Eiweiß, Nieren

Eiweiß und Nieren: Warum dauerhaft zu viel Protein riskant sein kann

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 02:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Eiweißbedarf hängt von Gesundheit und Aktivität ab; dauerhaft zu hohe Mengen können besonders bei Vorerkrankungen die Nieren belasten.
Nahaufnahme von natürlichen Proteinquellen wie Linsen, Kichererbsen und Mandeln auf einer Steinoberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Eiweißaufnahme steht im Zentrum zahlreicher Fitnesstrends und Ernährungskonzepte. Doch während Proteinprodukte boomen, verweisen Fachleute und medizinische Fachgesellschaften zunehmend auf die Notwendigkeit einer individuellen Bedarfsermittlung und warnen vor gesundheitlichen Folgen, die eine dauerhafte Überversorgung insbesondere für die Nierenfunktion mit sich bringen kann.

Empfehlungen zur täglichen Proteinzufuhr im Vergleich

Die grundlegenden Leitlinien weisen für gesunde Erwachsene moderate Richtwerte aus. So nennt der britische National Health Service (NHS) ebenso wie die British Heart Foundation und die British Dietetic Association eine täglich Zufuhr von 0,75 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht.

Für Frauen entspricht dies durchschnittlich 45 Gramm, für Männer 55 Gramm am Tag. Die europäische Referenzaufnahme liegt bei 0,83 Gramm pro Kilogramm, was bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm etwa 58 Gramm täglich ausmacht.

Chinesische Klinikangaben empfehlen gesunden Erwachsenen 0,8 bis 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und für Fitnesssportler 1,2 bis 1,6 Gramm. Auch internationale Experten sehen bei intensiver sportlicher Betätigung einen höheren Spielraum: Während der Forscher Oppezzo vom Stanford Prevention Research Center 1,2 Gramm als Minimum und 1,6 Gramm als ideal einstuft, sieht St. Pierre von Precision Nutrition bei intensivem Training ein Ziel von 1,6 bis 2,2 Gramm pro Kilogramm, betont jedoch, dass darüber hinaus kein zusätzlicher Nutzen entstehe.

Für gesunde ältere Menschen empfiehlt die Fachgesellschaft ESPEN 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm, bei Krankheit oder Unterernährung 1,2 bis 1,5 Gramm.

Risiken für die Nierenfunktion bei übermäßigem Konsum

Experten betonen, dass der moderne Mensch häufig doppelt so viel Eiweiß zu sich nimmt wie empfohlen. Nach Angaben der Medizinerin Gülçin Kantarc? führt eine übermäßige Zufuhr jedoch nicht automatisch zu mehr Muskelmasse. Vielmehr könne eine proteinreiche Ernährung bei Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Nierensteinen die Organfunktion empfindlich stören.

Anzeige

Wer sich mit den Auswirkungen von Ernährung auf die Organwerte befasst, sollte seine persönlichen Ergebnisse richtig einordnen können. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre Gesundheit gezielt schützen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier anfordern

Auch die Endokrinologin Vesna Dimitrijevi? Sre?kovi? warnt vor Hyperproteindiäten, da diese die glomeruläre Filtrationsrate sowie die Kreatinin-Clearance steigern und das Risiko für Nierenversagen, Atherosklerose sowie Karzinome erhöhen können.

Tierische Proteine begünstigen zudem höhere Werte von Homocystein und IGF-1. Aus chinesischen Kliniken wird berichtet, dass junge Männer nach der Einnahme von täglich drei bis vier Portionen Proteinpulver in Verbindung mit hartem Training erhöhte Urinprotein- oder Serumkreatininwerte aufwiesen; Warnzeichen seien Schaumurin, Beinödeme und Müdigkeit.

Bei bestehenden Nierenschäden könne hoher Konsum zu irreversiblen Beeinträchtigungen führen. Demgegenüber verweist die Japanische Gesellschaft für Nephrologie darauf, dass bei gesunder Darmflora selbst hohe Mengen von 3,3 Gramm pro Kilogramm über ein Jahr keine Nachteile zeigten und Schäden primär im Zusammenspiel mit einer gestörten Darmflora und hoher Tryptophanzufuhr entstünden.

Anzeige

Was viele Menschen nicht wissen: Gelenkschmerzen, Blutzuckerspitzen und ständige Müdigkeit haben oft eine gemeinsame Ursache in der täglichen Ernährung. Erfahren Sie in diesem Gratis-Ratgeber, wie Sie stille Entzündungen durch die richtigen Lebensmittel lindern können. 12 natürliche Entzündungs-Killer kostenlos entdecken

Ein Review im Journal der Cell-Press-Reihe, das über 350 Arbeiten auswertete, zeigte auf, dass ein Überschuss an Aminosäuren wie Methionin, Isoleucin und Valin zu Entzündungen und Adipositas beitragen kann. Studienautor Dudley Lamming rät daher zu personalisierten Vorgaben nach Alter und Aktivitätsgrad.

Verarbeitete Produkte und pflanzliche Alternativen

Der Markt für Proteinpulver wuchs laut Branchenerhebungen von 4,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 und soll bis 2030 auf 19,3 Milliarden US-Dollar ansteigen. Gleichzeitig stuft eine Untersuchung am spanischen Markt 90,8 Prozent von 561 analysierten proteinangereicherten Produkten nach dem Modell der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation als weniger gesund ein.

Bei pflanzlichen Pulvern wies ein europäisches Forschungsteam 2025 in 56 Präparaten Schwermetalle wie Cadmium, Blei und Nickel nach, wobei Cadmium teils höher lag als in Molkenprotein.

Die Nederlandse Vereniging van Diëtisten (NVD) hält die Richtgröße von 60 Prozent pflanzlichem und 40 Prozent tierischem Eiweiß zwar für eine Orientierung, rät jedoch bei unterernährten oder geschwächten Patienten von einer pauschalen Umstellung ab. Fachleute empfehlen daher, vor extremen Ernährungsumstellungen bestehende Vorerkrankungen ärztlich abzuklären.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70345301 |