Donanemab ab Juli: Alzheimer-Therapie verzögert Verfall um 7 Monate
12.06.2026 - 00:09:34 | boerse-global.de
Ab Juli 2026 gibt es feste Abrechnungsregeln – doch die Kostenfrage bleibt heikel.
Ärzte können Donanemab bald abrechnen
Zum 1. Juli 2026 tritt eine neue Gebührenordnungsposition (GOP 02103) im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) in Kraft. Sie ist mit 147 Punkten bewertet – das entspricht aktuell 18,73 Euro.
Die Leistung umfasst die intravenöse Infusion über mindestens 30 Minuten plus eine anschließende Beobachtungsphase von ebenfalls 30 Minuten. Abrechnen dürfen nur Fachärzte für Neurologie, Nervenheilkunde sowie Psychiatrie und Psychotherapie. Voraussetzung: Zugang zu MRT-Untersuchungen, um Nebenwirkungen zu überwachen.
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Die Vergütung erfolgt extrabudgetär und ist maximal 18 Monate lang alle vier Wochen berechnungsfähig. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das Medikament zwar als verordnungsfähig eingestuft, einen Zusatznutzen aber nicht als belegt angesehen.
Langzeitdaten zeigen Wirkung
Aktuelle Ergebnisse der Phase-3-Studie von Hersteller Lilly geben Aufschluss über die Nachhaltigkeit. Über drei Jahre hinweg verzögert Donanemab den kognitiven Verfall bei Patienten im Frühstadium der Alzheimer-Erkrankung. Experten wie Harald Prüß von der Charité Berlin beziffern den Effekt auf etwa sieben Monate.
Bemerkenswert: Die Wirkung hält auch nach dem Absetzen an. Die Therapie endet in der Regel, sobald die Amyloid-Plaques im Gehirn weitgehend entfernt sind – in den Studien oft nach 18 Monaten erreicht. Neue Sicherheitsrisiken traten in den Langzeitbeobachtungen nicht auf.
Diese Daten könnten für eine Neubewertung durch den G-BA relevant sein. Der Hersteller hat die Möglichkeit, auf dieser Basis eine erneute Prüfung des Zusatznutzens zu beantragen.
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Gesundheitskrise: GKV droht Milliardenloch
Die Einführung hochpreisiger Therapien fällt in eine schwierige phase für das deutsche Gesundheitssystem. Prognosen für 2027 weisen ein voraussichtliches Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung von 18,8 Milliarden Euro aus – 3,5 Milliarden mehr als erwartet. Die Ausgaben stiegen im ersten Quartal 2026 um 7,8 Prozent, deutlich über der Jahresprognose von 6,5 Prozent.
Der Bundestag berät im Juni 2026 über das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Gesundheitsministerin Warken betont, dass zusätzliche Einsparungen von rund 2,5 Milliarden Euro nötig seien, um die Beiträge stabil zu halten.
Gleichzeitig warnen Branchenvertreter: Zu strikte Sparmaßnahmen könnten die Innovationskraft des Pharmastandorts Deutschland gefährden. Die Arzneimittelausgaben stiegen zwischen 2012 und 2025 von 27 auf 59 Milliarden Euro – patentgeschützte Präparate mit überproportionalen Preissteigerungen.
Während für Donanemab nun klare Vergütungsregeln vorliegen, bleibt in anderen Bereichen die Lage angespannt. Zum 1. Oktober 2026 ist eine Abwertung humangenetischer Leistungen vorgesehen. Der GKV-Spitzenverband verteidigt dies als Anpassung an den technischen Fortschritt, Ärztevertreter kritisieren es als sachlich unbegründete Honorarkürzung.
Die künftige Verfügbarkeit von Innovationen wie Donanemab hängt maßgeblich von den anstehenden Preisverhandlungen und der finalen Ausgestaltung der Sparreformen ab.
