Digitalisierung der Verwaltung: Kabinett plant 600-Millionen-Entlastung
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 02:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung will Bürger und Wirtschaft jährlich um rund 600 Millionen Euro entlasten – durch eine umfassende Digitalisierung der Verwaltung.
Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch ein Maßnahmenpaket, das die Kommunikation mit staatlichen Stellen grundlegend modernisieren soll. Kernstück ist die „Digital First“-Strategie, die künftig digitale Angebote vor persönlichen Terminen priorisiert.
Gesundheitswesen als Vorreiter
Mit dem Gesetz zur Digitalisierung des Gesundheits- und Pflegesystems (GeDIG) sollen elektronische Patientenakten ausgebaut und digitale Überweisungen ermöglicht werden. Gesundheitsminister Warken sprach von einem Schlüsselprojekt: Allein durch GeDIG seien Einsparungen von knapp 448 Millionen Euro zu erwarten.
Jobcenter setzen auf Video statt Vor-Ort-Termine
Ein zentraler Punkt der Reform betrifft die Arbeitsverwaltung. Jobcenter müssen künftig verbindliche Vereinbarungen per E-Mail akzeptieren und persönliche Vorsprachen durch Videosprechstunden ersetzen. Die tägliche Pflicht zur Briefkasten-Leerung entfällt, solange Bürger digital erreichbar bleiben.
Digitalminister Wildberger zog Bilanz: Insgesamt habe die Regierung seit November über 40 Maßnahmen umgesetzt, die jährliche Entlastung liege mittlerweile bei 10,4 Milliarden Euro.
Die voranschreitende Digitalisierung in der Verwaltung erfordert von Unternehmen eine präzise Anpassung an neue rechtliche Rahmenbedingungen wie den EU AI Act. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der neuen KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Praktische Erleichterungen im Alltag
Das Kabinett beschloss zudem mehrere konkrete Deregulierungen:
- Elektroautos brauchen keine grüne Umweltplakette mehr
- Prüfaufkleber für Elektrogeräte in Büros entfallen, sofern keine besonderen Gefahren bestehen
- Taxifahrer müssen künftig keine Ortskunde mehr nachweisen – die Entscheidung liegt bei den Ländern
Internationale Städte setzen auf KI-Assistenten
Während Deutschland auf nationaler Ebene voranschreitet, gehen andere Kommunen bereits einen Schritt weiter. Die italienische Stadt Campobasso startete am Mittwoch den KI-Assistenten „Eva“, entwickelt von der Gruppo Gpi. Das System bearbeitet Bürgeranfragen rund um die Uhr – allein im Juni zählte es 270 Interaktionen, in der ersten Julihälfte über 120.
In Spanien brachte Numancia de la Sagra einen KI-Assistenten per WhatsApp an den Start, der bei Anmeldeverfahren und Genehmigungen hilft. Ciudad Real meldete fast 4.000 Nachrichten seit dem Start seines Chatbots für Stadtplanungsfragen.
Mit der Integration von KI-Systemen in den Behördenalltag entstehen auch neue Anforderungen an die Dokumentationspflichten für betroffene Organisationen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme künftig als Hochrisiko eingestuft werden und was Verantwortliche jetzt konkret unternehmen müssen. Kostenlosen Report zu Risikoklassen und Pflichten der KI-Verordnung sichern
Digitale Infrastruktur vor Ort
Auch in Deutschland wächst das Angebot. Mülheim bietet seit Dienstag digitale Anmeldungen, Passstatus-Abfragen und Kfz-Zulassungen online an. Mecklenburg-Vorpommern vermeldete einen Meilenstein: Das Serviceportal des Landes umfasst nun über 800 digitale Dienstleistungen – von Elterngeldanträgen bis zur Anerkennung ausländischer Medizinstudiengänge.
Die Dringlichkeit digitaler Zugänge zeigte sich in Stuttgart: Wegen der anhaltenden Hitzewelle stellten Bürgerämter auf reine Online-Terminvergabe um. Zwar sei das Angebot ausreichend, räumten Behörden ein – doch ältere Menschen und Bürger mit Sprachbarrieren hätten Probleme.
Ausblick: Milliardenpotenzial durch KI
Die Vereinigten Arabischen Emirate treiben die Digitalisierung besonders ambitioniert voran. Die App TAMM in Abu Dhabi erneuert Ausweise und Kfz-Zulassungen automatisch per KI. Das Land, das bereits 2017 einen KI-Minister ernannte, rechnet damit, dass künstliche Intelligenz bis 2030 rund elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen könnte – umgerechnet etwa 320 Milliarden Euro.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
