Einsamkeit: 45 Prozent zeigten nach vier Wochen klinisch relevante Besserung
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deEinsamkeit stellt ein wachsendes Problem fĂŒr die öffentliche Gesundheit dar, das Personen aller Altersgruppen betrifft. Digitale Interventionen rĂŒcken daher zunehmend in den Fokus prĂ€ventiver AnsĂ€tze.
Wie eine am 22. Oktober 2026 im peer-reviewten Fachjournal JMIR Human Factors veröffentlichte Pilotstudie der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin zeigt, können strukturierte digitale Angebote messbare Erleichterung schaffen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die PrĂ€ventions-App platoniq, die darauf ausgelegt ist, soziale Isolation und EinsamkeitsgefĂŒhle gezielt zu verringern.
Studiendesign und Nutzungsprofil
An der wissenschaftlichen Untersuchung der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin nahmen insgesamt 72 Erwachsene teil. Als Voraussetzung fĂŒr die Teilnahme galt eine mindestens leichte bis mĂ€Ăige Einsamkeitsbelastung. AuffĂ€llig war die Altersstruktur der Kohorte: Die HĂ€lfte der Probanden war 35 Jahre oder jĂŒnger, was verdeutlicht, dass das Thema keineswegs auf Ă€ltere Generationen beschrĂ€nkt ist.
Die Probanden nutzten die Anwendung ĂŒber den Untersuchungszeitraum hinweg im Schnitt rund 21 Minuten pro Woche. Ziel war es herauszufinden, ob ein solch zeitlich niederschwelliger Einsatz im Alltag bereits ausreicht, um das subjektive Empfinden der Verbundenheit positiv zu beeinflussen.
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Deutliche Effekte auf Einsamkeit und soziale Kompetenzen
Die Auswertung der Daten ergab nach vier Wochen Nutzungsdauer einen deutlichen RĂŒckgang der Einsamkeitsbelastung, den die Forscher als mittleren bis groĂen statistischen Effekt einstuften.
Drei von vier Teilnehmenden gaben an, nach diesem Zeitraum weniger Einsamkeit zu empfinden. Bei 45 Prozent der Beteiligten lag eine klinisch bedeutsame VerÀnderung vor. Eine Nachbeobachtung nach acht Wochen belegte zudem, dass dieser positive Effekt stabil blieb.
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Neben dem RĂŒckgang der Einsamkeitswerte verbesserten sich auch die sozialen Kompetenzen sowie die wahrgenommene soziale UnterstĂŒtzung der Teilnehmenden. Hingegen zeigte sich beim allgemeinen Stresserleben keine signifikante VerĂ€nderung. Die Ergebnisse legen damit nahe, dass die App spezifisch auf Aspekte sozialer Beziehungen und Isolation wirkt, anstatt ein allgemeines Stressmanagement darzustellen.
Einordnung im System der PrÀvention
Im deutschen Gesundheitssystem nimmt die Anwendung eine Sonderstellung ein: platoniq ist seit Juni 2026 von der Zentralen PrĂŒfstelle PrĂ€vention als PrĂ€ventionskurs nach § 20 SGB V zertifiziert. Nach vorliegenden Angaben handelt es sich dabei um das einzige zertifizierte Angebot im PrĂ€ventionsbereich, das Einsamkeit gezielt adressiert.
Aufgrund dieser Zertifizierung ĂŒbernehmen gesetzliche Krankenkassen den GroĂteil der anfallenden Kosten fĂŒr die Versicherten. Die nun publizierten Daten liefern eine methodisch ĂŒberprĂŒfte Grundlage fĂŒr das Programm, das als digitaler PrĂ€ventionsansatz auf VerhaltensĂ€nderung und soziale Vernetzung im Alltag abzielt.
