Einsamkeit, Rentner

Einsamkeit im Alter: 80.000 bis 150.000 Rentner stark betroffen

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen: Hobbys, soziale Kontakte und feste Routinen fördern das Wohlbefinden im Alter, während Einsamkeit und Müdigkeit Risiken bleiben.

Ruhestand und mentale Gesundheit: Was im Alltag wirklich hilft
Ein sonniger, friedlicher Garten mit einer Holzbank und Gartengeräten auf einem Steintisch als Symbol für Ruhe und Beschäftigung im Alter. Illustration mit AI erstellt.

Der Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand gilt vielfach als ersehnte Phase der Entlastung. Gleichzeitig belegen wissenschaftliche Erhebungen und Fachbeiträge, dass dieser Lebensabschnitt neue psychische Herausforderungen mit sich bringt. Um die mentale Gesundheit im Alter langfristig zu sichern, rücken gezielte Bewältigungsstrategien, Alltagsstrukturen und Präventionsansätze zunehmend in den Fokus.

Psychologische Anpassung und Phänomene des Übergangs

Der Harvard-Psychologe Tal Ben-Shahar beschreibt in diesem Zusammenhang die sogenannte «Arrival fallacy»: Das Gefühl der Erleichterung nach dem Renteneintritt verfliegt häufig bereits innerhalb weniger Monate.

Ergänzend verweist die Psychologin Sonja Lyubomirsky auf das Prinzip der hedonischen Adaptation, bei dem Individuen nach einschneidenden Ereignissen schrittweise zu ihrem ursprünglichen Ausgangsniveau des Wohlbefindens zurückkehren. Daten der RAND Corporation verdeutlichen zudem, dass die Lebenszufriedenheit bei vielen Menschen um das 70. Lebensjahr herum absinkt.

Fachleute empfehlen vor diesem Hintergrund, den Fokus auf kleine, gegenwartsbezogene Handlungen zu richten, anstatt auf den nächsten Meilenstein zu warten. Die besten Werte bei der Zufriedenheit erzielen Ruheständler, die über verlässliche Sinnquellen und regelmäßige, selbst gewählte soziale Beziehungen verfügen.

Präventiver Nutzen von Hobbys und Betätigung

Eine systematische Übersichtsarbeit verknüpft Hobbys mit einem geringeren Auftreten von Stress, Angst- und Depressionssymptomen sowie einem gesteigerten Wohlbefinden. Eine internationale Studie an über 93.000 Personen ab 65 Jahren bestätigt diesen Zusammenhang: Eine regelmäßige Beschäftigung korreliert mit höherer Lebenszufriedenheit, mehr Glück und weniger depressiven Symptomen.

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Der Psychiater Javier Quintero unterteilt Hobbys mit Blick auf die mentale Gesundheit in fünf funktionale Bereiche:
- Bewegung
- Kreativität
- Ruhe
- Soziale Kontakte
- Neugier

Dabei kann eine einzelne Aktivität mehrere Funktionen gleichzeitig abdecken. Untersuchungen zum betätigungsbezogenen Wohlbefinden an der SRH Fernhochschule durch Simone Gritsch zeigen überdies, dass Faktoren wie Gemeinschaft, Bewegung, Freude und eine selbstbestimmte Lebensführung entscheidend sind.

Während bei Bewohnern von Altenheimen vor allem die körperliche Aktivierung und der soziale Austausch im Mittelpunkt stehen, gewinnen im eigenen Haushalt Selbstfürsorge und Genuss an Bedeutung.

Soziale Isolation und strukturelle Hilfen

Einsamkeit stellt ein erhebliches Risiko für die mentale Stabilität im Ruhestand dar. Nach Ergebnissen einer schweizerischen Gesundheitsbefragung stufen sich zwischen 80.000 und 150.000 Menschen über 65 Jahren als einsam ein.

Um betroffene Personen frühzeitig zu erfassen, entwickelt die Hochschule Luzern gemeinsam mit der Berner Fachhochschule sowie den Universitäten Luzern und Zürich ein Screening-Toolkit, das sich derzeit in einer Pilotphase befindet. Ergänzend setzt das Projekt «Connect!

Gemeinsam weniger einsam» auf die Unterstützung von 800 Fachpersonen. Freiwilligenarbeit im Alter zwischen 65 und 80 Jahren bietet laut Fachberichten eine wirksame Möglichkeit, neue Aufgaben zu übernehmen, wenngleich es kein einheitliches Standardrezept für gesundes Altern gibt.

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Anhaltende Erschöpfung und regenerative Ansätze

Müdigkeit im Alter ist nicht zwangsläufig rein altersbedingt. Hält eine Erschöpfung trotz ausreichenden Schlafs über mehrere Wochen an, nennt die DEGAM-S3-Leitlinie biologische, seelische und soziale Ursachen. In hausärztlichen Praxen klagen je nach Untersuchung zwischen 20 und 25 Prozent der Patienten über ausgeprägte Tagesmüdigkeit.

Eine systematische Übersicht im Deutschen Ärzteblatt weist darauf hin, dass bei primär ungeklärter Müdigkeit in etwa 18,5 Prozent der Fälle Depressionen vorliegen, während Blutarmut zu rund 2,8 Prozent und bösartige Erkrankungen zu etwa 0,6 Prozent ursächlich sind. Als medizinische Basisdiagnostik gelten daher Blutglukose, Blutbild, BSG/CRP, Leberwerte und TSH.

Als regenerative Maßnahme gewinnt unter anderem das aus Japan stammende Waldbaden (Shinrin Yoku) an Bedeutung. Entsprechende Übungen können bereits nach 20 Minuten Stresshormone senken, den Ruhenerv aktivieren sowie Blutdruck und Blutzucker regulieren.

Zudem stärken die von Bäumen abgegebenen Terpene das Immunsystem. Kursformate mit Achtsamkeitsübungen dauern in der Regel zwei bis zweieinhalb Stunden in Kleingruppen von bis zu acht Personen und werden auch für Menschen mit Demenz sowie deren pflegende Angehörige angeboten.

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