Elektro-Industrie: Aufträge im H1 um 9,5% gestiegen
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie hat in der ersten Jahreshälfte 2026 einen deutlichen Zuwachs bei den Auftragseingängen verzeichnet. Wie aktuelle Branchendaten belegen, stiegen die Bestellungen im ersten Halbjahr um insgesamt 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei entwickelten sich die Nachfrage aus dem Inland mit einem Plus von 9,7 Prozent und jene aus dem Ausland mit einem Zuwachs von 9,4 Prozent nahezu parallel auf hohem Niveau.
Besonders dynamisch präsentierte sich der Monat Juni, in dem die Aufträge um 13,3 Prozent zunahmen. Diese Entwicklung war vor allem durch eine sprunghafte Steigerung der Inlandsnachfrage um 60,7 Prozent geprägt, während die Auslandsbestellungen im selben Monat um 11,3 Prozent zurückgingen.
Starke Nachfrage nach Informations- und Kommunikationstechnik
Als wesentlicher Treiber für die positive Auftragsentwicklung gelten Großaufträge im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Der Chefvolkswirt des Branchenverbandes ZVEI verwies darauf, dass insbesondere diese Großprojekte das Gesamtergebnis gestützt haben. Die Produktion in der Elektro- und Digitalindustrie legte im ersten Halbjahr um 0,7 Prozent zu. Für das Gesamtjahr 2026 strebt die Branche ein Produktionsplus von 2 Prozent an.
Diese Entwicklung fügt sich in ein gemischtes Gesamtbild der deutschen Industrie ein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg der gesamte industrielle Auftragseingang im Juni 2026 um 3,1 Prozent gegenüber dem Vormonat und übertraf damit die Erwartungen von Ökonomen, die lediglich mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent gerechnet hatten. Auch hier waren Großaufträge im Maschinenbau und in der Elektrotechnik ausschlaggebend. Ohne diese Sondereffekte hätte das zweite Quartal lediglich stagniert.
Ausbau der Kapazitäten für digitale Infrastruktur
Ein zentrales Wachstumsfeld bleibt die Infrastruktur für Rechenzentren, getrieben durch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI). In diesem Segment investiert Siemens über 200 Millionen US-Dollar in zwei US-Standorte in Georgia und Texas, wodurch mehr als 1.500 Arbeitsplätze entstehen sollen. Das Unternehmen verzeichnete in den ersten neun Monaten im Geschäftsbereich Datenzentren einen Auftragseingang von rund 6 Milliarden Euro. Zuvor wurden bereits im Juli 2026 Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro in deutsche Werke angekündigt.
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Auch andere Schwergewichte der Branche melden Rekordzahlen. Siemens Energy verbuchte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Rekordauftragseingang von 17,9 Milliarden Euro auf Konzernebene. Im Bereich Gas Services stiegen die Bestellungen um 62 Prozent auf rund 10 Milliarden Euro. Die GEA Group verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Anstieg des Auftragseingangs um 14,2 Prozent auf 1,495 Milliarden Euro bei einem Umsatzplus von 10 Prozent. Das Unternehmen plant zudem ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 500 Millionen Euro bis zum Jahr 2027.
Unterschiedliche Dynamik im verarbeitenden Gewerbe
Trotz der positiven Impulse durch Großprojekte bleibt die Stimmung in weiten Teilen der Wirtschaft verhalten. Der Stimmungsindex des DIHK sank im Frühsommer 2026 von 95,9 auf 88,1 Punkte. Im deutschen Maschinenbau wird nach einem Produktionsrückgang von 5 Prozent im Jahr 2025 für das laufende Jahr lediglich ein moderates Plus von 1 Prozent erwartet. Hier belasten weiterhin Lieferkettenprobleme, insbesondere bei Elektronikkomponenten, sowie ein gravierender Fachkräftemangel.
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Noch deutlicher zeigen sich die Herausforderungen in der Automobilindustrie. Das ifo-Geschäftsklima für diesen Sektor lag im Juli 2026 bei minus 15,6 Punkten. Deutsche Automobilhersteller meldeten für das erste Quartal 2026 Gewinnrückgänge von 23 Prozent, während US-Wettbewerber deutliche Zuwächse verzeichneten. Zudem sehen 83 Prozent der Unternehmen in dieser Branche US-Zölle als massive wirtschaftliche Belastung an. Im Gegensatz dazu meldete Südkorea für das zweite Quartal 2026 einen Anstieg der Exporte um 57,3 Prozent, was primär auf eine starke globale Halbleiternachfrage zurückgeführt wird.
