DiGA-Reform: AOK fordert Preissenkung um 30-80 Prozent
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gesetzliche Krankenversicherung drÀngt auf eine umfassende Neuausrichtung bei der Zulassung und Preisgestaltung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA).
In einem am 28. August 2026 veröffentlichten Positionspapier spricht sich die AOK fĂŒr eine deutliche Senkung der Markteintrittspreise und eine VerschĂ€rfung der Nutzenbewertung aus. Damit reagiert die Kasse auf die seit EinfĂŒhrung der Anwendungen bestehende Kritik an hohen Kosten bei oft unklarem medizinischem Mehrwert.
Kritik an Preisgestaltung und Markteintritt
Zentraler Punkt der Forderungen ist die Abschaffung der freien Preisbildung durch die Hersteller im ersten Jahr nach der MarkteinfĂŒhrung. Aktuell liegt der durchschnittliche Preis fĂŒr eine digitale Gesundheitsanwendung beim Markteintritt laut AOK bei 595 Euro. Die Krankenkasse strebt hier eine signifikante Senkung der VergĂŒtungssĂ€tze um 30 bis 80 Prozent an.
ZusÀtzlich fordert das Papier eine stÀrkere finanzielle Beteiligung der Versicherten. Geplant ist eine Zuzahlung von 10 Prozent der Kosten durch die Patienten. Um die Wirksamkeit der Apps im Einzelfall besser beurteilen zu können, schlÀgt die AOK zudem einen verpflichtenden Testzeitraum von 14 Tagen vor.
Erst nach dieser Phase solle die volle Abrechnung erfolgen. Parallel dazu wird ein Verbot kommerzieller Rezeptservices gefordert, um die UnabhÀngigkeit der Verordnung sicherzustellen.
Strukturreformen und verÀnderte ZustÀndigkeiten
Neben den finanziellen Aspekten sieht das Positionspapier tiefgreifende Ănderungen in der regulatorischen ĂberprĂŒfung vor. Die bisherige Erprobungsphase soll nach dem Willen der AOK gestrichen werden.
Die AOK fordert Preissenkungen von 30 bis 80 Prozent und eine strengere Nutzenbewertung durch den G-BA. FĂŒr DiGA-Hersteller wird das Ăberleben zur Preisfrage. Unser Report zeigt, wie Sie Ihre Preisstrategie anpassen, Verhandlungen mit Kassen fĂŒhren und Ihr GeschĂ€ftsmodell zukunftssicher machen. Jetzt kostenlosen Strategie-Report anfordern
Stattdessen solle die Nutzenbewertung der Anwendungen kĂŒnftig nicht mehr durch das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sondern durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erfolgen. Damit wĂŒrde die DiGA-Bewertung stĂ€rker an die strengen MaĂstĂ€be angeglichen, die auch fĂŒr andere medizinische Leistungen im deutschen Gesundheitswesen gelten.
Diese Forderungen nach mehr Effizienz in der Verwaltung spiegeln sich auch in anderen Bereichen wider. So prĂŒft das Gesundheitsministerium derzeit eine Reduzierung der Anzahl der Krankenkassen auf etwa zehn Institutionen. Hintergrund sind jĂ€hrliche Verwaltungskosten in Höhe von 12 Milliarden Euro, wobei Analysen aus dem Ausland zeigen, dass solche Fusionen nicht zwangslĂ€ufig zu direkten Einsparungen fĂŒhren mĂŒssen.
Herausforderungen bei der Umsetzung digitaler Gesundheitslösungen
Die Diskussion um die DiGA-Reform fĂ€llt in eine Phase, in der die Akzeptanz digitaler Werkzeuge im Gesundheitswesen noch hinter den Erwartungen zurĂŒckbleibt. Eine aktuelle Studie von Wilke und PreĂler aus dem Jahr 2026 zeigt, dass zwar 87 Prozent der Bevölkerung die elektronische Patientenakte (ePA) kennen, die tatsĂ€chliche Nutzungsrate jedoch nur bei 10 Prozent liegt.
Die Untersuchung verdeutlicht zudem ein soziales GefÀlle: WÀhrend die Nutzung bei Versicherten mit Hochschulabschluss bei 14 Prozent liegt, betrÀgt sie bei Personen mit Hauptschulabschluss lediglich 5 Prozent.
Auch die technische Infrastruktur in den Praxen und Kliniken bleibt ein kritisches Thema. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) weist darauf hin, dass bis zum 30. September 2026 ein Update der Konnektoren auf die Produktversion PTV6 zwingend erforderlich ist. Ab dem 1. Oktober 2026 kommen neue elektronische Gesundheitskarten mit einer moderneren VerschlĂŒsselung zum Einsatz, die ohne dieses Update zu Verbindungsproblemen fĂŒhren können.
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WĂ€hrend die stationĂ€re Versorgung den flĂ€chendeckenden Rollout der ePA erst fĂŒr den Verlauf des Jahres 2026 erwartet â derzeit haben lediglich 56 Prozent der Kliniken ihre Informationssysteme entsprechend aktualisiert â plant die Ărzteschaft bereits weiterfĂŒhrende StrukturĂ€nderungen.
ĂrzteprĂ€sident Reinhardt skizzierte hierfĂŒr ein PrimĂ€rversorgungssystem ab dem Jahr 2028, bei dem Patienten fĂŒr eine koordinierte Versorgung verstĂ€rkt zuerst ihren Hausarzt aufsuchen sollen.
