Digitaler, Euro

Digitaler Euro: Parlament beschließt Weg frei mit 416 Stimmen

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 05:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das EU-Parlament stimmt für Verhandlungen zum digitalen Euro. Die neue Währung soll Europas Unabhängigkeit von US-Zahlungsdiensten stärken.

EU-Parlament ebnet Weg für den digitalen Euro bis 2029
Digitales Euro-Symbol mit dem Europäischen Parlament im Hintergrund, das die Zustimmung zu den Verhandlungen über den digitalen Euro symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Juli 2026 mit deutlicher Mehrheit den Weg für den digitalen Euro freigemacht. 416 Abgeordnete stimmten für die Aufnahme von Verhandlungen mit dem Europäischen Rat, 169 waren dagegen, 22 enthielten sich. Ziel ist es, noch in diesem Jahr einen verbindlichen Rechtsrahmen zu schaffen.

Strategische Unabhängigkeit von US-Zahlungsdiensten

Ein zentrales Motiv für die digitale Währung ist die Stärkung der europäischen Souveränität im Zahlungsverkehr. Aktuelle Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen: Rund 61 Prozent aller Kartenzahlungen im Euroraum laufen über internationale Anbieter. Mit dem digitalen Euro, direkt von der EZB ausgegeben, entstünde eine echte Alternative zu US-dominierten Systemen wie Visa, Mastercard, Apple Pay und Google Pay.

Der Berichterstatter des Projekts, Fernando Navarrete Rojas, stellte klar: Der digitale Euro solle Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde begrüßte die Abstimmung als wichtigen Schritt. Die Initiative biete Schutz vor dem wachsenden Einfluss privater Stablecoins und externer Finanzdienstleister.

Technische Details und Datenschutz

Der vorgeschlagene Rahmen sieht eine doppelte Nutzung vor: Online- und Offline-Transaktionen. Bei Letzteren kommen sogenannte Zero-Knowledge-Proofs zum Einsatz – ein Verfahren, das ein hohes Maß an Privatsphäre ähnlich wie bei Bargeld gewährleisten soll.

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Für Privatnutzer sind grundlegende Dienste kostenlos vorgesehen. Die meisten Händler werden zur Annahme verpflichtet, wobei Kleinstunternehmen und Selbstständige voraussichtlich Ausnahmen erhalten.

Stabilitätsrisiken und Obergrenzen

Um eine Massenflucht aus Bankeinlagen zu verhindern, ist eine Obergrenze pro Person geplant. Aktuell wird über einen Betrag von rund 3.000 Euro diskutiert. Simulationsrechnungen der EZB zeigen: Eine solche Grenze könnte bis zu 699 Milliarden Euro von traditionellen Bankkonten in die digitale Währung verschieben.

Die Umsetzung wird teuer. Eine Studie von PwC beziffert die Implementierungskosten für den Bankensektor auf mehrere zehn Milliarden Euro. Die EZB selbst betrachtet den digitalen Euro als öffentliches Gut.

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Zeitplan und internationale Perspektive

Die nächste Phase sind formelle Verhandlungen zwischen Parlament und Rat unter irischer Ratspräsidentschaft. Ein finales Abkommen wird bis Ende 2026 angestrebt. Technische Tests und eine Pilotphase sollen Mitte 2027 beginnen, der flächendeckende Start für Verbraucher ist für 2029 vorgesehen.

Die Ausgabe erfolgt über bestehende Banken und Zahlungsdienstleister – auch in EU-Staaten außerhalb der Eurozone.

Interessant ist der Kontrast zu den USA: Dort wächst der Widerstand gegen staatliche digitale Währungen. Ein früherer Präsidentenerlass von Donald Trump zielte darauf ab, eine US-amerikanische CBDC zu verbieten. Europa geht nun entschlossen den umgekehrten Weg.

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