Digitale, Resilienz

Digitale Resilienz: Psychische Stabilität als Schlüssel im Finanzsektor

Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

KPMG/Lünendonk-Studie: 94% der Finanzinstitute priorisieren digitale Resilienz, doch nur 12% erreichen hohen Reifegrad. Drittanbieter als Hauptrisikoquelle.

DORA-Studie 2026: Große Kluft zwischen Anspruch und digitaler Resilienz
Moderne Serverräume in einem Finanzinstitut mit blauen Statusleuchten in einer dunklen, professionellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Analysen zur Umsetzung der europäischen Verordnung über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA) zeigen eine deutliche Lücke zwischen der strategischen Einschätzung und der tatsächlichen Bereitschaft der Unternehmen.

Eine im August 2026 veröffentlichte Studie von KPMG und Lünendonk verdeutlicht, dass 94 Prozent der befragten Finanzinstitute die digitale Resilienz zwar als wichtig einstufen, jedoch lediglich 12 Prozent einen sehr hohen Reifegrad in diesem Bereich erreichen. Diese Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Bedeutung und der praktischen Umsetzung verdeutlicht den erheblichen Nachholbedarf der Branche.

Der Faktor Mensch als Risikoquelle und Stabilitätsanker

Neben rein technischen Aspekten rückt die menschliche Komponente verstärkt in den Fokus der Resilienz-Strategien. Berichte vom August 2026 weisen darauf hin, dass der Mensch weiterhin das größte Einfallstor für Sicherheitsrisiken darstellt. Seit dem Inkrafttreten der DORA-Vorgaben für EU-Finanzunternehmen im Januar 2025 sind verstärkte Maßnahmen zur Absicherung kritischer Systeme erforderlich.

Dazu gehören laut Fachleuten insbesondere Hintergrundüberprüfungen für Mitarbeiter, die Zugang zu sensiblen Infrastrukturen haben. Die personelle Stabilität und Zuverlässigkeit werden hierbei als wesentliche Faktoren für die Gesamtresilienz eines Instituts gewertet.

Um die psychische und operative Stabilität innerhalb der Organisation zu gewährleisten, seien klare Verantwortlichkeiten und eine Sensibilisierung der Belegschaft für potenzielle Bedrohungsszenarien unerlässlich.

Anzeige

Da Mitarbeiter oft das größte Sicherheitsrisiko darstellen, ist eine gezielte Sensibilisierung für moderne Bedrohungsszenarien wie Phishing heute für jedes Unternehmen unverzichtbar. Dieses kostenlose Paket zeigt Ihnen in 4 Schritten, wie Sie Ihr Team effektiv gegen psychologische Manipulationstaktiken der Hacker absichern. In 4 Schritten zur erfolgreichen Hacker-Abwehr

Herausforderungen im Management von Drittanbietern

Ein zentraler Schwachpunkt bei der Gewährleistung digitaler Widerstandsfähigkeit liegt in der Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Daten von Fabasoft vom August 2026 belegen, dass über 50 Prozent der gemeldeten DORA-Sicherheitsvorfälle auf IT-Dienstleister zurückzuführen sind. Das Management dieser IKT-Drittanbieter gilt daher als eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung der regulatorischen Anforderungen.

Die Steuerung dieser externen Partner liegt innerhalb der Institute jedoch oft in unterschiedlichen Zuständigkeiten. Laut der KPMG/Lünendonk-Studie ist in 47 Prozent der befragten Häuser die IT-Abteilung direkt für die Überwachung der Drittanbieter verantwortlich.

Trotz der Komplexität geben 82 Prozent der Unternehmen an, ihre Drittpartner bereits in interne Resilienz-Überprüfungen einzubeziehen. Dennoch bleibt die nahtlose Governance und Nachweisfähigkeit ein entscheidendes Kriterium für eine erfolgreiche DORA-Konformität.

Anzeige

Wer externe Dienstleister in seine Prozesse einbindet, muss die hohen DSGVO-Anforderungen an die Auftragsverarbeitung zwingend erfüllen, um Haftungsrisiken zu vermeiden. Dieser kostenlose Experten-Report liefert Ihnen fertige Vorlagen und Checklisten, mit denen Sie Ihre Verträge rechtssicher gestalten. Gratis E-Book zur Auftragsdatenverarbeitung herunterladen

Prüfverfahren und präventive Belastungstests

Um die eigene Widerstandsfähigkeit zu messen, setzen die Institute auf unterschiedliche Testverfahren. Die Untersuchung von KPMG und Lünendonk zeigt, dass 83 Prozent der Institute Penetrationstests nutzen, um Schwachstellen in ihren Systemen zu identifizieren. Ein geringerer Anteil von 56 Prozent führt zudem szenariobasierte Tests durch, um die Reaktion auf komplexe Krisensituationen zu proben.

Ergänzend dazu bereiten sich laut Branchenangaben vom August 2026 rund 72 Prozent der Unternehmen gezielt auf umfassende Stresstests vor. Experten betonen in diesem Zusammenhang, dass eine fundierte Governance nicht nur für Finanzinstitute essenziell ist, sondern dass auch Unternehmen, die unter die NIS-2-Richtlinie fallen, von den Erfahrungen bei der DORA-Umsetzung lernen können. Die Fähigkeit, digitale Prozesse auch unter extremer Belastung stabil zu halten, bleibe das primäre Ziel der regulatorischen Bemühungen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70004374 |