Digitales, Langzeitarchiv

Digitales Langzeitarchiv: 150 Millionen Euro für Kulturerbe ab 2027

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 23:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Nationalbibliothek, Bundesarchiv und Literaturarchiv fordern 150 Mio. Euro für ein zentrales digitales Langzeitarchiv bis 2036.

150 Millionen Euro für digitales Langzeitarchiv geplant
Sicherer, moderner Serverraum mit Reihen leuchtender Datenserver, die digitale Langzeitarchivierungsinfrastruktur repräsentieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Deutsche Nationalbibliothek, das Bundesarchiv und das Deutsche Literaturarchiv Marbach haben der Bundesregierung einen gemeinsamen Vorschlag für ein zentrales digitales Langzeitarchiv vorgelegt. Die Einrichtungen beantragen rund 150 Millionen Euro für den Zeitraum von 2027 bis 2036 – für Aufbau und Betrieb der nötigen Infrastruktur.

Der Zeitplan sieht eine Vorbereitungsphase ab 2027 vor, die Einrichtung eines sogenannten „Dark Archive" zur sicheren Speicherung bis 2029 und den vollständigen öffentlichen Zugang ab 2033. Nach der ersten Ausbaustufe rechnen die Institutionen ab 2036 mit jährlichen Betriebskosten von 15 Millionen Euro. Das Projekt orientiert sich am französischen Gallica-System.

Digitalisierungsstau in deutschen Archiven

Der Vorschlag, der kürzlich einem Bundestagsausschuss präsentiert wurde, offenbart einen erheblichen Nachholbedarf bei der digitalen Bestandserhaltung. Das Bundesarchiv meldete einen Digitalisierungsbedarf von rund 15 Regalkilometern physischer Dokumente für das kommende Jahrzehnt. Der Verband der deutschen Filmarchive schätzt, dass 93 Prozent der Filmgeschichte noch in analoger Form vorliegen – 200 Millionen Euro wären nötig, um diese Lücke in 20 Jahren zu schließen.

Auch in der Forschungsdatenverwaltung zeichnen sich langfristige Investitionen ab. In Karlsruhe hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) gestärkt. Ein Beschluss für den Zeitraum Januar 2029 bis Dezember 2038 überträgt die zentrale Mittelverwaltung an den NFDI-Verein, um stabile Rahmenbedingungen zu schaffen.

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Doch nicht alle Projekte sind finanziell abgesichert. Für den Bundeshaushalt 2027 wurden Bedenken laut: Ein geplantes NSU-Dokumentationszentrum in Nürnberg ist bislang ohne Finanzierung. Eine Machbarkeitsstudie hatte für das erste Jahr 1,5 Millionen Euro veranschlagt, für das zweite Jahr 10 Millionen Euro.

Internationale Partnerschaften und Hochschularchive

Auch weltweit gewinnt die digitale Bestandserhaltung an Dynamik. Die Gautam Buddha University und das India International Centre unterzeichneten am 12. Juli 2026 eine fünfjährige Kooperationsvereinbarung zur Förderung von Handschriftenforschung und digitaler Archivierung. Das Projekt SAMHiTA steht dabei im Mittelpunkt.

Im Nahen Osten endete am 10. Juli 2026 die dritte Heritage-Konferenz des Sharjah Institute for Heritage. Die Veranstaltung, die sich mit mündlichen Überlieferungen im Wandel beschäftigte, brachte 35 neue Publikationen hervor. Die Teilnehmer empfahlen den Aufbau digitaler Plattformen und den Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Bewahrung des mündlichen Kulturerbes.

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Wenn das Geld ausgeht: Lehren aus der Computerspielsammlung

Wie verletzlich digitale Initiativen ohne langfristige Förderung sind, zeigt die Schließung der Internationalen Computerspielesammlung (ICS). Rund 60.000 Spiele umfasste die Sammlung – doch nach Auslaufen der öffentlichen Förderung im April 2026 stellte sie den Betrieb ein. Die physischen Bestände gingen an die Eigentümer zurück, die Zukunft des digitalen Archivs bleibt ungewiss.

Neben finanziellen Hürden treiben auch Umweltfaktoren neue Konservierungstechniken voran. Am Yorker Münster nutzen Vermesser 3D-Digitalaufnahmen, um filigrane Steinmetzarbeiten zu dokumentieren, die durch zunehmende Niederschläge und feuchtere Winter – Folgen des Klimawandels – verwittern.

Standards und bürgerschaftliches Engagement

Branchenbeobachter rechnen mit einem jährlichen Wachstum von zwölf Prozent bei Investitionen in digitale Archivplattformen. Aktuelle Empfehlungen setzen auf Metadaten und nachhaltige Dateiformate wie PDF/A und EPUB 3. Neue Werkzeuge kommen auf den Markt: Am 9. Juli 2026 veröffentlichte APTrust das Open-Source-Tool DART 3, wie die Digital Preservation Coalition mitteilte.

Bürgerschaftliche Projekte schließen dort Lücken, wo institutionelle Unterstützung fehlt. In Argentinien entwickelte sich das Archivo de la Memoria Trans von einer Social-Media-Gruppe zu einem bedeutenden Archiv der Trans-Geschichte. Ähnliche Diskussionen über Nachhaltigkeit digitaler Kulturlabore und die Rolle von Open Science prägten die Veranstaltung GLAM Labs Futures 2026 in Edinburgh Ende Juni.

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