Einbeinstand im Alter: Unter zehn Sekunden fast doppelt so hohes Sterberisiko
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmäßige Bewegung, soziale Teilhabe und geistige Aktivität bilden nach Einschätzung von Fachleuten das Fundament, um die persönliche Selbstständigkeit bis ins hohe Alter zu bewahren. Das primäre Ziel der Geriatrie liegt dabei nicht in einer unbegrenzten Ausdehnung der Lebensdauer, sondern in der Verlängerung der gesunden Lebensspanne. Zahlreiche Untersuchungen verdeutlichen, wie eng Alltagsgewohnheiten und funktionale Fähigkeiten im Alter miteinander verknüpft sind.
Bewegung und funktionale Fitness als Basis
Fachleute weisen darauf hin, dass gezieltes körperliches Training und alltägliche Aktivitäten einander ergänzen müssen. Angehörige sollten ältere Menschen dabei unterstützen, alltägliche Aufgaben eigenständig zu bewältigen, und nur dort helfend eingreifen, wo Fähigkeiten tatsächlich verloren gegangen sind.
Die Wirksamkeit gezielter Bewegungsprogramme belegt unter anderem die LIFE-Studie, an der über 1.600 körperlich eingeschränkte und zuvor wenig aktive Menschen im Alter von 70 bis 89 Jahren teilnahmen. Strukturierte Einheiten konnten die Selbstständigkeit der Probanden erhalten und bei etwa jedem 19. Teilnehmenden den vollständigen Verlust der Gehfähigkeit abwenden.
Auch epidemiologische Daten unterstreichen den Nutzen von Aktivität: In einer Kohortenstudie auf Basis der UK-Biobank mit 17.088 Erwachsenen und einem Durchschnittsalter von 57,4 Jahren zeigte sich bei 150 Minuten moderater bis intensiver Aktivität pro Woche eine relative Risikoreduktion für kardiovaskuläre Ereignisse von etwa 8 bis 9 Prozent gegenüber Inaktivität.
Ein wöchentliches Pensum von 340 bis 370 Minuten ging mit einem um 20 Prozent niedrigeren Risiko einher, während 560 bis 610 Minuten rund 30 Prozent Risikoreduktion brachten.
Ein einfacher Indikator für den Erhalt von Gleichgewicht und Kraft ist der sogenannte Einbeinstand. Wer im Alter zwischen 50 und 60 Jahren keine zehn Sekunden auf einem Bein stehen kann, trägt in den darauffolgenden zehn Jahren ein fast doppelt so hohes Sterberisiko.
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Als orientierende Richtwerte gelten 40 Sekunden für die Altersgruppe zwischen 50 und 59 Jahren, 35 Sekunden für 60- bis 69-Jährige, 20 Sekunden für 70- bis 79-Jährige sowie fünf Sekunden für Menschen ab 80 Jahren.
Geistige Fitness und Schutz vor sozialer Isolation
Neben der Motorik entscheidet das soziale Umfeld maßgeblich über den Erhalt kognitiver Fähigkeiten. Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Überblicksstudie mit 57.793 älteren Teilnehmenden aus 24 Ländern zeigte, dass sozial aktive Menschen deutlich höhere kognitive Leistungswerte erzielten als inaktive Personen.
Der positive Effekt verstärkte sich bei der Beteiligung an drei oder mehr Gruppen pro Jahr. Insbesondere ehrenamtliche Tätigkeiten und das Engagement in Sportvereinen erwiesen sich als wirksam, während religiöse und politische Vereinigungen keinen durchgängigen Zusammenhang erkennen ließen.
Soziale Isolation bringt hingegen erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich. Demnach steigen bei Betroffenen die Risiken für einen Herzinfarkt um 29 Prozent und für einen Schlaganfall um 32 Prozent. Fehlende Reize können zudem das Demenzrisiko erhöhen und voranschreitende Erkrankungen beschleunigen.
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Skepsis gegenüber vermeintlichen Verjüngungsmitteln
Im Gegensatz zu Lebensstilmaßnahmen wie ausgewogener Ernährung, Rauchverzicht und Ausdauertraining fehlt es für viele populäre Langlebigkeitspräparate an wissenschaftlicher Evidenz. Fachmediziner betonen, dass Altern keine Krankheit sei und für experimentelle Peptide oder Vitamine kein belastbarer Nachweis einer lebensverlängernden Wirkung beim Menschen vorliege.
Auch für Substanzen wie Rapamycin, NAD-Präparate oder Metformin existieren bislang keine gesicherten Humanbelege für ein verlängertes Leben. In Studien baute sich unter Metformin während des Krafttrainings bei älteren Erwachsenen sogar weniger Muskelmasse auf als unter Placebo.
Während Nahrungsergänzungen mit Kreatinmonohydrat in Kombination mit Krafttraining die Muskelkraft moderat steigern können, bleibt ein gesunder Lebensstil mit kontinuierlicher körperlicher und sozialer Aktivität die maßgebliche Säule der Prävention.
