Digitales Gesundheitswesen: Kabinett beschließt GeDIG-Gesetz mit 445 Millionen Euro Entlastung
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die internationale Modernisierung der Gesundheitssysteme kommt voran – doch Deutschland zeigt ein gemischtes Bild. Während die elektronische Patientenakte (ePA) langsam Fuß fasst, bleiben viele Krankenhäuser abgehängt.
TI-Atlas 2026: Nur jedes zweite Pflegeheim ist online
Die nationale Gesundheits-IT-Agentur gematik hat am heutigen Mittwoch den TI-Atlas 2026 veröffentlicht. Demnach sind 50 Prozent aller Pflegeeinrichtungen an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden. Die ePA etabliert sich zunehmend, und das TI-Gateway sorgt für stabilere Systeme. Doch der Krankenhaussektor bereitet weiterhin Sorgen.
Eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) vom selben Tag zeigt: Nur 56 Prozent der Kliniken haben ihre Krankenhausinformationssysteme (KIS) für die ePA-Integration aktualisiert. Von den 382 befragten Häusern können 62 Prozent auf die ePA zugreifen. Bundesweit nutzen etwa 650 von 1.800 Krankenhäusern die elektronische Akte aktiv. Viele Einrichtungen rechnen nicht vor dem ersten oder zweiten Quartal 2027 mit einer vollständigen Nutzung.
GeDIG-Gesetz: Milliardenentlastung erwartet
Die Politik will nun nachsteuern. Am 15. Juli 2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf für das „Gesetz zur digitalen Innovation im Gesundheitswesen“ (GeDIG) verabschiedet. Ziel ist es, die ePA zu stärken, Überweisungen und Terminbuchungen zu digitalisieren und Forschungsdaten besser verfügbar zu machen. Die Regierung erwartet jährliche Entlastungen von 445 Millionen Euro. Elektronische Überweisungen sollen ab dem 1. September 2029 verpflichtend sein.
Apotheken und Rettungsdienste: Neue digitale Werkzeuge
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Apotheken-Softwarehäuser (ADAS) haben heute eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist eine benutzerfreundlichere ePA in Apotheken. Eine Pilotphase für den elektronischen Medikationsplan (eMP) startete bereits am 15. Juli. Er soll Wechselwirkungen erkennen und Dosierungen automatisch anpassen.
Mit der zunehmenden Digitalisierung steigen auch die rechtlichen Anforderungen an den Schutz sensibler Gesundheitsdaten. Dieser kostenlose Basis-Check enthüllt, wo die meisten Betriebe unbewusst gegen die Datenschutzgrundverordnung verstoßen und wie Sie die Mindestanforderungen erfüllen. Erfüllt Ihr Unternehmen wirklich alle DSGVO-Mindestanforderungen?
Im ländlichen Raum geht das Malteser Gesundheitszentrum in Heiligenstadt neue Wege. Seit gestern testet es einen TI-Messenger für die sichere Kommunikation zwischen Rettungssanitätern und Hausärzten. Der sechsmonatige Pilotversuch ermöglicht die Übertragung von Vitaldaten und Bildern. Ziel ist eine bessere telemedizinische Versorgung auf dem Land. Seit dem 1. Juli 2026 ist zudem die elektronische Abrechnung für assistierte Telemedizin in Apotheken möglich – ab dem 1. März 2027 wird sie Pflicht.
Internationale Vorreiter: Indien und Ägypten zeigen, wie es geht
Während Deutschland kämpft, machen andere Länder Tempo. Indien meldete gestern 1,86 Lakh (186.000) Ayushman-Arogya-Mandirs, die im Rahmen der Nationalen Gesundheitsmission in Betrieb genommen wurden. Die Ayushman-Bharat-Digital-Mission (ABDM) hat inzwischen über 90 Crore (900 Millionen) ABHA-Registrierungen (Ayushman Bharat Health Account) überschritten. Das Land setzt auf ein patientenzentriertes Ökosystem mit interoperablen digitalen Akten.
Ägypten hat nach eigenen Angaben 265 Gesundheitseinrichtungen und 166 Krankenhausabteilungen in sechs Gouvernoraten digitalisiert. Ein Pilotprojekt für die zweite Phase des universellen Krankenversicherungssystems (UHIS) läuft in Minya.
Malaysia will innerhalb von fünf bis zehn Jahren ein vollständig digitales, patientenzentriertes Gesundheitssystem erreichen – derzeit sind nur zehn Prozent der öffentlichen Gesundheitsversorgung digitalisiert.
In Russland ist die Fernüberwachung von Bluthochdruck und Diabetes seit dem 20. Juli im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung verfügbar. Über 392.000 Geräte sind bereits in 30 Regionen angeschlossen.
Künstliche Intelligenz erobert die Diagnostik
Die Integration von KI in Kliniken beschleunigt sich durch neue Partnerschaften. In Spanien hat Telefónica Tech gestern mit Harrison.ai eine KI-Lösung für die Röntgendiagnostik gestartet. Der Algorithmus wurde mit über 780.000 Studien trainiert und kann bis zu 124 klinische Befunde identifizieren.
In der vietnamesischen Provinz An Giang setzt das Gesundheitssystem auf einen digitalen Datenhub und elektronische Akten in 263 Einrichtungen. KI wird für die Diagnostik und Medikamentenwarnungen genutzt. Die Cloud-Speicherung digitaler Bilder senkt die Kosten auf 25 Prozent der traditionellen Filmentwicklung.
Parallel zur technologischen Aufrüstung durch KI stellt die neue EU-KI-Verordnung Unternehmen vor komplexe regulatorische Herausforderungen. Ein kostenloser Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
In den USA haben Sentara Health und Infosys heute eine Partnerschaft für eine unternehmensweite KI-Plattform bekannt gegeben. Ziel ist es, KI über Pilotprojekte hinaus in die Versorgung und digitale Patientendienste zu skalieren – in Sentaras zwölf Krankenhäusern und der eigenen Krankenversicherung.
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