Digitaler Stress: 44% fĂŒhlen sich stĂ€ndig gedanklich empfangsbereit
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 17:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Vermittlung von Methoden zum Stressabbau und die Sensibilisierung fĂŒr mentale Gesundheit gewinnen in der Lebenswelt junger Menschen zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Untersuchungen und Initiativen verdeutlichen, dass insbesondere der Ăbergang von der Schule in den Beruf sowie der Umgang mit digitalen Medien erhebliche Belastungen mit sich bringen.
Verschiedene Akteure aus dem Gesundheitswesen, der Wissenschaft und der Politik erarbeiten derzeit Strategien, um die Resilienz von SchĂŒlern, Auszubildenden und Studierenden zu stĂ€rken.
Psychische Belastung und schwindende Gesundheitskompetenz
Untersuchungen von Krankenkassen im September 2026 zeichnen ein deutliches Bild der aktuellen Belastungssituation. Laut Daten der DAK-Gesundheit fehle 90 Prozent der SchĂŒler die notwendige Gesundheitskompetenz, um aktiv mit Belastungen umzugehen. Nur noch 57 Prozent der Kinder und Jugendlichen blickten positiv in die Zukunft, wĂ€hrend es im Vorjahr noch 62 Prozent gewesen seien.
Zudem berichteten 49 Prozent von einem verminderten Wohlbefinden. Fast jedes zweite Schulkind leide unter Schlafproblemen, und mehr als zwei Drittel fĂŒhlten sich mindestens einmal pro Woche erschöpft. Prof. Reiner Hanewinkel vom IFT-Nord in Kiel ordnete Gesundheitskompetenz als das wirksamste Werkzeug ein, um diesen Trends zu begegnen.
ErgĂ€nzende Daten der Barmer und der Sinus-Jugendstudie identifizierten Schulstress als die hĂ€ufigste Alltagsbelastung. Demnach fĂŒhlten sich 33 Prozent der 14- bis 17-JĂ€hrigen in Bayern dadurch stark beeintrĂ€chtigt. Dabei zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede: WĂ€hrend 39 Prozent der MĂ€dchen unter diesem Stress litten, waren es bei den Jungen 27 Prozent. Weitere Belastungsfaktoren seien Familienstress (16 Prozent) sowie Einsamkeit und psychische Erkrankungen (jeweils 10 Prozent).
Digitaler Stress im Fokus der Forschung
Ein wesentlicher Faktor fĂŒr das psychische Wohlbefinden ist der Umgang mit digitalen EndgerĂ€ten. Eine reprĂ€sentative Studie der IU Internationalen Hochschule mit dem Titel âAlways-on: Digitaler Stress in Deutschlandâ zeigt, dass sich 44,2 Prozent der Befragten gedanklich stĂ€ndig âauf Empfangâ fĂŒhlten.
Besonders ausgeprÀgt sei dieses Verhalten bei den 16- bis 30-JÀhrigen: 90,6 Prozent dieser Altersgruppe schauten mindestens ein- bis zweimal pro Stunde auf ihr Smartphone oder Tablet, auch ohne eine Benachrichtigung erhalten zu haben. 68,1 Prozent tÀten dies sogar mindestens dreimal pro Stunde.
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Dieser permanente Erreichbarkeitsdruck fĂŒhre laut der Studie bei 46,9 Prozent zu einer inneren Anspannung. Rund 32,0 Prozent der Befragten gaben an, hĂ€ufig oder tĂ€glich emotional oder mental erschöpft zu sein. Als hilfreiche GegenmaĂnahmen identifizierte die Untersuchung das Ausschalten von Push-Benachrichtigungen (38,4 Prozent), den âNicht-stören-Modusâ (29,5 Prozent) sowie Bewegung ohne technische GerĂ€te (28,7 Prozent).
Praxisorientierte AnsÀtze in Ausbildung und Studium
Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, werden vermehrt praxisnahe Projekte initiiert. Im September 2026 organisierte die AOK Schweinfurt einen Gesundheitstag fĂŒr rund 100 Auszubildende in Oberndorf. Franziska Markert von der AOK betonte dabei die Wichtigkeit praxistauglicher Impulse fĂŒr den Ausbildungsalltag. Die Stationen umfassten Themen wie Resilienz, Schlaf, SuchtprĂ€vention und Medienkonsum.
Auch im akademischen Umfeld werden neue Wege erprobt. An der UniversitĂ€t Marburg entstand im Rahmen der âYouth Mental Health Infrastrukturâ die App LeafIt!. Diese Anwendung zielt darauf ab, die Bildschirmzeit durch eine Gruppen-Challenge zu reduzieren. Das Projekt wurde beim ersten Mental Health Game Jam in Berlin prĂ€miert und soll kĂŒnftig ĂŒber ein EXIST-GrĂŒndungsstipendium weitergefĂŒhrt werden.
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An der Otto-von-Guericke-UniversitĂ€t Magdeburg ist das studentische Gesundheitsmanagement (SGM) direkt am Sportzentrum angesiedelt. Projektkoordinatorin Luzia Krieg kĂŒndigte fĂŒr das kommende Wintersemester Kurse zu Resilienz sowie ein spezielles âHealth Coachingâ fĂŒr den Wiedereinstieg nach Krankheitsphasen an.
Strukturelle Herausforderungen und Empfehlungen
Trotz dieser punktuellen Initiativen weisen VerbÀnde auf strukturelle Defizite hin. Der Ausbildungsreport 2026 des DGB zeigt, dass mehr als jeder zweite Auszubildende psychisch belastet ist.
Hierbei spielen jedoch nicht nur Leistungsdruck, sondern primÀr finanzielle Sorgen und die Wohnsituation eine Rolle. Beispielsweise verdiene eine Schreinerin im zweiten Lehrjahr rund 1.000 Euro brutto, wÀhrend Fahrtkosten zur Berufsschule bis zu 3.000 Euro im Jahr betragen könnten.
Auf institutioneller Ebene empfiehlt eine Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt insgesamt 56 Handlungsschritte. Diese basieren auf einem Beteiligungsprozess, bei dem Jugendliche unter anderem mehr Schutz vor Cybermobbing und eine stÀrkere Beteiligung an Entscheidungsprozessen forderten.
Parallel dazu betonte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) die anhaltende Relevanz von Organisationsprozessen zur Entwicklung âgesunder Schulenâ, insbesondere vor dem Hintergrund des LehrkrĂ€ftemangels und sinkender Leistungen in den Bereichen Lesen und Mathematik, wie sie im September 2026 durch PISA-Ergebnisse belegt wurden.
