Digitale, SouverÀnitÀt

Digitale SouverÀnitÀt: Deutschland-Stack soll bis 2028 vollstÀndig funktionieren

01.07.2026 - 01:02:47 | boerse-global.de

DIHK und EU-Kommission legen Maßnahmen fĂŒr mehr technologische SouverĂ€nitĂ€t vor. Der D-Stack soll die öffentliche IT bis 2028 vereinheitlichen.

EU und Deutschland forcieren digitale EigenstÀndigkeit mit neuem Strategiepaket
Digitale - Ein digitaler Schaltkreis mit den Umrissen Deutschlands, der digitale SouverĂ€nitĂ€t und technologische UnabhĂ€ngigkeit symbolisiert. 01.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Hintergrund sind wachsende AbhĂ€ngigkeiten von nicht-europĂ€ischen Technologieanbietern in SchlĂŒsselbereichen wie Cloud-Diensten, KĂŒnstlicher Intelligenz und öffentlicher IT-Infrastruktur. Sowohl die Industrie als auch die Politik fordern nun verbindliche Rahmenbedingungen.

DIHK fordert grundlegende Strategie gegen strukturelle Defizite

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat in einem Positionspapier vom 30. Juni 2025 einen umfassenden strategischen Rahmen gefordert. Das Papier, das am 25. Juni verabschiedet wurde, beschreibt ein strukturelles Defizit bei der Skalierung digitaler Technologien in Deutschland. Fehlendes Kapital, zu langsame Genehmigungsverfahren und ineffiziente Transferstrukturen – so die Analyse – bremsen die heimische Digitalwirtschaft aus.

Besonders kritisch sieht der DIHK die AbhĂ€ngigkeit von Anbietern außerhalb der EU bei Cloud-Diensten, KI und öffentlicher IT. Zu den zentralen Forderungen gehören der Abbau von Rechtsunsicherheiten, die Förderung offener Standards und die StĂ€rkung der Cyber-Resilienz. Zudem solle die EU als globaler Regelsetzer fĂŒr digitale Standards auftreten, bei gleichzeitiger Sicherung von Rohstoffen und dem Aufbau digitaler Kompetenzen. Der Verband kritisiert, dass Regulierungen wie der EU AI Act und die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) kleine und mittlere Unternehmen ĂŒberproportional belasten.

IT-Planungsrat besiegelt den Deutschland-Stack

Ein konkreter Schritt zur Konsolidierung der öffentlichen IT ist die BestĂ€tigung des „Deutschland-Stack" (D-Stack) als verbindliche nationale SouverĂ€nitĂ€tsplattform. Der IT-Planungsrat beschloss am 17. Juni 2025, dass das matrixbasierte System „ZaPuK" als Kernkomponente fĂŒr interoperable Kommunikation in Bund, LĂ€ndern und Kommunen dienen soll.

Bis 2028 soll der D-Stack eine einheitliche Plattform fĂŒr digitale IdentitĂ€ten, sicheren Datenaustausch, Zahlungen und Kommunikation bereitstellen. Eine stĂ€rkere Rolle spielt dabei die FITKO (Föderale IT-Kooperation), die auf wiederverwendbare Open-Source-Komponenten setzt. Bereits laufende Projekte wie der „Neo"-Pilot fĂŒr BĂŒrgerkommunikation und der „TI-Messenger" im Gesundheitswesen nutzen den offenen Matrix-Standard.

EU-Paket fĂŒr technologische SouverĂ€nitĂ€t: Vier große Initiativen

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Die EU-Kommission hatte bereits am 3. Juni 2025 ein „Technological Sovereignty Package" vorgelegt. Ziel ist es, die derzeitige AbhĂ€ngigkeit von nicht-europĂ€ischen Digitalprodukten – aktuell rund 80 Prozent – drastisch zu reduzieren. Das Paket umfasst vier zentrale Initiativen:

  • Chips Act 2.0: Aufbau einer EU-eigenen Foundry fĂŒr Sub-3-Nanometer-Chips zwischen 2030 und 2033
  • Cloud and AI Development Act (CADA): Verdreifachung der RechenzentrumskapazitĂ€ten innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren mit festgelegten SouverĂ€nitĂ€tsstufen
  • Open-Source-Strategie: Förderung wiederverwendbarer Software zur Vermeidung von Vendor-Lock-in
  • Energie-Fahrplan: Digitalisierung und KI im Energiesektor

Branchenanalysten rechnen jedoch nicht vor Ende 2027 mit einer formellen Verabschiedung dieser Maßnahmen. Die Dringlichkeit wurde Anfang des Jahres unterstrichen, als der Anbieter Anthropic seine KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 fĂŒr Nutzer außerhalb der USA sperrte – ausgelöst durch neue Exportkontrollen. EuropĂ€ische Unternehmen wie Siemens und Renault reagierten umgehend und diversifizierten ihre KI-Portfolios mit Modellen aus Europa, den USA und China, um sich gegen solche „Kill-Switch"-Risiken abzusichern.

US-Anbieter bleiben trotz SouverÀnitÀtskurs prÀsent

Trotz aller BemĂŒhungen um EigenstĂ€ndigkeit spielen US-amerikanische Anbieter weiterhin eine zentrale Rolle in der deutschen Infrastruktur. AWS eröffnete im Januar 2026 seine European Sovereign Cloud in Brandenburg – mit einer geplanten Investition von 7,8 Milliarden Euro bis 2040. Die Einrichtung richtet sich an den öffentlichen Sektor und regulierte Industrien und operiert ausschließlich innerhalb der EU unter Aufsicht des Bundesamts fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Paradoxerweise lĂ€uft das eigene NIS-2-Meldeportal des BSI auf AWS-Infrastruktur. Rund 29.500 Unternehmen waren dort bis zum 6. MĂ€rz 2026 registriert. KPMG-Rechtsexperten wiesen am 29. Juni 2026 darauf hin, dass neue EU-Gesetze wie der Data Act und der Cyber Resilience Act Unternehmen verpflichten, ihre IT-Systeme steuerbar und rechenschaftspflichtig zu gestalten. Konkret mĂŒssen Cloud-Dienste einen Anbieterwechsel ermöglichen und unbefugten Drittlandzugriff auf sensible Daten verhindern.

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EuropÀische Konzerne warnen vor Kosten und Fragmentierung

WĂ€hrend die EU ihre AbhĂ€ngigkeit reduzieren will, schlagen einige große europĂ€ische Unternehmen wie Volvo und Stellantis Alarm. Sie warnen, dass ein zu strikter Fokus auf SouverĂ€nitĂ€t zu höheren Betriebskosten und einer Fragmentierung des Marktes fĂŒhren könnte. Derzeit halten europĂ€ische Cloud-Anbieter schĂ€tzungsweise nur 13 Prozent des regionalen Marktes – ein Wert, der die Dimension der Herausforderung deutlich macht.

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