Eine Million Picks am Tag: Audi testet humanoide Roboter in der Logistik
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Automobilhersteller Audi hat gemeinsam mit Agile Robots, Dassault Systèmes und NVIDIA ein Proof-of-Concept-Projekt für den Einsatz humanoider Roboter präsentiert. Auf der Fachkonferenz NVIDIA GTC Berlin stellten die beteiligten Unternehmen die Initiative vor, bei der mobile humanoide Systeme von Agile Robots im Audi Production Lab in Ingolstadt für die Sequenzierung von Bauteilen erprobt werden.
Virtuelle Vorbereitung und flexible Integration
Die Logistik im Werk Ingolstadt bewältigt im bestehenden Workflow eine Materialversorgung von rund einer Million Picks am Tag. Um den Einsatz autonomer Systeme in diesem Umfeld abzusichern, setzten Dassault Systèmes und NVIDIA auf eine digitale Simulation: Über einen virtuellen Zwilling auf Basis von DELMIA/3DEXPERIENCE und NVIDIA Omniverse wurden Machbarkeit, Timing, Ergonomie sowie Sicherheitsaspekte vor dem physischen Betrieb überprüft.
Das Robotikunternehmen Agile Robots setzt bei dem Projekt auf einen KI-Assistenten namens Leo, der die Entwicklungszeiten von Monaten auf Tage reduzieren soll. Die eingesetzten Roboter arbeiten auf Menschenhöhe und lassen sich ohne bauliche Umrüstungen in bestehende Anlagen integrieren.
Das System nutzt Dual-Arm-Manipulation sowie eine KI-gestützte Wahrnehmung, um auch unsortierte Teile aus Behältern greifen zu können. Nach Unternehmensangaben hat der Hersteller bislang mehr als 20.000 humanoide Roboter, Sechsachser und autonome mobile Roboter (AMR) ausgeliefert.
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Am 21. Oktober 2026 hatte Agile Robots auf der Konferenz zudem den Forschungshumanoiden Agile ONE SN präsentiert. Das Modell ist 1,4 Meter groß, wiegt 43 Kilogramm, verfügt über 71 Freiheitsgrade und zwei fünffingrige WUJI-Hände mit taktiler Sensorik.
Angetrieben von einem NVIDIA-Jetson-Thor-Rechner und dem Modell GR00T-1.7, ist der Verkaufsstart für Anfang 2027 angesetzt. Die im Ingolstädter Logistik-Pilotversuch erprobte Technologie soll später auf die industrielle Variante des Agile ONE übertragen werden.
Serienreife als Fernziel
Das im Oktober 2026 gestartete Testprojekt dient Audi zur grundlegenden Erprobung im Produktionsumfeld. Am 28. Oktober 2026 nannte der Hersteller noch keine quantifizierten Leistungsergebnisse oder einen festen Zeitplan für einen werksweiten Rollout; das langfristige Ziel bleibe jedoch der Übergang in die Serienfertigung.
Audi steht mit der Erprobung humanoider Helfer in der europäischen Automobilbranche nicht allein. Der Wettbewerber BMW treibt im Werk Landshut die Softwareentwicklung für KI-gestützte Humanoide in der Komponentenfertigung voran.
Dort wird auf offene Plattformen, Simulation und Demonstration-Learning gesetzt, bei dem menschliche Bewegungen über Kameras, Sensoranzüge und Datenhandschuhe erfasst und in Handlungsrichtlinien für die Roboter umgewandelt werden. Neue Abläufe werden zunächst außerhalb des regulären Betriebs geprüft, bevor eine gestaffelte Skalierung folgt.
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BMW ergänzt damit Erprobungen in Leipzig, wo im Sommer 2026 eine Pilotphase in der Montage und Batteriefertigung geplant war und weitere Tests im Jahresverlauf das Pilotprojekt AEON vorbereiten sollen. Bei früheren Tests im US-Werk Spartanburg absolvierte das Modell Figure 02 über zehn Monate rund 1.250 Betriebsstunden bei Einsätzen an über 30.000 Fahrzeugen.
Zunehmende Erprobungen in der Zulieferindustrie
Auch Zulieferer investieren in die Technologie. Schaeffler schloss Verträge über mehr als 1.000 Einheiten ab und plant europäische Einsätze, unter anderem am Standort Herzogenaurach, ab Ende 2026. Bosch bereitet für August 2027 die Serienproduktion des Rad-Humanoiden HMND 01 in Bühl vor, nachdem im März 2026 ein Logistik-Versuch vorausging.
Weitere Fertigungskapazitäten entstehen bei der Mint Group und AgiBot im serbischen Šabac, wo ab 2026 jährlich mehr als 3.000 Einheiten produziert werden sollen, während Generative Bionics für das vierte Quartal 2027 ein Rechenzentrum in Ligurien plant.
Die Anschaffungskosten für humanoide Systeme bewegen sich laut Marktberichten derzeit meist im sechsstelligen Bereich, während chinesische Einstiegsmodelle ab etwa 50.000 Euro erhältlich sind.
