Digitale, Gehirntrainings

Digitale Gehirntrainings: NICE rÀt bei leichter Alzheimer-Demenz davon ab

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 06:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie zeigt Verbesserungen bei vaskulĂ€rer kognitiver Störung; fĂŒr Alzheimer-Demenz empfiehlt NICE digitales Training nicht.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum mit einem leeren Holztisch und Blick auf einen ruhigen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Digitale Trainingsanwendungen zur BewÀltigung kognitiver Defizite und zur Aktivierung des GedÀchtnisses stehen zunehmend im Fokus wissenschaftlicher Vergleiche.

Wie Fachberichte hervorheben, gilt die dynamische Anpassung des Schwierigkeitsgrads als zentrales Kriterium bei der Programmauswahl: Wirksame Software muss Aufgaben anhand von ErsteinschÀtzungen und laufenden Nutzerleistungen kontinuierlich modulieren.

Grundlage des computergestĂŒtzten kognitiven Trainings ist das Prinzip der NeuroplastizitĂ€t, wobei adaptive Algorithmen sofortiges Feedback liefern. Zu den typischen Einsatzgebieten zĂ€hlen die kognitive Rehabilitation von Senioren, die UnterstĂŒtzung bei ADHS im Kindes- und Erwachsenenalter sowie die Rehabilitation nach SchlaganfĂ€llen oder SchĂ€del-Hirn-Traumata.

Etablierte Plattformen und deren Trainingsstrukturen

Am Markt existieren unterschiedliche softwaregestĂŒtzte Systeme, die kognitive Fertigkeiten mit standardisierten Protokollen ansprechen:

  • BrainHQ (Posit Science): Das ĂŒber monatliche oder jĂ€hrliche Abonnements verfĂŒgbare Programm bietet mehr als 20 Übungen in den sechs Kategorien Aufmerksamkeit, Hirngeschwindigkeit, GedĂ€chtnis, soziale FĂ€higkeiten, Intelligenz und Navigation. Es lĂ€uft auf Computern, Tablets sowie Smartphones. Die browserbasierte Seite fĂŒr den Trainingsfortschritt visualisiert Trainingstage, Sterne, Level und Perzentile, wĂ€hrend die App-Variante auf diese grafische Darstellung verzichtet.
  • Cogmed: Das Basisprotokoll umfasst Einheiten von 50 Minuten tĂ€glich an 5 Tagen pro Woche ĂŒber einen Zeitraum von 5 Wochen, was einem Gesamtumfang von rund 20 Stunden entspricht. Das Regime lĂ€sst sich alternativ auf 25 oder 35 Minuten pro Einheit bei 3 oder 4 Tagen pro Woche strecken, wodurch eine Gesamtdauer von 5 bis 13 Wochen entsteht. Das Programm setzt moderne Webbrowser wie Chrome, Firefox, Edge oder Safari voraus, unterstĂŒtzt den Internet Explorer nicht und empfiehlt die Nutzung von Kopfhörern.
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  • Captain's Log MindPower Builder: Die Software beinhaltet ĂŒber 2000 Übungen fĂŒr 20 kognitive FĂ€higkeiten. Das Hauptprogramm wird lokal auf dem Computer installiert, ermöglicht jedoch ein abgesichertes, cloudbasiertes Ferntraining mit Datenabgleich zwischen Facheinrichtung und hĂ€uslichem Umfeld.

ErgÀnzend umfasst das Programm JOE mehr als 30 kognitive Spiele zur Förderung von Konzentration, Fokussierung, Reflexen sowie Sprache samt Verlaufsstatistiken.

Zudem starteten drei kostenlose, ohne Registrierung nutzbare Anwendungen namens TapTension Lite, TapTension Brain und TapTension HSP mit Testzeiten zwischen circa 10 und 12 Minuten, gestĂŒtzt auf internationale Fachliteratur und unter Beratung durch Dr. Song Jeong-heon vom Koreanischen Hirnforschungsinstitut (KBRI).

Wissenschaftliche Evidenz und klinische Grenzen

Trotz methodischer Vorteile wie millisekundengenauer Messung, Gamification und Personalisierung verweisen Fachberichte auf deutliche Differenzierungen bei der klinischen Wirksamkeit.

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In der multizentrischen, randomisierten Cog-VACCINE-Studie bei Patienten mit vaskulĂ€rer kognitiver Störung ohne Demenz verbesserte ein Trainingsprotokoll von 30 Minuten pro Einheit an 5 Tagen pro Woche ĂŒber 7 Wochen den MoCA-Wert im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant mit P=0,013. Zudem stieg die funktionelle KonnektivitĂ€t zwischen dem linken dorsolateralen prĂ€frontalen und dem medialen prĂ€frontalen Cortex, was mit der MoCA-VerĂ€nderung korrelierte (P=0,017). Diese Ergebnisse sind jedoch nicht auf andere Krankheitsbilder ĂŒbertragbar und enthalten keinen direkten Produktvergleich.

DemgegenĂŒber empfiehlt die britische NICE-Leitlinie NG97 kognitives Training ausdrĂŒcklich nicht zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz. Auch bei ADHS im Erwachsenenalter variiert die Wirksamkeit; entsprechend ersetzt ein computergestĂŒtztes Training weder medikamentöse Therapien noch verhaltenstherapeutische Maßnahmen.

Als grundlegende Herausforderung der Branche gilt weiterhin der oft unklare Alltagstransfer sowie der Umstand, dass zahlreiche Applikationen ohne ausreichende klinische Validierung vertrieben werden. Zur QualitĂ€tsprĂŒfung sollten Anwender daher stets Zielsetzung, Protokollstruktur, MessgrĂ¶ĂŸen und den tatsĂ€chlichen Nutzen im Alltag heranziehen.

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