchtig machen, damit sie lebenslange Verbraucher haben», sagte Given Kapolyo, die in Sambia junge Leute organisiert, die in ihren eigenen Jugendgruppen ĂŒber schĂ€dlichen Nikotinkonsum aufklĂ€ren.
E-Zigarettenverband weist Kritik zurĂŒck
Der deutsche Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH) wehrt sich gegen die Kritik. Man habe sich 2019 verpflichtet, auf Werbung mit Comicfiguren oder Ă€hnlichen Motiven, die das Interesse von Kindern und Jugendlichen wecken könnten, zu verzichten, erklĂ€rt der Verband. Seine Zielgruppe seien Erwachsene, die ihren Tabakkonsum reduzieren oder ganz einstellen wollten. Auch mit Geschmacksrichtungen wie Kaugummi richte sich die Industrie an Erwachsene. Sie hĂ€tten «eine Vorliebe fĂŒr fruchtige und sĂŒĂe Aromen».
Der Verband rÀumte ein, dass Influencerinnen und Influencer trotz eines in Deutschland geltenden Werbeverbots E-Zigaretten anpriesen. Man distanziere sich deutlich von dieser Werbung und sei bereits mehrfach juristisch gegen Akteure vorgegangen, die sich nicht an geltendes Recht gehalten hÀtten. «Wir fordern eine stÀrkere Durchsetzung des Werbeverbots seitens der Behörden und Plattformbetreiber.»
Was LĂ€nder tun sollen
Die WHO drÀngt LÀnder, die Möglichkeiten zum Konsum von Tabak- und anderen Nikotinprodukten stÀrker einzuschrÀnken. Dazu gehören ein Verbot von E-Zigaretten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen, Werbeverbote, höhere Steuern und 100-prozentige Rauchverbote in InnenrÀumen.
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