Digitaler Euro: EZB startet Pilottest mit 20 Banken im Q3
Veröffentlicht: 05.07.2026 um 02:55 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die deutsche Girocard wird 2027 umfassend modernisiert und erhält Funktionen, die sie zur ernsthaften Konkurrenz für internationale Kreditkarten machen. Im Kern geht es um zwei Neuerungen: In-App-Zahlungen und eine Pre-Authorization-Funktion für Kautionen und Reservierungen.
Neue Funktionen für Verbraucher und Händler
Die geplante Erweiterung ermöglicht es Kunden künftig, direkt aus Smartphone-Apps mit der Girocard zu bezahlen. Anders als bei klassischen Lastschriftverfahren sind diese digitalen Transaktionen nicht vom Verbraucher stornierbar – ein entscheidender Unterschied. Verhandlungen mit großen Einzelhändlern über die Implementierung laufen bereits.
Die Pre-Authorization-Funktion erlaubt zudem die Nutzung der Girocard für Sicherheitsleistungen, etwa bei Hotels oder Autovermietungen. Während dies eine typische Kreditkartenfunktion nachahmt, erfolgt die Belastung direkt vom Girokonto – ohne Kreditrahmen. Branchenkenner sehen darin einen Vorteil für Händler, die mit niedrigeren Transaktionsgebühren rechnen können als bei internationalen Kreditkartenanbietern.
Allerdings bleibt die Girocard geografisch begrenzt: Ihre Nutzung ist weiterhin fast ausschließlich auf Deutschland und angrenzende Grenzregionen beschränkt.
Sparkassen und Genossenschaftsbanken sortieren sich neu
Parallel zu den technischen Neuerungen reorganisieren deutsche Geldhäuser ihr Kartengeschäft. Die Genossenschaftliche Finanz Gruppe (BVR) bündelt ihre Kartenaktivitäten: Die Ausgabeabwicklung wandert zu Atruvia, während VR Payment sich auf Händlerdienste wie Terminal-Netzbetrieb und Acquiring konzentriert. Ziel ist eine einheitliche Plattform für Giro-, Debit- und Kreditkarten, um Doppelstrukturen zu vermeiden.
Die Sparkassen haben indes ihr Kartenportfolio grundlegend überarbeitet. Rund 14 Millionen Sparkassen-Karten und eine Million Kreditkarten erhielten ein neues Design. Die modernisierten Karten verzichten auf das traditionelle Unterschriftenfeld, setzen stattdessen auf verbesserte Chip-Technologie und erweiterte Sicherheitsmerkmale. Der Rollout begann Ende 2023 und war Mitte 2024 weitgehend abgeschlossen. Ältere Karten bleiben bis zum Ablaufdatum gültig.
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DHL führt kontaktloses Bezahlen an der Haustür ein
Auch die Logistikbranche setzt verstärkt auf bargeldlose Zahlung. Ab Ende Juli 2026 können DHL-Kunden Sendungen an der Haustür mit Girocard, Kreditkarte oder mobilen Diensten wie Apple Pay und Google Pay bezahlen. Für Nachnahme-Sendungen ist ausschließlich die Girocard zugelassen. Traditionelle Barzahlung bleibt als Option für andere Dienstleistungen erhalten.
Digitaler Euro und Eudi-Wallet: Die nächsten Meilensteine
Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt die Einführung des digitalen Euro voran. Ein Pilotprojekt startet im dritten Quartal 2026 mit rund 20 Finanzinstituten, darunter die Deutsche Bank, Helaba und die DZ Bank. Die zwölfmonatige Testphase sieht ein Halte-Limit von 500 bis 3.000 Euro für Bürger vor. Privatpersonen soll der Service kostenlos nutzen können, Unternehmen hingegen könnten mit Gebühren belastet werden. Die Entwicklungskosten werden auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt, die jährlichen Betriebskosten auf rund 320 Millionen Euro.
Parallel dazu startet am 2. Januar 2027 die deutsche Eudi-Wallet – eine digitale Identitäts- und Dokumenten-App. Bürger können damit künftig ihren Personalausweis, Führerschein und die Krankenkassenkarte digital vorlegen. Der Quellcode des Projekts soll bereits im August 2026 veröffentlicht werden, um Transparenz zu gewährleisten.
KI-Agenten übernehmen Zahlungen
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Im privaten Sektor geht die Innovation noch einen Schritt weiter. Worldline, ING und Visa haben einen Pilotversuch mit KI-Agenten gestartet. Verbraucher definieren dabei konkrete Kaufbedingungen, und ein KI-Agent führt die Transaktion autonom aus – gesichert durch biometrische Authentifizierung und sichere Passkeys.
Der Zahlungsdienstleister Unzer hat zudem einen ehemaligen Amazon-Manager zum Chief Product & AI Officer ernannt. Er soll die Integration von maschinellem Lernen in die Zahlungsprozesse vorantreiben.
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