Digitalisierung, Deutschland

Digitalisierung: Deutschland rutscht auf Platz 17 in EU-Ranking ab

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesrepublik verliert im EU-Vergleich an Boden und belegt nun Rang 17. Besonders die Verwaltungsdigitalisierung bleibt ein Schwachpunkt.

Digitalisierungs-Ranking: Deutschland fällt auf Platz 17 zurück
Moderner, minimalistischer Büroraum mit verschwommenen digitalen Datenvisualisierungen zur administrativen Infrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesrepublik rutscht im Digitalisierungsvergleich der Europäischen Union auf Platz 17 ab – trotz leichter Fortschritte. Der Abstand zu den Spitzenreitern wächst.

Deutschland verliert im EU-weiten Digitalisierungs-Ranking weiter an Boden. Laut dem aktuellen DESI-Report des Digitalverbands Bitkom belegt die Bundesrepublik nun Platz 17 unter den 27 Mitgliedstaaten – nach Rang 14 im Vorjahr. Zwar stieg der Gesamtwert minimal von 50,1 auf 51,1 Punkte, doch andere Länder legen deutlich schneller zu. Spitzenreiter bleibt Dänemark mit 76,4 Punkten, gefolgt von Finnland und den Niederlanden.

Unter den fünf größten EU-Volkswirtschaften rangiert Deutschland immerhin auf Platz zwei – hinter Spanien. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sieht dennoch Anlass zur Sorge: „Wir machen Fortschritte, aber das Tempo der anderen ist deutlich höher."

Digitale Verwaltung: Das große Sorgenkind

Besonders gravierend sind die Defizite bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Hier fiel Deutschland vom 21. auf den 22. Platz zurück. Hauptproblem: fehlende Automatisierung. Bei „vorausgefüllten Formularen" erreicht die Bundesrepublik nur 52,0 Punkte – der EU-Durchschnitt liegt bei 75,9 Punkten.

Auch die Nutzung digitaler Verwaltungsdienste bleibt hinter dem EU-Mittel zurück: Nur 69,6 Prozent der Bürger nutzen Online-Angebote der Behörden, im EU-Schnitt sind es 76,0 Prozent. Wintergerst fordert daher das „Once-Only"-Prinzip, den verstärkten Einsatz von KI in der Verwaltung und eine Unternehmensgründung innerhalb von 24 Stunden. Die aktuelle Bürokratie und die Komplexität der Regelungen seien nicht mehr zeitgemäß.

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Infrastruktur stark, Nutzung schwach

In den Bereichen Infrastruktur und Unternehmensdigitalisierung hält Deutschland Platz 11. Die 5G-Abdeckung ist mit 99,5 Prozent beeindruckend – der EU-Schnitt liegt bei 96,8 Prozent. Doch die tatsächliche Nutzung schneller Verbindungen hinkt hinterher: Nur sieben Prozent der Nutzer verwenden Anschlüsse mit 1.000 Mbit/s oder mehr.

Immerhin: Bei den digitalen Kompetenzen verbesserte sich Deutschland um vier Plätze auf Rang 11. Der Anteil der IT-Fachkräfte an allen Beschäftigten liegt bei 5,5 Prozent und damit leicht über dem EU-Durchschnitt von 5,0 Prozent. Ähnlich sieht es bei den IT-Absolventen aus: 6,2 Prozent aller Hochschulabsolventen in Deutschland haben einen IT-Hintergrund, EU-weit sind es 5,5 Prozent. Die Digitalisierung der Unternehmen verschlechterte sich dagegen von Platz 8 auf Platz 11.

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Länder kämpfen mit der Umsetzung

Vor Ort hakt es weiterhin gewaltig. In Brandenburg sind nur fünf der 15 zentralen Dienstleistungen aus dem Onlinezugangsgesetz (OZG) vollständig umgesetzt – darunter Kfz-Zulassung, öffentliche Vergabe und Bürgergeld-Anträge. Andere Angebote stecken in der Warteschleife: Unterhaltsvorschuss liegt bei 83 Prozent, Bauanträge bei 65 Prozent, Einbürgerungen bei 53 Prozent. Besonders dürftig: Die Anmeldung von Eheschließungen schafft gerade einmal 25 Prozent, der Ummeldungsservice kommt auf magere acht Prozent.

Auch technische Hürden bremsen den digitalen Fortschritt. Seit der verpflichtenden Zwei-Faktor-Authentifizierung Ende April 2025 melden Nutzer des Jobcenter-Portals Probleme beim Login. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme führte die Bundesagentur für Arbeit im April 2026 die „BA-Secure-App" ein. In Pilotprojekten wie „Digitales Jobcenter 1.0" lag die Online-Nutzung immerhin 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt – ein Hoffnungsschimmer in einem ansonsten ernüchternden Gesamtbild.

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