Demokratische Republik Kongo, Zentralafrikanische Republik

Ebola-Ausbruch nach 100 Tagen weiter nicht unter Kontrolle

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

100 Tage sind am Samstag seit Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs im Kongo vergangen, mehr als 5.000 KrankheitsfÀlle wurden nachgewiesen. Doch es könnte alles noch deutlich schlimmer sein.

  • Fast jeder zweite der mehr als 5.000 Ebola-Patienten ist an der gefĂ€hrlichen Fieberkrankheit gestorben. (Archivbild) - Bild: -/XinHua/dpa
    Fast jeder zweite der mehr als 5.000 Ebola-Patienten ist an der gefÀhrlichen Fieberkrankheit gestorben. (Archivbild) - Bild: -/XinHua/dpa
  • WHO-Generaldirektor Tedros sieht den Ausbruch noch lange nicht unter Kontrolle. - Bild: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa
    WHO-Generaldirektor Tedros sieht den Ausbruch noch lange nicht unter Kontrolle. - Bild: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa
  • Dem Berliner Infektiologen Maximilian Gertler macht insbesondere die Zahl unentdeckter FĂ€lle und das Auftreten von Ebola in entlegenen Regionen Sorgen. (Archivbild) - Bild: Eva Krafczyk/dpa
    Dem Berliner Infektiologen Maximilian Gertler macht insbesondere die Zahl unentdeckter FĂ€lle und das Auftreten von Ebola in entlegenen Regionen Sorgen. (Archivbild) - Bild: Eva Krafczyk/dpa
  • Neue Behandlungs- und Isolationszentren werden gebaut - doch zugleich nehmen die FĂ€lle rapide zu. (Archivbild) - Bild: Moses Sawasawa/AP/dpa
    Neue Behandlungs- und Isolationszentren werden gebaut - doch zugleich nehmen die FĂ€lle rapide zu. (Archivbild) - Bild: Moses Sawasawa/AP/dpa
Fast jeder zweite der mehr als 5.000 Ebola-Patienten ist an der gefÀhrlichen Fieberkrankheit gestorben. (Archivbild) - Bild: -/XinHua/dpa WHO-Generaldirektor Tedros sieht den Ausbruch noch lange nicht unter Kontrolle. - Bild: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa Dem Berliner Infektiologen Maximilian Gertler macht insbesondere die Zahl unentdeckter FÀlle und das Auftreten von Ebola in entlegenen Regionen Sorgen. (Archivbild) - Bild: Eva Krafczyk/dpa Neue Behandlungs- und Isolationszentren werden gebaut - doch zugleich nehmen die FÀlle rapide zu. (Archivbild) - Bild: Moses Sawasawa/AP/dpa

Mehr als 5.000 KrankheitsfĂ€lle und ĂŒber 2.500 Tote in rund 100 Tagen - das ist die aktuelle Bilanz des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo. Fragen und Antworten zur Epidemie:

Wie entwickeln sich die Fallzahlen?

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus findet klare Worte: «Die Epidemie ist noch lange nicht unter Kontrolle. Dies ist nun der zweitgrĂ¶ĂŸte jemals verzeichnete Ebola-Ausbruch, und er breitet sich schneller aus als jeder vorherige.» 

In der 13. Woche seit Bekanntgabe des Ausbruchs war die Zahl der bestĂ€tigten FĂ€lle fast zehnmal grĂ¶ĂŸer als beim bislang schwersten Ausbruch in Westafrika in den Jahren 2014 und 2015 in diesem Zeitraum. Die Zahl der TodesfĂ€lle war damit mehr als siebenmal so hoch wie in der 13. Woche des damaligen Ausbruchs, bei dem insgesamt mehr als 11.000 Menschen starben. 

«Es gibt weiterhin eine große Dunkelziffer», betont Maximilian Gertler, Tropenmediziner an der Berliner CharitĂ©, der fĂŒr die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wĂ€hrend des großen Ebola-Ausbruchs in Westafrika im Einsatz war und auch im Kongo fĂŒr die Organisation arbeitete. «Man muss davon ausgehen, dass viele FĂ€lle und auch TodesfĂ€lle gar nicht registriert werden.»

«Wir sehen allein seit Bekanntwerden des Ausbruchs weit ĂŒber 2.000 TodesfĂ€lle», sagt Gertler. «Im Vergleichszeitraum wĂ€hrend der großen Epidemie in Westafrika waren es etwa 300 TodesfĂ€lle. Die allermeisten neuen FĂ€lle waren vorher nicht als KontaktfĂ€lle registriert, wir sehen also weiterhin nicht das ganze Geschehen.»

«Solange nicht jede Kette gefunden und unterbrochen ist, wird die Epidemie andauern», betonte Tedros in einem Bericht zur Ebola-Lage.

Ebola-Fieber ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit KörperflĂŒssigkeiten ĂŒbertragen und löst ein hochansteckendes Fieber mit Durchfall und Blutungen aus. 

Wann begann der Ausbruch wirklich?

Der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo wurde Mitte Mai offiziell bekanntgegeben. Angesichts der bereits damals hohen Fallzahlen gingen Experten aber schon zu dem Zeitpunkt davon aus, dass die hochansteckende Infektionskrankheit bereits seit lÀngerer Zeit im Umlauf war. «Der Ausbruch wurde sicherlich sehr spÀt bemerkt und lÀuft wohl mindestens seit Anfang des Jahres», schÀtzt Gertler.

Warum wurde der Ausbruch so spÀt bemerkt?

«Das Perfide an Ebola ist, dass es in der frĂŒhen Phase keine besonders spezifischen Symptome gibt», so Gertler. Die Patientinnen und Patienten haben Fieber, ein allgemeines KrankheitsgefĂŒhl, Ganzkörper- und Kopfschmerzen, Ă€hnlich wie bei grippalen Infekten oder einer Malaria. Wenn medizinische FachkrĂ€fte dann keinen Zugang zu adĂ€quater Labordiagnostik haben und Erkrankte die ohnehin schwachen Gesundheitseinrichtungen aus Angst nicht aufsuchen, ist es schwer bis unmöglich, die Krankheit sofort zu erkennen. 

Welche Gebiete sind von Ebola betroffen?

Bei der Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs war zunĂ€chst nur die Provinz Ituri im Nordosten des Kongo betroffen - inzwischen ist das Fieber in sechs Provinzen des zentralafrikanischen Landes aufgetreten, das von der FlĂ€che das zweitgrĂ¶ĂŸte Land Afrikas ist.

«Die aktuelle Herausforderung ist, dass wir immer mehr FĂ€lle und TodesfĂ€lle in entlegenen Regionen sehen», sagt Gertler. Das seien Gebiete, die dĂŒnner besiedelt, schlecht zu erreichen und meist sehr unsicher sind. Die Hilfe kommt nur schwer vor Ort - das gilt fĂŒr Tests, Isolierung, Behandlung und AufklĂ€rungsarbeit. 

Wie funktioniert die BekÀmpfung des Ausbruchs?

In grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten wie etwa Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri, konnten recht schnell Behandlungs- und LaborkapazitĂ€ten ausgebaut werden. Allein Ärzte ohne Grenzen betreibt insgesamt sieben Behandlungszentren und zahlreiche Isolierstationen in Ituri, Nord-Kivu und SĂŒd-Kivu sowie in der Provinz Tshopo, wo gerade ein neues Behandlungszentrum aufgebaut wird. Insgesamt sind das laut Gertler etwa 430 Betten sowie mehr als 1.400 Mitarbeitende in der Region. «Dort, wo wir Erkrankte behandeln können, das berichten mir die Kolleginnen und Kollegen von vor Ort immer wieder, wĂ€chst auch das Vertrauen der Bevölkerung», sagt der Mediziner. «Patienten kommen dann frĂŒher und wir erkennen mehr Kontaktpersonen.»

In den lĂ€ndlichen Regionen aber gebe es gravierende LĂŒcken und kaum Zugang zu rascher Diagnostik. «Die ist natĂŒrlich essenziell, um FĂ€lle tatsĂ€chlich zu erkennen, zu registrieren, adĂ€quat zu behandeln und auch um die NichtfĂ€lle sicher zu identifizieren», sagt Gertler. Insbesondere in lĂ€ndlichen Regionen mĂŒssten dringend mehr Isolierstationen eingerichtet werden.

Welche Probleme gibt es bei der BekÀmpfung der Epidemie?

Vor allem im Osten und Nordosten des Kongos gibt es zahlreiche bewaffnete Gruppen und bewaffnete Konflikte, die bereits seit Jahrzehnten andauern. Die Region ist von hoher Unsicherheit geprĂ€gt - das erschwert auch den Zugang fĂŒr Helfende. Hinzu kommen EinschrĂ€nkungen im Grenz- und Flugverkehr. «Sie verzögern die Ankunft von medizinischen GĂŒtern, humanitĂ€rer Hilfe und spezialisiertem Personal in sehr dramatischer Weise», sagt Gertler.

Jetzt steht zudem die nĂ€chste Regenzeit im Kongo bevor. In dieser Zeit kommt es ĂŒblicherweise zu einer erheblichen Zunahme von Infektionskrankheiten wie Malaria, Durchfallerkrankungen wie Cholera, aber auch Masern und Atemwegsinfektionen. Dies könnte die aktuelle Situation noch einmal massiv erschweren, weil allein durch Malaria massiv FieberfĂ€lle dazukommen, die diagnostisch abgegrenzt werden mĂŒssen von den Ebola-FĂ€llen.

Yap Boum, Direktor fĂŒr NotfalleinsĂ€tze bei der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC weist darauf hin, dass in der vergangenen Woche 97 Prozent der TodesfĂ€lle nicht in den Ebola-Behandlungszentren auftraten, sondern in Dorfgemeinschaften und Ortschaften, auch in KrankenhĂ€usern ohne Ebola-Isolierstation, wo sie hĂ€ufig nicht erkannt wurden. Denn der Bundibugyo-Erreger, der fĂŒr den aktuellen Ausbruch verantwortlich ist, zeige ein «milderes» Erscheinungsbild, so Boum. Viele Betroffene suchten daher nicht die Ebola-Behandlungszentren auf. SchĂ€tzungen zufolge wĂŒrden nur 30 bis 40 Prozent der FĂ€lle erkannt.

Hilft der Impfstoff Ervebo auch gegen den Bundibugyo-Erreger?

Die Internationale Koordinierungsgruppe fĂŒr Impfstoffbereitstellung (ICG) hat 70.000 Dosen des Impfstoffs Ervebo freigegeben. Der Stoff ist fĂŒr den Einsatz bei AusbrĂŒchen der Ebola-Viruskrankheit (frĂŒher Zaire-Ebolavirus genannt) zugelassen und empfohlen. Nach Angaben von Africa CDC sollen 20.000 Dosen fĂŒr eine klinische Phase-III-Studie zur Untersuchung der Wirkung des Impfstoffs auf das Bundibugyo-Virus sowie 50.000 Dosen fĂŒr medizinisches Fachpersonal und andere EinsatzkrĂ€fte eingesetzt werden.

Noch ist nicht bekannt, ob Ervebo Menschen vor dem Bundibugyo-Virus schĂŒtzt. Erste Labor- und Tierversuchsdaten deuten jedoch auf einen möglichen Schutz hin. Die klinische Studie soll wichtige neue Erkenntnisse liefern.

Droht eine Ausweitung in die Millionenstadt Kinshasa?

In der vergangenen Woche wurden Ebola-FĂ€lle in der Provinz Tshopo bekannt. Von der Provinzhauptstadt Kisangani fahren regelmĂ€ĂŸig Schiffe auf dem Kongo-Fluss in die Hauptstadt Kinshasa, in der etwa 17 Millionen Menschen leben. Ein Ebola-Ausbruch dort könnte die Lage drastisch verschlechtern. In der Vergangenheit kam es bereits wiederholt zu Cholera-AusbrĂŒchen, die durch Schiffsreisende eingeschleppt wurden. Noch hoffen die Ärzte im Kongo und darĂŒber hinaus, dass dies im Fall von Ebola nicht eintritt. Trainingsmaßnahmen sollen dennoch auf eine solche Möglichkeit vorbereiten.

Sorge auch in der Zentralafrikanischen Republik

Nach dem Auftreten zweier Ebola-FĂ€lle in einer Stadt in der grenznahen Provinz Bas-HuĂ©le bereitet sich auch die Zentralafrikanische Republik auf eine mögliche Ausbreitung von Ebola ĂŒber die Grenze hinaus vor, so Boum. Die Regierung habe bereits ein Labor fĂŒr Ebola-Testungen eingerichtet und arbeite nun am Aufbau eines Behandlungszentrums.

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