Digitale, Depressionstherapie

Digitale Depressionstherapie: Studien zeigen Nutzen vor allem als Ergänzung

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 13:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Online-Programme können depressive Beschwerden lindern, gelten aber vor allem als Ergänzung und sind bei bestimmten Risiken ungeeignet.

Digitale Depressionstherapie: Nutzen, Grenzen und Krankenkassen-Regeln
Ein ruhiger, minimalistisch eingerichteter Raum mit weichem Tageslicht, das durch ein Fenster fällt und eine friedliche Atmosphäre schafft. Illustration mit AI erstellt.

Die Versorgung psychischer Erkrankungen stützt sich zunehmend auf softwarebasierte Behandlungsformen. Digitale Selbsthilfe bei Depressionen wird in Deutschland seit einigen Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen für rund dreimonatige Online-Therapien gelisteter Anbieter übernommen.

Zu den entsprechenden Programmen gehören unter anderem Deprexis, Selfapy, Novego und My7steps. Auch in der Schweiz sind derartige Angebote seit Sommer 2026 bezuschussbar, wobei dort derzeit ausschließlich Deprexis gelistet ist. Während das therapeutische Potenzial durch wissenschaftliche Daten gestützt wird, verweisen Fachgesellschaften auf klare Grenzen des Formats.

Nutzen im Zusammenspiel mit klassischer Versorgung

Studien belegen, dass digitale Therapien depressive Symptome verringern können. Patienten profitieren insbesondere dann, wenn das digitale Angebot zusätzlich zu einer herkömmlichen Psychotherapie genutzt wird. Die Patientenleitlinie spricht sich dafür aus, eine Internet-Therapie ohne begleitende Psychotherapie ausschließlich bei leichten Depressionen einzusetzen.

Die Notwendigkeit zusätzlicher Versorgungsangebote wird auch vor dem Hintergrund der bestehenden Behandlungsergebnisse diskutiert. Wie Markus Wolf von der Universität Zürich darlegt, enden bis zu 30 Prozent der Psychotherapien in der Routineversorgung ohne messbaren Effekt auf zentrale Symptome.

Fünf bis zehn Prozent der Behandelten gehe es danach statistisch schlechter als vor Beginn der Maßnahme, während die Erfolgsquote bei 60 bis 70 Prozent liege.

Im schweizerischen Gesundheitssystem unterliegt der Einsatz strengen ärztlichen Vorgaben: Laut Matthias Jäger von der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) müssen Online-Angebote von Psychiatern verordnet werden.

Verordnungsvoraussetzungen und Bedenken der Fachverbände

In Deutschland existieren Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) seit 2020 als Ergänzung im medizinischen und psychotherapeutischen Bereich. Um genutzt werden zu können, müssen sie von Ärzten oder Psychotherapeuten verordnet werden.

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Der Einsatz solcher Anwendungen bewegt sich in einem Umfeld struktureller Engpässe: Mit Stand aus dem Jahr 2022 lag die durchschnittliche Wartezeit auf einen regulären Psychotherapieplatz bei 142 Tagen.

Das Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenkassen umfasst dabei vier anerkannte Richtlinienverfahren: die Analytische Psychotherapie beziehungsweise Psychoanalyse, die Tiefenpsychologisch Fundierte Psychotherapie, die Verhaltenstherapie sowie seit 2019 die Systemische Therapie.

Trotz der praktischen Entlastungspotenziale gibt es Vorbehalte aus der Praxis. Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) äußert Kritik an Datenschutzstandards, potenziellen Kontraindikationen – etwa dem Einsatz von Entspannungs-Apps bei akuten Psychosen – sowie an bestehenden Suizidalitätsgefahren im Rahmen reiner DiGA-Nutzungen.

Zudem wird betont, dass künstliche Intelligenz menschliche Behandler nicht ersetzen kann, da Programmen die dafür notwendige körperliche Resonanz fehlt.

Differenzierte Marktangebote und Begleitung

Anbieter auf dem Markt wählen unterschiedliche Ansätze zur Integration menschlicher Fachkräfte. Das Unternehmen HelloBetter bietet Online-Psychotherapieprogramme für Problembereiche wie Stress, Burnout oder Panik an, die von Psychologen begleitet werden.

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Ergänzend setzt das Unternehmen den von Psychologen entwickelten KI-Begleiter Ello ein. Dieser ist rund um die Uhr per App erreichbar, dient jedoch nicht der Diagnose oder Behandlung. Seine Funktion besteht darin, Krisensituationen zu erkennen und automatisiert an Psychologen weiterzuleiten, um im Bedarfsfall eine gezielte Unterstützung sicherzustellen.

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