DiGA-Rezepte: 20 Prozent erhalten sie, nur 15 Prozent lösen sie ein
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 15:34 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn Deutschland haben bereits 20 Prozent der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger eine Verschreibung fĂŒr eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) erhalten. TatsĂ€chlich eingelöst wurde das Rezept bislang jedoch nur von 15 Prozent der Befragten. Dies geht aus einer reprĂ€sentativen Erhebung des Branchenverbands Bitkom hervor, die Ende August bis Ende September 2026 im Rahmen einer Telefonbefragung unter 1.132 Personen ab 16 Jahren durchgefĂŒhrt wurde.
Insgesamt gaben 56 Prozent der Bevölkerung an, die Angebote sogenannter Apps auf Rezept zu kennen. Bei 36 Prozent ist das Angebot zwar bekannt, eine Àrztliche Verordnung liegt ihnen jedoch nicht vor.
GrundsĂ€tzlich besteht durchaus Bereitschaft zum Einsatz digitaler Helfer: 44 Prozent der Befragten wĂŒrden eine solche Anwendung nutzen, um lĂ€ngere Wartezeiten auf einen Arzttermin zu ĂŒberbrĂŒcken. Ein Drittel verspricht sich von den Programmen zudem eine spĂŒrbare Erleichterung im persönlichen Alltag.
Informationsdefizite und Vorbehalte hemmen die Nutzung
Gleichzeitig verweist die Bitkom-Studie auf erhebliche Vorbehalte bei potenziellen Anwendern. So sind 41 Prozent der Ansicht, dass ihnen eine Gesundheits-App bei ihren Beschwerden nicht helfen könne. Weitere 27 Prozent verstehen den konkreten Nutzen der Anwendungen nicht.
Nahezu die HĂ€lfte der Befragten â genau 49 Prozent â wĂŒnscht sich mehr AufklĂ€rung und weiterfĂŒhrende Informationen durch behandelnde Ărztinnen, Ărzte oder Psychotherapeuten. Bitkom-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Bernhard Rohleder sprach sich angesichts der Ergebnisse fĂŒr spĂŒrbare Erleichterungen aus und forderte einen einfacheren Prozess vom Ausstellen des Rezepts bis zur eigentlichen Nutzung der Anwendung.
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Parallel zur Patientenperspektive ermittelte der Verband in einer separaten Befragung unter 34 Entwicklern digitaler Gesundheitsanwendungen die Stimmung in der Industrie. Dabei meldeten 85 Prozent der befragten App-Hersteller eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage in den vergangenen zwei Jahren.
Das Interesse an weiteren Entwicklungen bleibt dennoch vorhanden: Jedes zweite Unternehmen gab an, binnen 24 Monaten zusÀtzliche Anwendungen auf den Markt bringen zu wollen.
HĂŒrden auch bei weiteren digitalen Angeboten
Die ZurĂŒckhaltung bei digitalen Versorgungslösungen spiegelt sich auch in anderen Bereichen des Gesundheitssystems wider. Nach Ergebnissen einer Onlinebefragung der Verbraucherzentrale Hamburg wissen 76 Prozent der gesetzlich Versicherten nicht, dass ihre jeweilige Krankenkasse eine Ombudsstelle fĂŒr die elektronische Patientenakte (ePA) bereitstellt.
Besonders gering ist der Bekanntheitsgrad dieser Anlaufstellen in den Àlteren Altersgruppen. Zudem erklÀrten lediglich 25 Prozent der Teilnehmenden, ihre ePA aktiv zu verwalten.
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Die Ombudsstellen der Kassen sollen Versicherte bei Fragen zur Einrichtung, Löschung, Zugriffsrechten sowie beim Widerspruch unterstĂŒtzen; ein Einblick in hinterlegte Dokumente und medizinische Befunde ist den Stellen jedoch verwehrt.
Auch aus der ambulanten Versorgung kommen kritische Stimmen: Ein Jahr nach dem Start der ePA Ă€uĂerte die in Gutach tĂ€tige HausĂ€rztin Andrea Rohr deutliche Kritik an der Kluft zwischen dem digitalen Anspruch und den realen Bedingungen im Praxisalltag.
