Doctolib und Nvidia: Minderheitsbeteiligung soll Europas Gesundheits-KI stÀrken
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Chiphersteller Nvidia steigt beim französischen Gesundheitstechnologie-Unternehmen Doctolib ein. Wie Doctolib-Chef Stanislas Niox-Chateau und Nvidia-CEO Jensen Huang am Abend des 13. Oktober 2026 in Paris bekanntgaben, ĂŒbernimmt Nvidia eine Minderheitsbeteiligung an der Plattform. Einen Sitz im Verwaltungsrat erhĂ€lt das US-Unternehmen im Zuge des Einstiegs nicht. Zur genauen Höhe der erworbenen Anteile machten beide Seiten keine Angaben.
Zuletzt war Doctolib im FrĂŒhjahr 2026 mit 3,6 Milliarden Euro bewertet worden. Die Plattform zĂ€hlt in Europa mittlerweile 100 Millionen Patientinnen und Patienten sowie 580.000 GesundheitsfachkrĂ€fte. Auf den deutschen Markt entfallen davon mehr als 30 Millionen Patientinnen und Patienten sowie 150.000 FachkrĂ€fte aus dem Gesundheitswesen.
Ausbau europÀischer KI-Modelle im Gesundheitswesen
Doctolib will das frische Kapital fĂŒr Neueinstellungen nutzen, um die Gewinnung von FachkrĂ€ften im Bereich kĂŒnstliche Intelligenz zu beschleunigen und eigene Modelle direkt in Europa zu entwickeln.
Derzeit beschĂ€ftigen sich bei dem Unternehmen rund 100 Wissenschaftler, Ingenieure und Designer mit der Entwicklung eigener KI-Systeme. Zudem setzt Doctolib bereits seit einem Jahr auf Technologie von Nvidia und erhĂ€lt durch die Beteiligung direkten Zugang zu den KI-Fachleuten des Chipherstellers fĂŒr das Modelltraining.
Das Leistungsspektrum von Doctolib umfasst neben der Online-Terminvergabe auch Lösungen fĂŒr Buchhaltung und Verwaltung sowie einen KI-Telefonassistenten.
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Ein digitaler Sprechstundenassistent hat bereits mehr als 12 Millionen Patientenbesuche dokumentiert; dafĂŒr nutzt das Unternehmen ein eigenes Spracherkennungsmodell mit mehrsprachigem medizinischem Vokabular. FĂŒr die Jahre 2027 und 2028 setzt die Plattform die PrioritĂ€t auf Assistenten fĂŒr GesundheitsfachkrĂ€fte, darunter Funktionen fĂŒr DiagnosevorschlĂ€ge.
Geplant ist zudem ein persönlicher, kostenpflichtiger KI-Gesundheitsassistent fĂŒr wenige Euro im Monat, der Patientinnen und Patienten Fragen stellt, Dringlichkeiten einordnet und Orientierung bietet. Im August 2026 hatte Doctolib bereits ein Forschungsprogramm auf Basis persönlicher Daten von 50 Millionen Nutzern gestartet.
Datenschutzfragen und Nvidias Europa-Offensive
Doctolib hob hervor, dass sĂ€mtliche Gesundheitsdaten und KI-Modelle weiterhin auf Servern in der EuropĂ€ischen Union sowie in GroĂbritannien gehostet werden und unter der alleinigen Kontrolle des Unternehmens verbleiben.
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Trotz dieser Zusicherung Ă€uĂerte der Gesundheitsökonom FrĂ©dĂ©ric Bizard von der ESCP Europe Bedenken hinsichtlich eines möglichen Zugriffs auf sensible Daten infolge einer US-Beteiligung und mahnte an, dass die öffentliche Hand die digitale SouverĂ€nitĂ€t gewĂ€hrleisten mĂŒsse.
Die Beteiligung an Doctolib ist Teil einer umfassenderen Investitionsinitiative des US-Konzerns. Huang erklÀrte, Nvidia habe im Jahr 2025 mindestens 8 Milliarden US-Dollar in Europa investiert. Neben Doctolib investierte der Konzern in das französische Startup Genesis AI; zudem gibt es Beteiligungen an Pigment sowie an Entalpic.
FĂŒr die kommende Woche kĂŒndigte Huang weitere KI-Vereinbarungen in der Region ĂŒber 2 Milliarden US-Dollar an, die im Rahmen einer tour durch Paris, London und Berlin vorgestellt werden sollen. Zudem stellt der Konzern der britischen KI-Sicherheitsforschung RechenkapazitĂ€ten im Gesamtwert von 250 Millionen US-Dollar bereit.
