Einsamkeit: NaturaktivitÀten senken Werte nach einem Jahr um bis zu 17 Prozent
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, dass sowohl die bloĂe physische NĂ€he zu anderen Menschen als auch gezielte AktivitĂ€ten in der Natur dazu beitragen können, EinsamkeitsgefĂŒhle zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Mehrere Erhebungen und Modellprojekte analysieren, welche Mechanismen im Alltag und im stĂ€dtischen Raum die psychische Gesundheit stabilisieren.
Soziale PrÀsenz im öffentlichen Raum
Eine Untersuchung der Soziologinnen Alyssa Goldman und Sara Moorman vom Boston College, die im Fachblatt Socius erschien, widmete sich den Effekten alltÀglicher Umgebungen.
Auf Basis von Smartphone-Befragungen, die mehrmals tĂ€glich bei 352 Senioren aus Chicago mit einem Durchschnittsalter von knapp 74 Jahren durchgefĂŒhrt wurden, zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang: Bereits die bloĂe PrĂ€senz anderer Personen ohne direkte Interaktion ging mit einer besseren Stimmung einher.
Dieser Effekt trat etwa bei Besuchen von Konzerten, in Einkaufszentren oder auf ParkbĂ€nken auf. Auch verbrachte Zeit in Gesellschaft war mit besserer Laune verbunden. Wie die Autorinnen anmerkten, lĂ€sst sich die Kausalrichtung jedoch nicht abschlieĂend bestimmen, da gut gelaunte Personen möglicherweise eher geneigt sind, das Haus zu verlassen.
Den Wert geteilter RĂ€ume betonen auch weitere Fachleute. Sergi Valera von der UniversitĂ€t Barcelona legte dar, dass öffentliche RĂ€ume sogenannte schwache Bindungen sowie das GemeinschaftsgefĂŒhl gezielt fördern.
Naturbasierte Verschreibungen gegen Einsamkeit
Das EU-finanzierte RECETAS-Konsortium untersuchte unter der Leitung von ISGlobal und der Fundación la Caixa, inwiefern naturbasierte soziale Verschreibungen Einsamkeit in sozioökonomisch benachteiligten Stadtgebieten von Barcelona lindern können.
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In der im Journal The Lancet Regional Health - Europe publizierten Untersuchung sank die Einsamkeit bei allen Teilnehmenden nach drei Monaten um durchschnittlich 10,5 Prozent und nach einem Jahr um 16,8 Prozent.
Nach drei Monaten bestanden zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede. An der Studie nahmen 320 Erwachsene ab 18 Jahren aus zwölf benachteiligten Vierteln Barcelonas teil; das mediane Alter lag bei circa 63 Jahren, der Frauenanteil betrug 80 Prozent.
Im Rahmen des Programms namens FiN nahmen Teilnehmende an zweistĂŒndigen Gruppensitzungen ĂŒber neun Wochen mit Facilitatoren teil, wĂ€hrend die Kontrollgruppe ein 30-minĂŒtiges MotivationsgesprĂ€ch und Informationsmaterial ĂŒber Naturangebote erhielt. Personen mit anfĂ€nglich höherer Einsamkeit und schlechterem emotionalen Wohlbefinden profitierten dabei stĂ€rker von den Gruppen.
ErgÀnzende randomisierte kontrollierte Studien des RECETAS-Projekts in Barcelona, Prag und Helsinki belegten, dass klinisch verordnete naturbasierte AktivitÀten wie GÀrtnern, Wandern und Vogelbeobachtung die Einsamkeitswerte nach einem Jahr um bis zu 17 Prozent senkten.
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Eine Studie im finnischen Helsinki mit fragilen Senioren in Pflegeheimen verzeichnete dabei noch stÀrkere Effekte. In Spanien, wo rund 20 Prozent der Bevölkerung und in Barcelona schÀtzungsweise 100.000 Personen Einsamkeit angeben, gilt die naturbasierte soziale Verschreibung inzwischen als Best Practice.
Infrastruktur und Anforderungen an GrĂŒnflĂ€chen
Die Wirksamkeit von GrĂŒnrĂ€umen hĂ€ngt von konkreten Rahmenbedingungen ab. Die Psychologin Silvia Collado von der UniversitĂ€t Zaragoza hob hervor, dass bereits ein 20-minĂŒtiger Spaziergang oder das Sitzen im Park Stress senken könne.
Die reine NĂ€he zu Parks garantiere jedoch keine psychologischen Vorteile; entscheidend seien HĂ€ufigkeit und tatsĂ€chliche AktivitĂ€t. Der Forscher Mikel Subiza-PĂ©rez vom Forschungszentrum BC3 verwies ergĂ€nzend darauf, dass GrĂŒnflĂ€chen ĂŒber eine angemessene Ausstattung mit BĂ€nken, Toiletten und SchattenplĂ€tzen verfĂŒgen mĂŒssen, um ihren Zweck zu erfĂŒllen.
Die Bedeutung des Umfelds unterstreicht auch das Buch Eenzaamheid en de buurt der Autorin Leen Heylen von der Organisation Opgroeien. Das Werk bĂŒndelt Erkenntnisse aus vier Jahren wissenschaftlicher Forschung und analysiert die Rolle von Begegnungsorten, GrĂŒnanlagen und sozialen Dynamiken bei der BewĂ€ltigung von Einsamkeit.
