Digitale, SouverÀnitÀt

Digitale SouverĂ€nitĂ€t: 96 Prozent der CISOs nutzen US-Dienste fĂŒr kritische IT

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 03:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine xorlab-Erhebung zeigt US-AbhĂ€ngigkeiten, geringe Transparenz bei Datenstandorten und wachsende BemĂŒhungen um digitale EigenstĂ€ndigkeit.
Ein modernes, minimalistisches GebÀude aus Glas und Stahl in der AbenddÀmmerung, das Transparenz und Struktur symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

EuropĂ€ische Sicherheitsverantwortliche setzen bei geschĂ€ftskritischen IT-Diensten fast flĂ€chendeckend auf Anbieter aus den USA. Wie silicon.de am 24. Oktober 2026 unter Berufung auf den „Digital Sovereignty Report 2026“ des Sicherheitsunternehmens xorlab berichtete, nutzen 96 Prozent von 100 befragten Chief Information Security Officers (CISOs) in Europa mindestens einen US-Dienstleister fĂŒr essenzielle Systeme.

Obwohl 39 Prozent der befragten Sicherheitschefs angaben, US-Anbieter eigentlich lieber vermeiden zu wollen – in Deutschland liegt dieser Anteil bei 23 Prozent –, schließt kein einziger der Befragten diese Dienstleister formal aus.

Gleichzeitig offenbart die Untersuchung erhebliche TransparenzlĂŒcken: Lediglich 34 Prozent der CISOs können fĂŒr alle fĂŒnf ihrer kritischsten Dienstleister mit Sicherheit sagen, an welchen Standorten die Daten tatsĂ€chlich verarbeitet werden.

Digitale SouverĂ€nitĂ€t rĂŒckt in den Vorstandsfokus

Trotz der bestehenden MarktrealitĂ€ten gewinnt das Thema EigenstĂ€ndigkeit in den Unternehmen an Bedeutung. Laut der xorlab-Erhebung arbeiten 46 Prozent der europĂ€ischen CISOs mit hoher PrioritĂ€t an Konzepten fĂŒr mehr digitale SouverĂ€nitĂ€t; in Deutschland liegt dieser Wert mit 54 Prozent noch höher. Zudem stuften 84 Prozent der Teilnehmer einen einfachen Anbieterwechsel als wichtig ein.

Die strategische Verankerung des Themas nimmt ebenfalls zu: 54 Prozent der befragten CISOs verorten die Verantwortung fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t auf der Vorstandsebene. Unter den deutschen Befragten teilen sogar 69 Prozent diese Auffassung.

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Rechtliche Risiken und Kontrollfragen der Datenhaltung

Die Diskussion ĂŒber digitale UnabhĂ€ngigkeit wird durch rechtliche Unsicherheiten verschĂ€rft. Wie ey.com am 23. Oktober 2026 berichtete, mache ein reiner Serverstandort in Deutschland Daten – wie etwa Patientendaten – nicht automatisch souverĂ€n.

Nach EinschÀtzung von Rechtsexperten des Beratungsunternehmens EY können US-Gesetze wie der CLOUD Act oder FISA 702 auch Datenzugriffe in Deutschland erfassen. Der bestehende Normenkonflikt mit Artikel 48 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) lasse sich auf rein vertraglicher Basis nicht vollstÀndig lösen.

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Zudem warnten 25 europĂ€ische Cloud-Unternehmenschefs in einem offenen Brief an die EuropĂ€ische Kommission vor sogenanntem SouverĂ€nitĂ€ts-Washing. Auch Technologieexperten betonen, dass bloße Datenresidenz keine echte UnabhĂ€ngigkeit schaffe. Vielmehr seien Kontrollpfade, Entwicklerwerkzeuge, IdentitĂ€tsanbieter und Orchestrierungssysteme ausschlaggebend, um IT-Infrastrukturen bei Bedarf austauschen zu können.

EuropÀische Initiativen zur StÀrkung der UnabhÀngigkeit

Auf politischer Ebene versucht die EuropĂ€ische Union, den bestehenden AbhĂ€ngigkeiten mit regulatorischen und strategischen Initiativen zu begegnen. Das Cloud Sovereignty Framework der EU-Kommission ĂŒberprĂŒft Anbieter anhand von 48 Kriterien in den Bereichen Recht, Daten, Betrieb und Lieferkette.

EU-Kommissions-VizeprĂ€sidentin Henna Virkkunen hatte bereits im Juni bei der Vorstellung von PlĂ€nen zur Technologie-SouverĂ€nitĂ€t davor gewarnt, dass einzelne Akteure einseitige Kontrollmöglichkeiten ĂŒber kritische Systeme behalten könnten.

WĂ€hrend Behörden und Großunternehmen zunehmend nach Wegen suchen, kritische Software und Kommunikationsplattformen enger an europĂ€ische Standards zu binden, zeigt die Erhebung von xorlab, dass die betriebliche RealitĂ€t vieler Organisationen auf absehbare Zeit weiterhin von etablierten US-Diensten bestimmt bleibt.

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