Digitaler, Nachlass

Digitaler Nachlass: Zwei Drittel der Deutschen völlig unvorbereitet

28.05.2026 - 16:16:31 | boerse-global.de

Fehlende Regelung des digitalen Nachlasses führt zu Problemen bei Erben. Sicherheitslücken bei Passwort-Managern und steigende Cyberkriminalität verschärfen die Lage.

Viatris- vs. Structure-Therapeutics-Aktie: Pharma-Riese gegen Abnehm-Pionier - Foto: über boerse-global.de
Viatris- vs. Structure-Therapeutics-Aktie: Pharma-Riese gegen Abnehm-Pionier - Foto: über boerse-global.de

Rund zwei Drittel der Deutschen haben ihren digitalen Nachlass nicht geregelt – mit weitreichenden Folgen für die Hinterbliebenen.

Der Bundesgerichtshof stellte bereits 2018 klar: Ein digitales Erbe ist rechtlich einem physischen gleichgestellt (Az. III ZR 183/17). Erben erhalten automatisch Zugriff auf Online-Konten, sofern nichts anderes bestimmt ist. Doch die Praxis sieht anders aus. Technische Hürden überlagern häufig die Rechtslage.

Anzeige

Da viele Deutsche die rechtzeitige Vorsorge vernachlässigen, helfen rechtssichere Vorlagen dabei, die eigene Familie vor Behördenchaos und rechtlichen Unsicherheiten zu schützen. Dieser kostenlose Ratgeber bietet geprüfte Muster für Testamente und Patientenverfügungen, um für den Ernstfall rechtzeitig vorzusorgen. Berliner Testament, Patientenverfügung & Erbschaftstipps kostenlos sichern

Der durchschnittliche Internetnutzer unterhält zwischen 80 und 200 Online-Konten. Fehlt eine Vorsorge, droht der Verlust von Kryptowährungen, unzugängliche Fotoalben oder die ungewollte Fortführung kostenpflichtiger Streaming-Abos.

Die häufigsten Fehler bei der digitalen Vorsorge

Viele glauben, wer wenig online aktiv sei, hinterlasse auch keine digitale Spur. Ein Trugschluss, wie Experten betonen. Fast jeder moderne Verbraucher hinterlässt Fußabdrücke im Netz.

Ein weiteres Problem: Behördliche Dokumente wie ein Erbschein reichen oft nicht aus. Verschlüsselte Vermögenswerte wie Krypto-Wallets benötigen spezifische Zugangscodes. Karsten Stickeler von der Caritas-Stiftung rät daher, Passwortlisten getrennt vom Testament aufzubewahren und regelmäßig zu aktualisieren. Bei sensiblen Daten empfiehlt sich die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers, der Vertraulichkeit und professionelle Abwicklung gewährleistet.

Sicherheitsrisiko: Selbst gehostete Passwort-Manager

Die Werkzeuge zur Verwaltung digitaler Vermögenswerte geraten zunehmend ins Visier von Sicherheitsforschern. Eine Untersuchung von Censys ARC identifizierte im Mai 2026 über 31.000 öffentlich zugängliche Passwort-Manager-Instanzen – darunter Bitwarden, Vaultwarden und Passbolt.

Anzeige

Angesichts der massiv steigenden Zahl gehackter Online-Konten wird herkömmlicher Passwort-Schutz für Internetnutzer immer riskanter. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie die neue Passkey-Technologie Ihre Accounts bei Amazon, WhatsApp und Co. durch biometrische Anmeldung manipulationssicher macht. Sicher, bequem und passwortlos – Kostenlosen Report herunterladen

Deutschland liegt bei dieser globalen Offenlegung mit 22,9 Prozent aller sichtbaren Instanzen an der Spitze. Hauptanbieter ist Hetzner. Rund neun Prozent der Vaultwarden-Instanzen laufen auf Serverversionen, die von zwei kritischen Sicherheitslücken aus dem Frühjahr 2025 betroffen sind. Zwar sind 65 Prozent auf dem aktuellen Stand, doch Sicherheitsexperten betonen: Eine Mehrfachauthentifizierung (MFA) ist zwingend erforderlich.

Cyberkriminalität: Jeder neunte Deutsche betroffen

Die Dringlichkeit des Themas unterstreicht der aktuelle BSI-Cybersicherheitsmonitor 2026. Demnach wurde 2025 jeder neunte Internetnutzer in Deutschland Opfer von Cyberkriminalität. Am häufigsten traten Betrugsfälle beim Online-Shopping (22 Prozent) und im Banking (13 Prozent) auf. 14 Prozent der Betroffenen meldeten unbefugten Zugriff auf ihre Konten.

Die Prognosen für 2026 sind alarmierend: Der Schaden durch mobile Cyberkriminalität könnte 442 Milliarden Euro erreichen. Künstliche Intelligenz treibt diese Entwicklung massiv voran – sie unterstützt inzwischen 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen. Besonders perfide: Neue Phishing-Kits wie Kali365, die zwischen 250 und 2.000 Euro kosten, können selbst MFA durch spezielle Login-Prozesse umgehen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im ersten Quartal 2026 stiegen die Vorfälle mit Banking-Trojanern um 196 Prozent auf 1,24 Millionen Fälle. QR-Code-Phishing („Quishing") legte um 150 Prozent auf 18 Millionen Fälle zu. Die Europäische Zentralbank hat deshalb zu einer Notfallsitzung mit den 111 größten Finanzinstituten geladen.

Praktische Hilfe für Verbraucher

Wer Ordnung in seine digitalen Angelegenheiten bringen möchte, findet Unterstützung bei Verbraucherzentralen. Die Verbraucherzentrale NRW – die 2025 rund 372.000 Anfragen bearbeitete – bietet Beratung zu digitalen Rechten und Online-Verträgen.

Lokale Initiativen wie der Seniorenbeirat Schönberg haben Notfallordner-Vorlagen entwickelt. Diese kategorisieren persönliche Dokumente, medizinische Unterlagen und digitale Vorsorgeregeln. Empfohlen wird eine jährliche Überprüfung von Passwortlisten und Kontenübersichten.

Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es ebenfalls: Die Volkshochschule Leipzig bietet im September 2026 einen Workshop an, der die Erstellung von Kontenübersichten und die rechtlichen Grundlagen der Datenlöschung behandelt.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wissenschaft | 69433953 |