EES-Chaos, Wartezeiten

EES-Chaos: Wartezeiten bis fĂŒnf Stunden, EU lehnt Aussetzung ab

Veröffentlicht am: 09.07.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU lehnt eine Aussetzung des biometrischen Grenzsystems ab, trotz massiver Staus an FlughÀfen. Neun LÀnder fordern mehr FlexibilitÀt.

EU hÀlt an EES fest: Staus und lange Wartezeiten trotz Kritik
Digitales Grenzkontrollterminal mit biometrischen Symbolen in belebter Flughafenhalle, das die Umsetzung des EU-Systems zeigt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Trotz massiver Staus und Wartezeiten von bis zu fĂŒnf Stunden lehnt die EU eine Suspendierung des Entry/Exit Systems (EES) ab. Die Behörden betonen: Das System laufe an den meisten GrenzĂŒbergĂ€ngen einwandfrei.

Hitzige Debatte im Sommerreiseverkehr

Seit Oktober 2025 mĂŒssen Nicht-EU-Reisende an den Außengrenzen FingerabdrĂŒcke und Gesichtsscans abgeben. Was als Sicherheitsgewinn gedacht war, sorgt in der Hauptreisezeit fĂŒr erhebliche Verstimmungen. Fluggesellschaften und mehrere Mitgliedstaaten fordern eine Aussetzung bis zum nĂ€chsten Sommer – vergeblich.

Die EU-Kommission und die Migrationsbehörden verweisen auf die Erfolgsbilanz: Rund 110 Millionen Reisen und 52 Millionen Reisende wurden bereits erfasst. Dabei identifizierte das System rund 1.000 Sicherheitsrisiken und verweigerte etwa 45.000 Besuchern die Einreise.

Wo der Schuh drĂŒckt

Doch die Zahlen allein trösten jene nicht, die in kilometerlangen Schlangen stehen. Die Behörden haben 20 „Problemzonen" identifiziert, an denen es zu erheblichen EngpĂ€ssen kommt. Dazu zĂ€hlen:

  • Paris-Charles de Gaulle
  • Amsterdam Schiphol
  • BrĂŒssel Airport
  • Teneriffa SĂŒd, Palma, MĂĄlaga
  • Mailand Bergamo

An diesen FlughĂ€fen ist der Durchsatz an den Grenzkontrollen um 50 bis 70 Prozent eingebrochen. Die Folge: verpasste AnschlussflĂŒge und technische Pannen, etwa wenn Scanner schlicht ausfallen.

Neun LÀnder fordern mehr FlexibilitÀt

Am 7. Juli schickten neun Staaten – darunter Frankreich, Deutschland, Italien und die Schweiz – einen gemeinsamen Brief nach BrĂŒssel. Sie verlangen eine VerlĂ€ngerung der Notfallregelung, die es Grenzbeamten erlaubt, die biometrische Erfassung fĂŒr sechs Stunden auszusetzen. Diese Ausnahmeregelung lĂ€uft am 6. September aus.

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EU-Sprecher Markus Lammert wĂŒrdigte zwar das Engagement der betroffenen LĂ€nder, ließ aber offen, ob die Frist verlĂ€ngert wird. Die Kommission macht fĂŒr die Staus weniger das EES verantwortlich als vielmehr Personalmangel und infrastrukturelle Defizite an den FlughĂ€fen.

Frontex im Einsatz

Um die akute Krise zu entschĂ€rfen, hat die EU 50 Frontex-Beamte nach BrĂŒssel und an andere ĂŒberlastete GrenzĂŒbergĂ€nge entsandt. Der Flughafen Rom-Fiumicino nutzt die temporĂ€re Aussetzungsoption fast tĂ€glich – angesichts von 11 Millionen Passagieren, die im Juni und Juli erwartet werden.

Briten drÀngen auf Pragmatismus

Auch außerhalb des Schengen-Raums sorgt das EES fĂŒr Unruhe. Der britische InnenstaatssekretĂ€r Alex Norris erklĂ€rte am 8. Juli im Unterhaus, die Regierung drĂ€nge Frankreich dazu, an den Kanaltunnel-ÜbergĂ€ngen Dover und St. Pancras den Verkehrsfluss ĂŒber die strikte Einhaltung der EES-Regeln zu stellen. Eine vollstĂ€ndige Aussetzung sei zwar nicht machbar, aber Pragmatismus in den Ferien unerlĂ€sslich.

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App-Start nur in zwei LĂ€ndern

Ein großes Problem: Die spezielle Vorab-Registrierungs-App, die den Prozess beschleunigen soll, lĂ€uft bisher nur in Schweden und Portugal. Branchenexperten des World Travel & Tourism Council warnen: Bleiben die Wartezeiten konstant ĂŒber drei Stunden, könnte ein Drittel der Reisenden fernbleiben – mit Milliardenverlusten fĂŒr die Tourismuswirtschaft.

ETIAS kommt spÀter

WĂ€hrend die EU am EES festhĂ€lt, verschiebt sich ein weiteres Digitalprojekt. Der European Travel Information and Authorisation System (ETIAS) – eine 20-Euro-VorabprĂŒfung fĂŒr visumfreie Reisende – wird wohl erst 2027 starten. Die zustĂ€ndige Agentur EU-Lisa rĂ€umte ein, dass ein Start 2026 nicht mehr realistisch sei. BrĂŒssel setzt offenbar darauf, erst das EES mit seinem 212 Millionen Euro teuren technischen Rahmen zu stabilisieren, bevor die nĂ€chste HĂŒrde kommt.

Bis dahin gilt: Airlines mĂŒssen nicht fĂŒr verpasste FlĂŒge haften, wenn die EES-Kontrollen die Ursache sind. Ein schwacher Trost fĂŒr gestrandete Urlauber.

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