Dimensity 9600 Pro: MediaTek bringt 30-Milliarden-Parameter-KI auf Smartphones
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 19:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Smartphone-Hersteller verbauen zunehmend dedizierte NPUs (Neural Processing Units) auch in Mid-Tier-Chipsätzen, um Geräte-Upgrades voranzutreiben und neue KI-integrierte Home-Hardware-Strategien zu stützen. On-Device-Funktionen wie Übersetzung, Foto-Bearbeitung und Audio-Zusammenfassung sollen dadurch ohne Cloud-Anbindung laufen, was sowohl die Latenz senkt als auch Datenschutzbedenken adressiert.
Kürzere Lebenszyklen, neue Lieferengpässe
Nach Einschätzung von Analysten könnte die zunehmende KI-Hardware in Smartphones die durchschnittliche Nutzungsdauer der Geräte von 36 auf 28 Monate verkürzen – ein Effekt, der auf schnellere Innovationszyklen bei On-Device-KI zurückgeführt wird.
Gleichzeitig passen Hersteller ihre Basis-Hardware zunehmend für die lokale Ausführung großer Sprachmodelle an. Das führt Berichten zufolge zu Engpässen bei High-Bandwidth-Speicher in den Lieferketten. NPU-basierte Inferenz auf dem Gerät soll dabei helfen, Cloud-Latenz zu vermeiden und Telemetriedaten besser zu schützen.
MediaTek treibt Mixture-of-Experts-Modelle auf dem Chip voran
Ein zentrales Beispiel für den Trend ist die Zusammenarbeit von vivo und MediaTek: Beide Unternehmen unterstützen On-Device-MoE-Modelle (Mixture of Experts) mit bis zu 30 Milliarden Parametern auf dem neuen Dimensity 9600 Pro. Damit sollen lokale Textgenerierung und Bildverarbeitung direkt auf dem Smartphone möglich werden – Herausforderungen bleiben laut Berichten allerdings der Energieverbrauch und die Wärmeentwicklung solcher Modelle.
MediaTek hatte den Dimensity 9600 Pro vorgestellt und ihn mit einer Dual-NPU-Architektur sowie einer sogenannten Agentic AI Engine ausgestattet, die ebenfalls Modelle mit bis zu 30 Milliarden Parametern unterstützen soll.
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Eine zweite, besonders effiziente NPU soll den Stromverbrauch für Always-On-KI-Funktionen laut Herstellerangaben um 40 Prozent senken. Der verbaute NPU-Baustein 1090 soll zudem eine um 51 Prozent höhere LLM-Prefill-Leistung sowie 55 Prozent mehr Token pro Watt gegenüber dem Vorgänger erreichen.
Auch bei der CPU-Architektur setzt MediaTek auf Effizienz: Der Dimensity 9600 Pro verfügt über zwei C2-Ultra-Kerne mit bis zu 4,55 GHz sowie sechs C2-Pro-Kerne. Laut Hersteller ergeben sich daraus 17 Prozent mehr Single-Core- und 15 Prozent mehr Multi-Core-Leistung bei gleichzeitig 61 Prozent geringerem Multi-Core-Verbrauch gegenüber dem Vorgängerchip.
Der Chip wird in TSMCs 2-Nanometer-Verfahren N2P gefertigt, verfügt über eine All-Big-Core-Architektur mit acht Kernen und bis zu 33 Milliarden Transistoren sowie 34,5 MB Cache. Unterstützt werden zudem LPDDR6-Speicher und UFS-5.0-Flashspeicher.
vivo positioniert sich mit eigenem KI-Stack
vivo zählt zu den ersten chinesischen Herstellern, die einen erweiterten KI-Software-Stack anbieten, bestehend aus BlueLM, BlueLM Copilot und BlueLM Harness. Die Kombination aus eigener Softwareplattform und MediaTeks Dual-NPU-Hardware verdeutlicht, wie eng Chip- und Systemhersteller inzwischen bei der Integration von On-Device-KI zusammenarbeiten.
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Auch Apple setzt auf leistungsfähigere Neural Engines
Der Trend zu dedizierten KI-Recheneinheiten beschränkt sich nicht auf Android-Geräte. Beim iPhone 18 Pro kommt der A20 Pro-Chip mit einer Dual-16-Core Neural Engine sowie 12 GB LPDDR5X-Speicher und einer Bandbreite von 115,2 GB/s zum Einsatz.
In einer Demonstration führte das Gerät ein 27-Milliarden-Parameter-Modell namens Bonsai mit doppelter Geschwindigkeit gegenüber dem iPhone 17 Pro aus. Ein größeres Modell, Bonsai 2 mit 2-Bit-Quantisierung, passt laut der Demonstration hingegen nicht mehr lokal auf das iPhone 18 Pro – ein Hinweis darauf, dass trotz wachsender NPU-Leistung weiterhin Speichergrenzen bestehen.
Fertigungsmarkt bleibt konzentriert
Die zunehmende Nachfrage nach fortschrittlichen NPU-Architekturen trifft auf einen weiterhin stark konzentrierten Foundry-Markt: Laut TrendForce hielt TSMC im zweiten Quartal einen Marktanteil von 72,5 Prozent, während Samsung auf 5,9 Prozent kam.
Bei mobilen Prozessoren lag MediaTek im selben Zeitraum laut Counterpoint bei einem Anteil von 31 Prozent, vor Qualcomm mit 23 Prozent und Apple mit 19 Prozent. Diese Verteilung dürfte mit Blick auf die wachsende Bedeutung fortschrittlicher NPU-Fertigung an strategischer Relevanz gewinnen, da leistungsfähige On-Device-KI zunehmend zum Verkaufsargument für neue Smartphone-Generationen wird.
