Donanemab, Behandlung

Donanemab: 52 Prozent beenden die Behandlung in weniger als 12 Monaten

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 05:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Amyloid- und Tau-PET helfen bei Therapieentscheidung und Monitoring; Bluttests könnten künftig die Vorauswahl erleichtern.
Ein klinisches Labor mit hochmoderner medizinischer Bildgebungstechnologie für die neurologische Diagnostik. Illustration mit AI erstellt.

Die Einführung krankheitsmodifizierender Antikörper markiert einen Wendepunkt in der Behandlung der Alzheimer-Demenz. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation lebten im Jahr 2021 weltweit rund 57 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen, wobei 60 bis 70 Prozent der Fälle auf Alzheimer entfallen.

Vor dem Hintergrund der Zulassungen von Lecanemab und Donanemab durch die US-amerikanische FDA sowie in der EU rückt die nuklearmedizinische Diagnostik in den Mittelpunkt. Auf dem 39. Jahreskongress der European Association of Nuclear Medicine (EANM), der vom 17. bis 21. Oktober 2026 in Wien stattfindet, erörtern Fachleute den Stellenwert bildgebender Verfahren.

Die Amyloid-Positronen-Emissions-Tomographie (PET) dient dabei der Bestätigung der pathologischen Eiweißablagerungen vor Therapiebeginn, während die Tau-PET wichtige Prognosen zum Ansprechen auf die Medikamente liefert.

Präzise Indikationsstellung vor dem Einsatz von Antikörpern

Klinische Studien belegen, dass Antikörper das Fortschreiten der Erkrankung im Frühstadium um bis zu 30 Prozent verlangsamen können. Das vorrangige Ziel der Intervention besteht in dieser Verzögerung und nicht in der Wiederherstellung bereits verlorener kognitiver Fähigkeiten.

Matthias Brendel von der LMU München empfiehlt den Einsatz der Amyloid-PET zur diagnostischen Absicherung vor Behandlungsbeginn, da Biomarker aus Blut und Liquor in bestimmten Fällen Unsicherheiten hinterlassen.

An der LMU-Klinik München werden jährlich über 500 Amyloid- und Tau-PET-Scans durchgeführt. Zudem läuft an der LMU München unter Brendels Beteiligung eine Phase-3-Studie zu Trontinemab mit einer möglichen Behandlungsdauer von 3 bis 4 Monaten.

Niedrige Werte in der Tau-PET sind mit einem besseren therapeutischen Ansprechen auf Donanemab assoziiert. Ergänzend dazu untersuchen Forscher methodische Standardisierungen: Eine Validierung der Open-Source-Pipeline TAME-Q zur automatisierten Semi-Quantifizierung von Florzolotau-(18F)-Tau-PET an 133 Teilnehmern eines Zentrums zeigte im inferioren temporalen Gyrus signifikant erhöhte Signalwerte bei Alzheimer gegenüber gesunden Kontrollen.

Steuerung der Therapiedauer und klinische Verlaufsdaten

Wiederholte PET-Scans machen den Rückgang der Amyloid-Plaques im Behandlungsverlauf sichtbar. In den klinischen Studien zu Donanemab wurde die Medikation beendet, sobald ein definierter Schwellenwert unterschritten war. Eine in JAMA publizierte Phase-3-Studie verdeutlichte, dass 52 Prozent der Teilnehmenden die Behandlung in unter 12 Monaten abschließen konnten, während die reguläre Therapiedauer bei 1,5 Jahren liegt.

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Eine Post-hoc-Analyse der Studie TRAILBLAZER-ALZ 2 differenzierte zwischen Patientengruppen mit und ohne 52-Wochen-Amyloid-Clearance unter einem Schwellenwert von 24,1 Centiloids.

Eine Clearance erreichten 443 Behandelte, während 227 Teilnehmende diesen Schwellenwert verfehlten. Die Baseline-Werte lagen bei 95,8 (SD 32,4) beziehungsweise 120,2 (SD 34,0) Centiloids und sanken bis Woche 52 auf 4,8 (SD 12,5) beziehungsweise 48,2 Centiloids (p < 0,001).

Ein niedrigerer Ausgangswert erwies sich als stärkster Prädiktor für eine erfolgreiche Beseitigung der Plaques, gefolgt von höherem Lebensalter, weniger APOE-?4-Allelen und geringerem Körpergewicht. Nach 76 Wochen betrug die Progressionsverlangsamung auf der Skala CDR-SB bei Patienten mit Clearance 29,6 Prozent gegenüber 28,8 Prozent in der Gruppe ohne Clearance.

Risikofaktoren, Monitoring und künftige Diagnostikpfade

Realdaten aus der klinischen Anwendung liefern weitere Einblicke. An der Universitätsklinik Tokio-Tachikawa veränderte sich der kognitive Status in einer Lecanemab-Kohorte über 18 Monate im Mittel von MMSE 24,95 auf 22,62 sowie im CDR-SB von 2,17 auf 3,83 (+1,60).

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Eine schwere mediale temporale Atrophie bei Studienbeginn war nach 12 Monaten mit einem stärkeren CDR-SB-Anstieg assoziiert (adjustiert ? = +2,18; 95%-Konfidenzintervall 1,04–3,32; p < 0,001). Das Ausgangs-Amyloid im PET zeigte hingegen keinen signifikanten Zusammenhang mit den späteren kognitiven Veränderungen.

Zugleich bildeten bestehende Mikroblutungen einen starken Risikofaktor für das Auftreten zerebraler Amyloid-bezogener Bildgebungsanomalien mit Hämosiderinablagerungen (ARIA-H; Odds Ratio 14,0; 95%-Konfidenzintervall 3,19–50,7). Bei zwei oder mehr Mikroblutungen zu Beginn traten bei 37,5 Prozent ARIA-Ereignisse auf; sämtliche 11 Fälle verliefen jedoch asymptomatisch und wurden durch das MRT-Monitoring erkannt.

Begleitend analysierte die Washington University School of Medicine in St. Louis 130 Blutproteine bei behandelten Patienten, was der Diagnostikentwickler Alamar Biosciences als erste breite longitudinale Routinestudie einordnet.

Da die PET-Diagnostik durch Radiotracer aufwendig, kostenintensiv und nur begrenzt verfügbar ist, zeichnet sich ein mehrstufiger Diagnosepfad ab. Künftig dürften Bluttests wie phosphoryliertes Tau-217 (p-tau217) als Vorselektion fungieren, bevor PET oder Liquoruntersuchungen bei unklarem Befund zur Bestätigung herangezogen werden.

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