ECHO-Implantat, ETH

ECHO-Implantat: ETH Zürich reguliert Blutzucker bei Mäusen elektrisch

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei diabetischen Mäusen senkte ECHO den Blutzucker; Sicherheit und Wirksamkeit beim Menschen sind noch ungeklärt.
Nahaufnahme von porösem Grafitfilz mit Gold- und Platinpartikeln als Symbol für elektrochemische Forschung. Illustration mit AI erstellt.

In der biomedizinischen Forschung gewinnen zellfreie Technologien zur Blutzuckerregulierung an Bedeutung. Ein Forschungsteam der ETH Zürich unter Leitung von Professor Martin Fussenegger vom Departement Biosysteme in Basel stellte in einer am 22. Oktober 2026 im Fachjournal Science veröffentlichten Studie ein implantierbares elektrokatalytisches System namens ECHO vor.

Die Abkürzung steht für electrocatalytic closed-loop health optimization. Das Konzept basiert auf einem neuartigen Ansatz: Überschüssige Glukose wird im Körper rein elektrisch und ohne den Einsatz lebender Zellen oder biologischer Enzyme direkt in Glukonat umgewandelt.

Funktionsweise und technischer Aufbau

Das System setzt auf eine chemisch-physikalische Katalyse. Der Kern des Implantats besteht aus einem Grafitfilz, der nanometergroße Goldflocken sowie kleinere Platinpartikel in einer porösen Graphitmatrix kombiniert.

Die elektrochemische Reaktion wird bei einer Spannung von rund 0,7 Volt aktiviert. Nach Angaben der Forschenden weist das Material eine hohe Spezifität für Glukose auf und lässt andere Moleküle wie Fruktose, Mannose, Galaktose oder Xylose sowie Medikamente unbeeinflusst.

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Die Steuereinheit ist in einem 3D-gedruckten Gehäuse untergebracht und wird drahtlos bei einer Frequenz von 13,56 Megahertz mit Energie versorgt. Technisch ist ECHO als geschlossener Regelkreis konzipiert: Es empfängt Daten von einem kommerziellen kontinuierlichen Glukosesensor am Oberarm.

Über eine Bluetooth-Verbindung zu einem Smartphone oder einer Smartwatch schaltet sich das Implantat bei steigenden Werten automatisch ein und nach erfolgter Regulierung wieder ab. Bei Laborversuchen mit einem Flüssigkeitsvolumen von 5 Litern glukosehaltiger Nährlösung, was etwa der Blutmenge eines erwachsenen Menschen entspricht, zeigte sich das Potenzial zur Zuckerumwandlung im größeren Maßstab.

Ergebnisse aus den präklinischen Tierversuchen

Die therapeutische Wirksamkeit überprüfte das Team, an dem auch Forschende der Universität Lyon um Debasis Maity beteiligt waren, an übergewichtigen Mäusen mit Typ-2-Diabetes.

Nach Aktivierung des Implantats sank der Blutzuckerspiegel der Tiere innerhalb von 60 bis 90 Minuten auf Normalwerte. Über einen Zeitraum von zwei Wochen hielt die automatisierte Steuerung, die für zwölf Tage im Detail überprüft wurde, den Blutzucker zuverlässig im Zielbereich.

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Während einer sechswöchigen Behandlungsphase verzeichneten die Wissenschaftler neben einer verbesserten Glukoseregulation einen Gewichtsverlust von bis zu 10 Prozent sowie reduzierte Triglyceridwerte. Hypoglykämien traten im Beobachtungszeitraum nicht auf, und es entwickelte sich keine Ketoazidose.

Fussenegger betonte hierzu, dass die geringe elektrische Spannung keine thermischen oder elektrischen Gewebeschäden verursache. Ein Risiko für Unterzuckerungen bestehe prinzipiell nicht, da das körpereigene Insulin weiterhin regulär freigesetzt werde.

Expertenbewertung und offene Herausforderungen

Fachleute sehen in der Entwicklung einen beachtlichen Schritt, mahnen jedoch zur Vorsicht vor verfrühter Euphorie. Professor Michael Roden vom Deutschen Diabetes-Zentrum am Universitätsklinikum Düsseldorf bezeichnete das Prinzip und die Ergebnisse des sechswöchigen Versuchs gegenüber dem Science Media Center als effektiv und zog Parallelen zur Wirkungsweise etablierter SGLT-2-Inhibitoren.

Dr. Ambrish Mithal stufte die Veröffentlichung als wegweisende Arbeit ein. Gleichzeitig wiesen Mediziner wie Dr. Anoop Misra und Dr. Rajiv Kovil darauf hin, dass Fragen zur Langzeitsicherheit, potenziellen Auswirkungen auf die Nieren und der Übertragbarkeit auf den Menschen geklärt werden müssen.

Vor einem klinischen Einsatz stehen wesentliche Hürden: Das Implantat muss für Menschen deutlich verkleinert werden, zudem bleiben Aspekte wie Gewebeverträglichkeit, Infektionsrisiken, Steuerungsfehler und die langfristige Materialhaltbarkeit zu prüfen.

Angesichts globaler Zahlen der International Diabetes Federation, nach denen im Jahr 2025 fast 589 Millionen Erwachsene weltweit mit Diabetes lebten – darunter mehr als 89 Millionen in Indien –, markieren Systeme wie ECHO dennoch eine relevante Perspektive für künftige Medizintechnik.

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