Digitale, SouverÀnitÀt

Digitale SouverÀnitÀt: Merz und Wildberger stellen 37-Punkte-Plan vor

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 04:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

EU-Staaten und Konzerne investieren massiv in KI, Quantencomputing und Cloud, um die AbhÀngigkeit von US-Technologien zu verringern.

Europas Milliarden-Offensive fĂŒr digitale UnabhĂ€ngigkeit
GlĂŒhendes blaues und goldenes digitales Netzwerk ĂŒber einer stilisierten Europakarte, das digitale SouverĂ€nitĂ€t und technologische UnabhĂ€ngigkeit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

EuropÀische Regierungen und Industriekonzerne treiben die technologische SouverÀnitÀt mit Milliardeninvestitionen massiv voran. Die AbhÀngigkeit von US-Software und -Infrastruktur soll drastisch reduziert werden.

Schneider Electric kauft KI-Spezialisten fĂŒr 3,1 Milliarden Euro

Der französische Industriekonzern Schneider Electric hat am 1. Juli 2026 die Übernahme des norwegischen KI-Unternehmens Cognite bekanntgegeben. Der Kaufpreis fĂŒr den Osloer Spezialisten fĂŒr industrielle KĂŒnstliche Intelligenz liegt bei umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro – eine reine Barzahlung. Cognite beschĂ€ftigt ĂŒber 800 Mitarbeiter und ist bekannt fĂŒr seine Plattformen Data Fusion und Atlas AI. Schneider Electric will die Technologie in seine Tochtergesellschaft AVEVA integrieren, um das industrielle Software-Portfolio zu stĂ€rken. Cognite erzielte 2025 einen Umsatz von rund 170 Millionen Euro und ein jĂ€hrliches Wiederholungsumsatzwachstum von 36 Prozent.

Quantencomputing: Französische Forschung bleibt in Europa

Auch im Bereich der Quantentechnologie zeichnet sich eine Konsolidierung ab, die Forschung und Entwicklung innerhalb Europas halten soll. Das Unternehmen BTQ Technologies erhielt am 1. Juli 2026 die endgĂŒltige Genehmigung der französischen Regierung fĂŒr die Übernahme des Straßburger Start-ups QPerfect. Der Deal hat einen Wert von rund 18,6 Millionen Euro zum Zeitpunkt des Abschlusses, plus einer möglichen zusĂ€tzlichen Zahlung von 5,7 Millionen Euro. Straßburg soll als europĂ€isches Forschungs- und Entwicklungszentrum ausgebaut werden. Die Übernahme umfasst QPerfects MIMIQ-Emulator und Digital-Twin-Technologien, die fĂŒr die Weiterentwicklung von Quantensteuerungssystemen entscheidend sind.

Deutschland und die EU: 37 Maßnahmen fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t

Die Politik untermauert die Investitionen der Privatwirtschaft mit neuen Gesetzesinitiativen. Am 2. Juli 2026 stellten Bundeskanzler Friedrich Merz und Digitalminister Volker Wildberger ein Strategiepapier mit 37 Maßnahmen vor. Ziel ist die deutsche FĂŒhrungsrolle bei Chips, Cloud-Computing, KI, Robotik und Quantentechnologie. Geplant sind unter anderem ein Sicherheitsinstitut und eine KI-Taskforce. Zudem soll ein zweites leistungsstarkes KI-Modell durch ein europĂ€isches Konsortium entwickelt werden.

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Diese nationalen Anstrengungen fĂŒgen sich in das EuropĂ€ische Technologie-SouverĂ€nitĂ€tspaket ein, das die EU-Kommission Anfang Juni 2026 vorgestellt hat. Es sieht vor, die RechenzentrumskapazitĂ€ten innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Außerdem enthĂ€lt es EntwĂŒrfe, um auslĂ€ndische „Kill-Switches" in kritischen Sektoren wie Verteidigung und Justiz zu blockieren. Mitgliedsstaaten mĂŒssten demnach Risiken bewerten und könnten ermĂ€chtigt werden, Anbieter zu wechseln, falls auslĂ€ndische Unternehmen drohen, den Zugang zu wichtigen Cloud- oder KI-Diensten zu kappen.

Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen zeigt die aktuelle Marktschieflage: Der europĂ€ische Cloud-Markt hat einen Inlandsanteil von unter 15 Prozent. Und wĂ€hrend das europĂ€ische KI-Unternehmen Mistral mit rund 23 Milliarden Euro bewertet wird, kommen die US-Konkurrenten OpenAI und Anthropic auf 852 Milliarden beziehungsweise 965 Milliarden Euro.

Reaktionen auf ZugangsbeschrÀnkungen und globalen Wettbewerb

Der Vorstoß zur SouverĂ€nitĂ€t wurde durch jĂŒngste Störungen beim Zugang zu US-Technologien beschleunigt. Am 12. Juni 2026 wurde der auslĂ€ndische Zugang zu den KI-Modellen Claude Fable 5 und Mythos 5 von Anthropic durch US-Exportkontrollen eingeschrĂ€nkt. Österreichs StaatssekretĂ€r Alexander Proell forderte daraufhin die EU auf, eine Ansiedlung von Anthropic in Europa durch Tochtergesellschaften oder Lizenzvereinbarungen zu prĂŒfen, um Plattformrisiken zu verringern.

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Mit dem EU-SouverĂ€nitĂ€tspaket drohen bei Nichtbeachtung Zugangssperren zu kritischen Diensten. Unternehmen, die jetzt keine Wechseloptionen prĂŒfen, riskieren Betriebsunterbrechungen. Dieser Leitfaden zeigt die 5 wichtigsten Sofortmaßnahmen. EU-Compliance-Fahrplan jetzt sichern

Um die AbhĂ€ngigkeit von externen Anbietern zu reduzieren, starten mehrere europĂ€ische LĂ€nder eigene Open-Source-Initiativen. Portugal brachte am 1. Juli 2026 mit "Amalia" das erste Open-Source-KI-Modell des Landes auf den Markt, entwickelt mit 5,5 Millionen Euro aus EU-Aufbaumitteln. Die EU-Kommission hat zudem das EUROPA-Konsortium ausgewĂ€hlt, um ein Open-Source-Sprachmodell fĂŒr alle 24 Amtssprachen der Union zu entwickeln. Das Modell soll ĂŒber 400 Milliarden Parameter verfĂŒgen und auf dem EuroHPC-Supercomputing-Netzwerk trainiert werden.

Obwohl die EU-US-Initiative Pax Silica im Juni 2026 zur Zusammenarbeit unterzeichnet wurde, konzentrieren sich die europĂ€ischen Regulierungsbehörden weiterhin auf den Aufbau eines eigenstĂ€ndigen Ökosystems. Der EU-Bericht zur digitalen Dekade 2026 zeigt: WĂ€hrend die 5G-Abdeckung 96,8 Prozent der Haushalte erreicht hat, besteht weiterhin eine starke AbhĂ€ngigkeit bei Halbleitern – die EU kommt hier nur auf einen Weltmarktanteil von neun Prozent.

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