Digitalkompetenz: 40 Prozent der Achtklässler verfehlen Grundstufe am Computer
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDeutschland verfügt nach Einschätzung des Ifo-Instituts nicht über die notwendigen Voraussetzungen, um vom anstehenden Wachstum durch Künstliche Intelligenz umfassend zu profitieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Münchner Wirtschaftsforscher im Auftrag der IHK München und Oberbayern, wie aus Berichten vom 2. November 2026 hervorgeht.
Der Ifo-Experte Oliver Falck benannte dabei eine zu kleine Hightech-Branche, eine unzureichend digitalisierte öffentliche Verwaltung sowie ein zu träges Bildungssystem als die zentralen Kernprobleme für den Wirtschaftsstandort. Die Veröffentlichung der vollständigen Studie steht laut Medienberichten in Kürze an und erfolgt im Vorfeld des Digital-Gipfels.
Schwacher Technologiesektor und hohe Abhängigkeit vom Ausland
Ein zentraler Schwachpunkt liegt der Analyse zufolge in der Struktur der heimischen Industrie. Der Sektor für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) steuert laut dem Ifo-Institut lediglich 4,6% zur gesamten Bruttowertschöpfung bei. Mit diesem Wert belegt die Bundesrepublik lediglich einen Platz im unteren Mittelfeld der Europäischen Union.
Gleichzeitig weist Deutschland bei digitalen Diensten ein gravierendes Defizit im Außenhandel auf. Bei den IKT-Dienstleistungen importierte die Bundesrepublik im Jahr 2025 netto 11 Mrd. US-Dollar mehr, als sie selbst an andere Staaten exportieren konnte.
Der Ifo-Forscher Christian Pfaffl hob in diesem Zusammenhang hervor, dass kein anderes Land innerhalb der Europäischen Union in diesem Segment eine stärkere Abhängigkeit vom Ausland aufweise als Deutschland.
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Rückstände in den Amtsstuben und im Klassenzimmer
Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen verweist das Institut auf strukturelle Mängel im staatlichen Verantwortungsbereich. Während die Digitalisierung in anderen europäischen Staaten bereits den Alltag prägt, kommt die deutsche Verwaltung nur schleppend voran.
Sogenannte vorausgefüllte Formulare stecken hierzulande laut dem Ifo-Institut nach wie vor in einer reinen Experimentierphase. In Staaten wie den Niederlanden, Dänemark, Polen und Österreich ist dieses Instrument dagegen bereits weitgehend in den Verwaltungsprozessen umgesetzt.
Nicht weniger deutlich fällt das Urteil über den schulischen Bereich aus. Das Bildungssystem vermittelt den Jugendlichen offenbar nicht die Fähigkeiten, die für eine moderne Digitalwirtschaft erforderlich sind.
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Den Ergebnissen zufolge erreichen rund 40% der Achtklässler in Deutschland nicht einmal die Stufe 2 der Computer- und Informationskompetenz. Bei den Kompetenzen, die über dieses reine Grundniveau hinausgehen, liegen die Leistungen der deutschen Schüler zudem deutlich unter dem Durchschnitt der Europäischen Union.
Fehlendes Fachwissen bremst praktische Anwendung aus
Die Lücken im Bildungswesen und in der technologischen Basis schlagen laut den Forschern unmittelbar auf die betriebliche Praxis durch. Mangelnde Fachkompetenz ist den Ifo-Ergebnissen nach der am häufigsten genannte Grund dafür, dass KI-Projekte in Unternehmen letztlich gar nicht erst umgesetzt werden.
Falck betonte in diesem Zusammenhang, dass es zahlreichen Betroffenen und Arbeitskräften an dem grundlegenden Wissen fehle, Systeme der Künstlichen Intelligenz im Berufsalltag überhaupt produktiv zu nutzen.
