Eierstockkrebs, Eileiterentfernung

Eierstockkrebs vorbeugen: Eileiterentfernung senkt Risiko um rund 60 Prozent

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tumorarten, Erkrankungsalter und Verwandtschaftsgrad bestimmen die RisikoeinschÀtzung; bei BRCA1 und BRCA2 gilt eine vorbeugende Operation als Standard.

Erbliches Krebsrisiko: Familiengeschichte lenkt Vorsorge und FrĂŒherkennung
Nahaufnahme einer Laborschale mit biologischen Strukturen auf einem weißen Untergrund. Illustration mit AI erstellt.

SchĂ€tzungsweise 5–10 von 100 Krebserkrankungen sind nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) erblich bedingt. Nicht jeder Tumor in der Verwandtschaft weist jedoch auf ein familiĂ€res Risiko hin. Die Medizin setzt zunehmend auf gezielte Risikobewertungen, um Betroffene rechtzeitig zu identifizieren und maßgeschneiderte Vorsorgestrategien anzubieten.

Warnsignale fĂŒr familiĂ€re Veranlagungen erkennen

Als mögliche Warnsignale fĂŒr ein erhöhtes erbliches Risiko gelten laut dem DKFZ unter anderem mehrere nahe Verwandte mit derselben Krebsart, Erkrankungen in jungem Alter oder das gemeinsame Auftreten bestimmter Diagnosen wie Brust- und Eierstockkrebs.

Erbliche GenverĂ€nderungen können dabei sowohl ĂŒber die mĂŒtterliche als auch ĂŒber die vĂ€terliche Familienseite weitergegeben werden. Gleichzeitig betont das DKFZ, dass eine erbliche Veranlagung nicht zwangslĂ€ufig dazu fĂŒhrt, dass tatsĂ€chlich Krebs entsteht.

Auch Ratgeber betonen, dass eine familiĂ€re Krebserkrankung nicht automatisch ein erhöhtes erbliches Risiko bedeutet. FĂŒr eine verlĂ€ssliche EinschĂ€tzung spielen die konkreten Tumorarten, die Zahl und der Verwandtschaftsgrad der Betroffenen sowie das jeweilige Erkrankungsalter eine entscheidende Rolle.

JĂŒngere Erkrankungsalter, mehrere Angehörige mit bestimmten Tumoren, das Auftreten mehrerer PrimĂ€rtumoren bei einer einzelnen Person oder wiederkehrende Tumormuster ĂŒber mehrere Generationen hinweg können Anlass fĂŒr eine genetische AbklĂ€rung sein.

Rolle genetischer Beratungen und FrĂŒherkennung

Gentests stellen nach EinschĂ€tzung von Experten keinen Routinetest fĂŒr jedermann dar. Die Indikation fĂŒr solche Untersuchungen richtet sich streng nach der persönlichen und familiĂ€ren Vorgeschichte. Bei entsprechendem Verdacht wird empfohlen, vor einem Test eine Ă€rztliche und gegebenenfalls genetische Beratung in Anspruch zu nehmen.

Anzeige

Viele Eierstocktumoren entstehen vermutlich in den Eileitern — eine schwedische Auswertung von mehr als 5 Mio. Frauen fand nach der Entfernung beider Eileiter ein um rund 60 % geringeres Eierstockkrebsrisiko. Unser kostenloser Ratgeber zeigt, wann eine familiĂ€re Vorgeschichte ein Warnsignal ist und welche Vorsorgewege zu Ihnen passen. Kostenlosen Ratgeber jetzt anfordern

Im Bereich der Vorsorge spricht sich Prof. Kerstin Rhiem vom DKFZ fĂŒr eine risikoadaptierte FrĂŒherkennung statt eines pauschalen Gießkannenprinzips aus. Dabei thematisiert sie unter anderem den Einsatz von 3D-Mammographie sowie digitalen Fragebögen, um familiĂ€re und genetische Risiken frĂŒhzeitiger zu erfassen.

Hintergrund dieser BemĂŒhungen ist auch die Reichweite der bisherigen Maßnahmen: Laut DKFZ erreicht die regulĂ€re Brustkrebs-FrĂŒherkennung bislang nur gut die HĂ€lfte der Frauen.

PrÀventive Optionen bei Eierstockkrebs

Neben FrĂŒherkennungsuntersuchungen existieren auch operative AnsĂ€tze zur Senkung von Krebsrisiken. Eine schwedische Auswertung von mehr als 5 Mio. Frauen, deren Operationen zwischen 1973 und 1996 stattfanden und die bis 2009 nachbeobachtet wurden, ergab nach der Entfernung beider Eileiter ein um rund 60 % geringeres Eierstockkrebsrisiko.

Eine Übersichtsarbeit von 2023 schĂ€tzte die Risikoreduktion nach einer Eileiterentfernung auf Basis von Modellrechnungen auf 80 %, wĂ€hrend klinische Daten die Reduktion auf rund 50 % bezifferten.

Anzeige

Nicht jede Krebserkrankung in der Familie bedeutet ein erhöhtes erbliches Risiko — entscheidend sind Tumorarten, Zahl und Verwandtschaftsgrad der Betroffenen sowie das Erkrankungsalter. Unser kostenloser Ratgeber hilft Ihnen, Ihre eigene Familiengeschichte richtig einzuordnen und den nĂ€chsten Schritt zu planen. Ratgeber zur RisikoeinschĂ€tzung sichern

Bei ohnehin geplanten gynĂ€kologischen oder abdominalen Eingriffen kann eine solche Eileiterentfernung erwogen werden. Der Eingriff verlĂ€ngert die Operationszeit meist um lediglich 5–15 Minuten.

FĂŒr sogenannte Hochrisikofrauen mit VerĂ€nderungen in den Genen BRCA1 oder BRCA2 bleibt die prophylaktische Entfernung von Eileitern und Eierstöcken weiterhin der empfohlene Standard. Das Lebenszeitrisiko fĂŒr Eierstockkrebs betrĂ€gt fĂŒr diesen Personenkreis laut zusammengefassten Daten 44 % bei BRCA1 und 17 % bei BRCA2.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70178329 |