Einzelhandel in Krise: 65.000 Läden verschwunden seit 2010
01.06.2026 - 00:00:22 | boerse-global.deWährend ikonische Streetwear-Labels ihre Läden schließen oder Insolvenz anmelden, verschwinden inhabergeführte Geschäfte in Deutschland massenhaft. Große Handelsgruppen reagieren mit Führungswechseln.
Abschied von der Fairfax Avenue
Das Streetwear-Label The Hundreds hat seinen Flagship-Store in Los Angeles aufgegeben. Am 25. Mai 2026 schloss das Geschäft auf der berühmten Fairfax Avenue endgültig seine Türen. Der Laden war seit 2007 eine Institution – eine der letzten ursprünglichen Marken an diesem Standort.
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Die Gründer Bobby Kim und Ben Shenassafar setzen künftig voll auf Online-Handel und globale Einzelhandelspartner. Ein harter Schnitt, der zeigt: Selbst etablierte Namen haben es im stationären Geschäft schwer.
Trapstar vor dem Aus
Noch dramatischer ist die Lage beim Londoner Label Trapstar. Am 29. Mai 2026 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die Verwalter von Interpath Advisory sollen den Verkauf steuern. Interessenten gibt es bereits: Die Frasers Group und Footasylum gelten als potenzielle Käufer.
Die wirtschaftliche Talfahrt ist atemberaubend. 2022 setzte Trapstar noch fast 40 Millionen Pfund um, 2024 waren es nur noch 17,7 Millionen. Der Gewinn vor Steuern stürzte von 7,4 Millionen auf 1,2 Millionen Pfund ab.
65.000 Läden verschwunden
Diese Einzelfälle sind nur die Spitze eines Eisbergs. Eine Analyse von Creditreform und dem Handelsblatt Research Institute zeigt das wahre Ausmaß: Zwischen 2010 und 2025 sank die Zahl inhabergeführter Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland von 236.000 auf 171.000. Ein Minus von 28 Prozent – rund 65.000 Läden sind verschwunden.
Die Gewinner sind die Großen. Die Zahl der Großhändler mit über 25 Millionen Euro Jahresumsatz hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt. 2025 verzeichnete die Branche 2.440 Insolvenzen, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2026 erwarten Experten weitere 4.900 Schließungen.
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Quiz räumt die Regale
Auch der britische Modehändler Quiz ist Geschichte. Im Frühjahr 2026 meldete das Unternehmen zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz an. Für die verbleibenden 37 Filialen läuft der Räumungsverkauf. Bis Ende Juni sollen alle Standorte geschlossen sein.
Neue Köpfe für alte Häuser
Während kleine Läden sterben, rüsten sich die Großen mit neuer Führung. Bei Peek & Cloppenburg übernahm Stefano Della Valle die Posten des Verwaltungsratspräsidenten und CEO der Muttergesellschaft JC Switzerland Holding AG. Patrick und Catharina Cloppenburg sowie David Sidney Barst schieden aus dem Verwaltungsrat aus. Neu dabei sind unter anderem Ernst-Albrecht von Hake und Laura Greimel.
Vom Kaufhaus zum Stadtplatz
Was passiert mit den leerstehenden Flächen? In Celle hat die Stadtverwaltung eine klare Idee: Das seit drei Jahren verwaiste Karstadt-Gebäude soll abgerissen werden. Eigentümer Demire AG ist bereit, die Immobilie für einen symbolischen Euro zu überlassen. Entstehen soll ein grüner Platz mit Randbebauung. Der Rat entscheidet im Oktober 2026.
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